Am kommenden Montag beginnen die ersten spanischen Jugendlichen ein Schnupperpraktikum in Betrieben der Innung Sanitär Heizung Klima Frankfurt. Daraus soll – wenn man sich gefällt – ein deutsch-spanisches Ausbildungsverhältnis werden. Die jungen Spanier haben dann die Chance, in drei bis dreieinhalb Jahren in den Handwerksbetrieben als Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ausgebildet zu werden.
Insgesamt kommen 40 Jugendliche aus dem Raum Madrid für 10 Tage zu einem Praktikum zum
gegenseitigen Kennenlernen in die Handwerksbetriebe der Rhein-Main-Region. Initiiert wurde der
Austausch durch ein Projekt zur Fachkräftesicherung zwischen Hessen und der Region Madrid,
unterstützt von der Handwerkskammer Rhein-Main.
Innungsbetriebe sehen das Projekt als Chance – für beide Seiten
Sonja Feucht von der Bruder & Feucht GmbH möchte gleich zwei spanische Jugendliche in ihrem
Betrieb für Heizungsbau und sanitäre Haustechnik aufnehmen, darunter eine Frau. „Für das Jahr 2013 haben wir keine einzige inländische Bewerbung erhalten Wir erhoffen uns von dem
Austausch motivierte Auszubildende.“ Zugleich freut sie sich, jungen Spaniern eine berufliche
Perspektive bieten zu können, die sie in ihrem Heimatland nicht haben. „Wir sind ein sehr familiär
geführter Betrieb, haben selbst zwei Kinder, die das Glück haben, eine gute Ausbildung genießen
zu dürfen, so dass wir gerne auch spanischen Jugendlichen dabei helfen wollen, ihren beruflichen
und vielleicht auch ihren privaten Lebensweg zu finden."
Sicherlich bedeutet die Aufnahme der beiden Spanier für sie und ihr Team einen Mehraufwand, da
zunächst sprachliche Barrieren und organisatorische Hürden überwunden werden müssen. Doch ist sich Sonja Feucht sicher: das Engagement wird sich langfristig für beide Seiten lohnen, denn
jeder motivierte Mitarbeiter ist ein großer Gewinn für das Unternehmen.
Vorbereitung auf ein neues Leben in Deutschland
Nach dem Schnupperpraktikum soll in einem Auswahlverfahren gemeinsam mit den Betrieben die
Vergabe der Ausbildungsplätze erfolgen. Die Jugendlichen kehren dann nach Spanien zurück,
setzen ihre Deutsch-Intensiv-Kurse fort und werden auf ihr neues Leben in Deutschland
vorbereitet. Nach ihrer Ankunft im August werden sie von Mitarbeitern der Handwerkskammer
unterstützt und begleitet, auch ganz praktisch bei der Anmeldung oder bei einer Kontoeröffnung.
Während der gesamten Ausbildungszeit erhalten die jungen Spanier Deutschunterricht und
ausbildungsbegleitenden Nachhilfeunterricht. Besonders wichtig aber werden die oft familiären
Strukturen in den Handwerksbetrieben sein, damit sich die Jugendlichen wohl fühlen. Sonja
Feucht weiß um ihre Verantwortung „Viele der Jugendlichen waren noch nie im Ausland und
fangen hier ein neues Leben ohne ihre Familien an. Das ist ein Riesenschritt. Wir sind ein kleiner,
familiärer Betrieb, in dem sich jeder darum kümmern wird, dass es den jungen Menschen hier gut
geht und sie sich gut entwickeln können.“