Im folgenden Fachbeitrag erläutert Hilbert Wann, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Messing-Sanitär e.V., die Rolle von Kuper-Zink-Legierungen in der gesamten Haustechnik und speziell in Trinkwasserinstallationen.
| | Einleitung
Bei den Standardlegierungen, die im Weiteren als Messing bezeichnet werden, handelt es sich im Wesentlichen um die Legierungen CuZn39Pb3 [1] und CuZn40Pb2 [2]. Grundsätzlich erfüllen Kupfer-Zink-Legierungen die an Installationswerkstoffe gestellten Anforderungen in hohem Maße. Dies ist unter anderem der Grund dafür, dass Messing wohl mit Fug und Recht als der meist verwendete Werkstoff für Armaturen und Fittings bezeichnet werden kann. Den Einzug in den Installationsbereich haben Armaturen aus Messing bereits mit dem Beginn „moderner“ Installationstechniken in Ein- und Mehrfamilienhäusern Anfang des 19ten Jahrhunderts gehabt. |
Spätestens mit dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg wurde Messing zum eindeutigen Standard für Fittings und Armaturen in der Sanitärtechnik.
| | Mengenmäßige Bedeutung Statistiken über die Produktion oder die Verwendung von Armaturen bzw. Fittings werden in Deutschland bzw. in Europa nicht in der Form erhoben, dass aussagefähige statistische Daten über einzelne Werkstoffe verfügbar sind. Allerdings werden von einer Gesamtproduktion Messing in Form von zerspanbaren Knetlegierungen (Stangen) oder Gussvorlegierungen von etwa 1,5 Millionen Tonnen jährlich in Europa [3] etwa 700.000 Tonnen allein als Vormaterial an weiterverarbeitende Hersteller von Armaturen, Ventilen und Fittings geliefert. |
Bei einem angenommenen
Stückgewicht von durchschnittlich
ca. 700 g
[4] bewegt sich demnach die
jährliche Produktion in Europa auf eine
Menge von schätzungsweise über eine Milliarde
einzelner Bauteile pro Jahr. Die Zahlen
für Deutschland
[5] belaufen sich dabei
beim Vormaterial auf etwa 150.000 Tonnen
pro Jahr, aus denen entsprechend dann
etwa 250 Millionen Bauteile gefertigt werden.
Für die Bedeutung des Werkstoffes spricht
allerdings weitaus mehr die Tatsache, dass
Messing bis etwa Anfang der 1990er Jahre
mit einem Anteil von annähernd 95 % als
praktisch einziger Armaturenwerkstoff zum
Einsatz kam. Daraus ließe sich über den Bestand
an Ein- und Mehrfamilienhäusern
(sowie Wirtschaftsbau) in Europa theoretisch
das installierte Volumen von Messing
hochrechnen. Bemerkenswert bei dieser
Betrachtung ist allerdings vielmehr die Tatsache,
dass der Werkstoff Messing in Form
von Armaturen, Ventilen und Fittings oftmals
seit mehr als 30 bis 40 Jahren seinen Dienst
problemlos verrichtet.
Anfang bis Mitte der 1990er Jahre haben
weitere Armaturenwerkstoffe an Bedeutung
gewonnen. Zu nennen wäre hier z.B. der
Rotguss als eine weitere Kupferlegierung.
Edelstahl hat in den letzten Jahren vorwiegend
aufgrund der enorm angestiegenen
Rohstoffpreise für Kupfer Marktanteile gewonnen. Dennoch ist Messing unverändert
auch heute noch der Installationswerkstoff
Nr. 1 mit einem Anteil von schätzungsweise
etwa 70 bis 80 % an den Gesamtinstallationen.
In der Haustechnik wird Messing darüber
hinaus auch überwiegend für Heizungs-
und Gaskomponenten eingesetzt.
Auch hier beweist der Werkstoff bei teilweise
abweichenden Anforderungen seit
Jahrzehnten seine Zuverlässigkeit.
| | Herstellungsverfahren [6]
Je nach Konstruktion, Ausführung und Verwendungszweck kommen unterschiedliche Herstellungsverfahren für Bauteile aus Kupfer-Zink-Legierungen zum Einsatz. Symmetrische Fittings werden überwiegend aus Voll- oder Hohlstangen auf Drehautomaten spanabhebend hergestellt. Dagegen werden Bauteile mit einer komplexeren Geometrie vorzugsweise entweder als warmgepresstes Schmiedestück oder als Gussteil gefertigt. Unabhängig vom Fertigungsverfahren hat sich Messing hier auch als ein äußerst wirtschaftlicher Werkstoff bewiesen, wie Untersuchungen [7] an unterschiedlichen metallenen Konstruktionswerkstoffen belegen. Für die Wirtschaftlichkeit von Messing und gleichzeitig für die ökologische Unbedenklichkeit des Werkstoffes spricht auch die hohe Recyclingrate. |
Reststoffe der Fertigung wie z.B. Späne
werden zu annähernd 100 % wieder dem
Produktionskreislauf zugeführt. Fertigteile
aus Messing lassen sich, gleich welchen
Alters, auch nach Jahrzehnten wieder ohne
Qualitätsverlust einschmelzen und zu neuen
Produkten verarbeiten.
| | Werkstoffe Bedingt durch die beschriebenen Herstellungsverfahren kommen Kupfer-Zink-Legierungen in Europa ganz überwiegend entweder als Standardmessing, entzinkungsbeständiges Messing oder als Gusslegierung zum Einsatz. Bei den Standardlegierungen handelt es sich im Wesentlichen um die Legierungen CuZn39Pb3 und CuZn40Pb2. Hinzu kommen als entzinkungsbeständige Varianten Legierungen, denen geringe Mengen an Arsen hinzu legiert werden, um die Entzinkungsbeständigkeit zu erhöhen. Diese Legierungen enthalten in der Regel zwischen 2 bis 3,5 % Blei um eine wirtschaftliche Zerspanung zu ermöglichen. |
In den letzten Jahren sind weitere bleireduzierte oder modifizierte Legierungen mit beispielsweise Arsen bzw. Silizium hinzugekommen, um die in Europa gestiegenen hygienischen Anforderungen an Werkstoffe im Trinkwasserbereich zu erfüllen. Weitere auf Standardmessing basierende Legierungen mit einem reduzierten Bleigehalt (< 0,25 %) werden zunehmend in Europa sowie für Exportzwecke verwendet.
Gesundheitliche / hygienische Aspekte
In Europa gelten vermutlich die weltweit
schärfsten gesetzlichen Verordnungen bezüglich
der hygienischen Anforderungen an
Trinkwasser und somit auch an die Werkstoffe,
die in Installationen verwendet werden
dürfen. Für Kupfer-Zink-Legierungen
liegt der Fokus dabei insbesondere auf der
Legierungskomponente Blei sowie auf bestimmten
sonstigen unvermeidbaren Begleitelementen
wie beispielsweise Nickel.
Die World Health Organization (WHO) hat
erstmals 1953 internationale Standards für
Trinkwasser
[8] definiert. Diese wurden in
der EU durch die sogenannte Trinkwasserrichtlinie
[9] umgesetzt, die in den EU-Mitgliedsländern
über entsprechende Verordnungen
umgesetzt und angewendet werden
müssen. Die letzte Revision der deutschen Trinkwasserverordnung
[10] beispielsweise
ist mit Wirkung vom November 2011 in Kraft
getreten. Hier sind unter anderem Grenzwerte
für Blei bei max. 10 μg/l ab
01. Dezember 2013 festgeschrieben. Auf Basis
aufwändiger Meßverfahren hat der
Werkstoff Messing bereits heute den Beweis
erbracht, dass er in einer breiten Palette
der für Trinkwasserinstallationen geeigneten
Legierungen den zukünftig strengen
Anforderungen unverändert genügt. Es
ist damit sicher, dass Messing auch im Hinblick
auf gesetzliche Regelwerke und zukünftige
Grenzwerte mit Abstand einer der
bedeutendsten Armaturenwerkstoffe in Europa
bleiben wird.
Weiter ist davon auszugehen, dass die
Grenzwerte gemäß der derzeit geltenden
deutschen Trinkwasserverordnung auch in
den übrigen EU-Mitgliedstaaten gesetzlich
umgesetzt werden. Für Frankreich, Großbritannien
und die Niederlande dürfte dies
bereits im kommenden Jahr 2013
[11] der Fall
sein. Weitere Länder werden folgen.
Ähnlich strenge Grenzwerte für bestimmte
Stoffe wie zum Beispiel Blei oder Nickel
werden zurzeit weltweit nur in einigen Bundesstaaten
der USA vorgeschrieben. Dabei
wird allerdings nicht die tolerierbare Abgabe
eines Werkstoffes an das Trinkwasser
geregelt, sondern vielmehr ein maximaler
Grenzwert für die jeweiligen Legierungsbestandteile,
der beispielsweise in Kalifornien
[12] bei < 0,25 % Blei liegt. Weitere
amerikanische Bundesstaaten werden diesen
Vorgaben folgen.
Korrosion
Ein weiterer wesentlicher Aspekt für die
Verwendung eines Werkstoffes in der
Trinkwasserinstallation ist die Ausfallsicherheit und Lebensdauer. Bei metallenen
Werkstoffen spielt hier im Wesentlichen die
Korrosion für das funktionelle Versagen eines
Bauteils eine Rolle. Für Messing sind
theoretisch zwei Korrosionsformen relevant.
Dies ist zum einen die Spannungskorrosion
sowie die seltenere Form der Entzinkungskorrosion
[13]. Beide Korrosionsarten sind
ausreichend erforscht
[14] und das Gefährdungspotential
kann aufgrund geeigneter
Fertigungsprozesse bzw. durch den Einsatz
entzinkungsbeständiger Legierungen nahezu
eliminiert werden. Tatsächlich können
Schadensfälle aufgrund von Spannungskorrosion
bei nach den anerkannten Regeln der
Technik ausgeführten Bauteilen als außerordentlich
selten bezeichnet werden. Entzinkungskorrosion
findet ausschließlich in
stark chloridhaltigem und in der Regel weichem
Wasser statt. Diese „Problemwässer“
sind in etwa unter 5 % der Versorgungsgebiete
in Europa gegeben, in Deutschland
sind es nur knapp über 2 % der Wasserversorgungsgebiete.
Diese sind dem Installateur
bekannt und die Entzinkung kann durch
den Einsatz entsprechender entzinkungsbeständiger
Kupfer-Zink-Legierungen [15] sicher
vermieden werden. Auch hier liefert
die Realität letztendlich den Beweis, denn
mehrere hundert Millionen Messingbauteile
aus entzinkungsbeständigen Legierungen
sind Jahrzehnte lang erfolgreich im Einsatz.
Fazit
Die dominante Rolle von Kupfer-Zink-Legierungen
in der gesamten Haustechnik und
speziell in Trinkwasserinstallationen resultiert
aus der Summe ihrer Eigenschaften.
Neben der hohen Wirtschaftlichkeit des
Werkstoffes hat Messing auch bei verschärften
Anforderungen an Hygiene, gesundheitliche
Unbedenklichkeit und Korrosionsbeständigkeit
seine Einsatzgrenzen in Europa noch lange nicht erreicht. Messing
erfüllt auch auf lange Sicht in Zukunft die
gesetzlichen Anforderungen an Installationswerkstoffe,
und dies nicht nur in Europa
sondern weltweit. Bei Einhaltung der anerkannten
Regeln der Technik ist Messing
auch aus korrosionstechnischer Sicht ein
überaus sicherer Werkstoff.
Damit kann Messing sicherlich uneingeschränkt
als zukunftssicherer Werkstoff bezeichnet
werden.
| | Autor:
Hilbert Wann
Geschäftsführer der
Gütegemeinschaft Messing-Sanitär e.V.
Am Bonneshof 5 – 40474 Düsseldorf
Email: [email protected] |
Literatur / Quellenangabe:
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[1] Werkstoffbezeichnung ISO CuZn39Pb3 / EN CW614N (Europa) / ASTM C38500 (USA)
[2] Werkstoffbezeichnung ISO CuZn40Pb2 / EN CW617N (Europa) / ASTM 38000 (USA)
[3] Quelle: International Wrought Copper Council, London (IWCC), Brass Rod Committee Statistics
[4] Eigene Berechnungen GMS; zum Teil Schätzungen
[5] Quelle: Gesamtverband der Deutschen Buntmetallindustrie, Berlin (Arbeitskreis Messingstangen)
[6] Deutsches Kupferinstitut, Düsseldorf; Informationsbroschüre „Messing-Ein moderner Werkstoff mit langer Tradition“ –
siehe auch DIN EN 12164 / DIN EN 12165 / DIN EN 12167 / DIN EN 12168
[7] Deutsches Kupferinstitut, Düsseldorf; Informationsbroschüre „Von Messing profitieren – Drehteile im Kostenvergleich“
[8] Guidelines for drinking-water quality; 4th edition; WHO 2011 383-384
[9] Richtlinie 98/83/EG des Rates über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch
[10] Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung) vom 21. Mai 2001;
BGBl 959-980 / Revision BGBl Teil1 Nr.21 vom 11. Mai 2011
[11] Acceptance of metallic materials used for products in contact with drinking water – 4MS common approach;
Umweltbundesamt Berlin
[12] Chan Bill (AB 1953) California SB1334 & SB1395 NSF Standard 61, Annex G (January 15, 2009)
[13] Deutsches Kupferinstitut, Düsseldorf; Informationsbroschüre „Messing ja – Entzinkung muss nicht sein!“
[14] Initiative Kupfer; Informationsschrift „Installationsprobleme?“
[15] Gemäß ISO 6509 - Corrosion of metals and alloys - Determination of dezincification resistance of brass