Entwicklung und Struktur des Energieverbrauchs wurden 2012 in Deutschland vor allem durch die energiepolitischen Beschlüsse sowie niedrige Temperaturen geprägt. Insgesamt stieg der Verbrauch an Primärenergien auf 13.645 Petajoule (PJ) oder rund 466 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE).
Der Energieverbrauch in Deutschland verzeichnet seit 1990 im Trend eine
rückläufige Tendenz. 2009 fiel der Verbrauch infolge der Konjunkturkrise auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1970er Jahre. 2010 erholte sich der Verbrauch bei kälterer Witterung im Rahmen des Konjunkturaufschwungs. 2011 sorgte die milde Witterung für einen erneuten Rückgang. Der leichte Anstieg im Jahre 2012 beruht vorwiegend auf dem Mehrbedarf an Wärmeenergien infolge der gegenüber dem Vorjahr niedrigeren Temperaturen.
„Das entspricht einer
Zunahme von knapp einem Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Niveau, das nur wenig
über dem Krisenjahr 2009 liegt“, erläuterte das geschäftsführende Vorstandsmitglied der
Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Hans-Joachim Ziesing, anlässlich der Vorlage der
vorläufigen Jahresdaten zum Energieverbrauch in Deutschland.
Den größten Einfluss auf den Energieverbrauch hatte 2012 die vergleichsweise kühle
Witterung. Die gemessene Durchschnittstemperatur von 9,2 °C lag unter dem Mittel der
vergangenen zehn Jahre und deutlich tiefer als im Vorjahr (9,7 °C). Von der verbrauchssteigernden
Wirkung der niedrigen Temperaturen profitierten vor allem die Wärmeenergien
Mineralöl (Heizöl) und Erdgas.
Von der Konjunktur gingen dagegen verbrauchsdämpfende Effekte aus. Zwar stieg die
gesamte wirtschaftliche Leistung um 0,7 Prozent. Allerdings veringerte sich im produzierenden
Gewerbe - insbesondere in den energieintensiven Industrien - die Produktion um
insgesamt 1,2 Prozent.
Ohne den verbrauchssteigernden Effekt der kühlen Witterung wäre der Energieverbrauch in
Deutschland nach den Berechnungen der AG Energiebilanzen um fast ein Prozent gesunken.
Bei den einzelnen Energieträgern verlief die Entwicklung unterschiedlich. Die stärkste prozentuale
Zunahme gab es bei den erneuerbaren Energien. Sie legten insgesamt um etwas
über 8 Prozent zu. Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch stieg
von 10,8 auf 11,6 Prozent. Zuwächse verbuchten auch die Steinkohle (+ 3,1 Prozent ) und
die Braunkohle (+ 5,3 Prozent). Beide Energien leisteten einen Betrag zum Gesamtverbrauch
in Höhe von jeweils rund 12 Prozent. Das Erdgas legte um 1,4 Prozent zu und trug
mit gut einem Fünftel zum Gesamtverbrauch bei. Das Mineralöl blieb mit einem Anteil von
gut einem Drittel wichtigster Energieträger. Während der Verbrauch an Heizöl, Diesel- und
Flugkraftstoff zunahm, gab es beim Absatz an Ottokraftstoff erneut einen Rückgang. Die
Bedeutung der Kernenergie nahm infolge des Ausstiegsprogramms weiter ab. 2012 hatte
dieser Energieträger nur noch einen Anteil von 8 Prozent am Gesamtverbrauch.
2012 konnte Deutschland 32 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus heimischen
Energieressourcen decken. Die größten Beiträge lieferten die Braunkohle sowie die erneuerbaren
Energien.
Anders als beim gesamten Energieverbrauch kam es beim Stromverbrauch zu einem Rückgang.
Der Bruttostromverbrauch sank um etwas mehr als ein Prozent auf 595 Milliarden
Kilowattstunden (Mrd. kWh). Die Bruttostromerzeugung lag dagegen um gut ein Prozent
über dem Vorjahreswert. Eine höhere Nachfrage aus dem Ausland führte zu einem positiven
Stromaustauschsaldo.
Wie die AG Energiebilanzen berechnete, hat sich die gesamtwirtschaftliche Energieproduktivität
im vergangenen Jahr geringfügig verschlechtert. Ohne den Witterungseinfluss wäre
die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz zwar um 1,5 Prozent gestiegen, hätte damit
aber den langjährigen Mittelwert von 1,9 Prozent nicht erreicht. Die gesamtwirtschaftliche
Stromproduktivität hat sich dagegen positiv entwickelt und verzeichnete eine kräftige
Steigerung um über 2 Prozent. Hier lag die Zunahme in den vergangenen 20 Jahren nur bei
jahresdurchschnittlich rund einem Prozent.
Der Jahresbericht der AG Energiebilanzen bietet zusätzlich zu den präzisen Daten der
Verbrauchsentwicklungen ausführliche Detailinformationen zur Energieeffizienz, zur
Preisentwicklung sowie eine erste Abschätzung der energiebedingten CO2-Emissionen.
Der Jahresbericht ist damit eine wichtige Daten- und Arbeitsgrundlage für das von der
Bundesregierung beschlossene Monitoring zur Energiewende.