Eine Raumlüftung muss genau auf die Nutzung eines Gebäudes abgestimmt sein – bei einer Schule etwa gelten hier andere Regeln als bei einem Wohnhaus. Die Herausforderungen beim Planen sind andere, die Vorzüge einer Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung aber die gleichen: bessere Luftqualität, höhere Behaglichkeit und deutliche Energieeinsparung. Wie sinnvolle Lösungen im Detail aussehen können, zeigt der neue Protokollband des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser.
Der verbesserte Wärmeschutz eines Passivhauses lässt sich meist auch bei Schulen,
Kindergärten und Bürogebäuden leicht umsetzen. Für ein tragfähiges Konzept bei der
Lüftung hingegen sind oft maßgeschneiderte Anlagen nötig. „Hier bieten die Beiträge
des Protokollbandes eine Grundlage, mit der Planer bei der Auswahl und Optimierung
der Systeme arbeiten können“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus
Instituts. Primäres Ziel sei wie bei Wohngebäuden eine hohe Luftqualität.
„Wichtig ist eine frühzeitige Abstimmung von Nutzung und Raumanordnung“, so Oliver
Kah. Dies ermögliche eine einfache Luftführung und könne somit die Kosten gering
halten. Da Nichtwohngebäude oft zu bestimmten Zeiten besonders intensiv genutzt
werden, betont der wissenschaftliche Mitarbeiter des Passivhaus Instituts in einem
Beitrag zum Protokollband die Bedeutung der Regelung des Lüftungsbetriebs. Zur
Abstimmung auf den Bedarf empfiehlt Kah Zeitprogramme oder Präsenzmelder. Für
die Wirtschaftlichkeit sei aber auch eine optimale Auslegung von Luftmengen und
Luftführung entscheidend – etwa durch eine „doppelte Nutzung“ der Zuluft durch
gerichtete Durchströmung oder durch kompakte Kanalnetze.
In den weiteren Beiträgen der neuen Veröffentlichung werden die Vorteile einer
Komfortlüftung analysiert, Konzepte zur Verbesserung der elektrischen Effizienz im
kritischen Teillastbetrieb erläutert und konkrete Empfehlungen zur Auslegung von
Lüftungsnetzen gegeben. Der Fokus liegt dabei immer wieder auf der ökonomischen
und energetischen Bewertung der kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung.
Begünstigt wird die Entwicklung hin zur energieeffizienten Komfortlüftung auch in
Nichtwohngebäuden durch die zunehmende Verfügbarkeit hochwertiger Produkte. Zur
energetischen Bewertung empfielt das Passivhaus Institut ein an die Besonderheiten
großer raumlufttechnischer Anlagen angepasstes messtechnisches Prüfverfahren:
Wegen der vielen Gerätevarianten wird dabei nur das auf die Mindestbestandteile
reduzierte Zentralgerät bestehend aus Gehäuse, Wärmeübertrager und Ventilatoren
untersucht. Dass die Vorgaben tatsächlich auch eingehalten werden können, belegen
Prüfstandsmessungen an Zentralgeräten mit Luftleistungen bis 6000 m³/h.
Lösungen auch für anspruchsvolle Projekte
Bei richtiger Planung können die strengen Anforderungen des Passivhaus-Standards
an die Raumlufttechnik auch bei anspruchsvollen Projekten erreicht werden. Gute
Ergebnisse liefert die wissenschaftliche Begleitung unter anderem von Sporthallen,
Hallenbädern und Einkaufsmärkten. In allen Fällen führt die Komfortlüftung nicht nur
zu einem geringeren Energieverbrauch, sondern auch zu besseren Gesundheitsbedingungen
und einer höheren Behaglichkeit im Innenraum.
Der Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser beschäftigt sich seit 1996 mit zentralen
Fragen des energieeffizienten Bauens. Die Ergebnisse werden in einer fortlaufenden
Reihe von Protokollbänden veröffentlicht. Träger des Arbeitskreises Phase V sind die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt, proKlima - Der enercity-Fonds, das Hessische
Umweltministerium und die FAAG Technik GmbH.