Deutschlands Bevölkerung schrumpft. Seit dem Jahr 2003 sinken die Einwohnerzahlen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes kontinuierlich. Es erscheint dabei paradox, dass trotz dieser Entwicklung der Wohnungsmarkt schon heute und insbesondere in den kommenden Jahren unter Druck steht.
Bild: HeizungsJournal-Verlags GmbH
Aber: Veränderte
Wohnvorstellungen mit zunehmender
Tendenz zum Single-Haushalt und der demografische
Wandel mit einer immer älter werdenden
Bevölkerung stellen zunehmend
höhere Ansprüche an Wohnquantität
und –qualität, die die zum
Großteil bis weit in die 1970er Jahre
gebauten Wohnungen nicht mehr erfüllen
können.
Eine Studie des Eduard Pestel Instituts
weist darauf hin, dass der Wohnungsbedarf
insbesondere in stark nachgefragten
City-Lagen bis zum Jahr 2025 deutlich
steigt und dieser nicht mehr durch die
gegenwärtige Bautätigkeit abzudecken
sein wird. Wohnungsknappheiten und
ausufernde Mietpreise sind aber inzwischen
schon in nahezu allen Großstädten
spürbar und fordern daher eine Reaktion
der Wohnungswirtschaft.
Zwischen Wohnraumbedarf, Qualitätsansprüchen
und Neubautätigkeit
klafft in Deutschland eine größer werdende
Lücke. Da sind sich wissenschaftliche
Institute und Fachexperten der Wohnungswirtschaft
einig. Aktuell beziffern
sich die Wohnungsdefizite in den großen
Zentren wie Hamburg, Köln, Frankfurt
oder München auf teils über 90.000 Einheiten.
Auf der anderen Seite gibt es aber
auch Wohnungsüberhänge, beispielsweise
in weiten Teilen Ostdeutschlands, in
Südniedersachsen, Nordhessen oder im
zentralen Ruhrgebiet, die sich inzwischen
auf eine knappe Million Einheiten aufsummiert
haben. Ein Ungleichgewicht,
das in der Summe soweit nicht dramatisch
erscheint. Aber so leicht geht diese
Rechnung nicht auf: Denn ein einfacher
Ausgleich des Überhangs ist nicht realistisch,
da die Bevölkerung in aller Regel an
wirtschaftlich attraktive Zentren mit guter
Arbeitsplatzdichte gebunden bleiben
möchte.
Besonders in städtischen Gebieten ist
daher ein vermehrter Wanderungsdruck
mit einhergehendem Wohnraumanspruch
spürbar: Seit Mitte der 1990er
Jahre verzeichnen urbane Zentren nämlich
wieder vermehrt Zuwanderungsgewinne
aus ländlichen Regionen.
Der Prozess der „Reurbanisierung“
nach dem Motto „hinein in die Stadt“
sorgt für steigende Mieten und Kaufpreise
für Wohnimmobilen in den City-Lagen.
Parallel dazu sank die Attraktivität des
Wohneigentums im ländlichen Raum.
Leerstände sind dort die bittere Folge.
Veränderte Wohnansprüche
Der vorhandene Wohnraum ist also nicht
dort, wo er benötigt wird. Ein Hauptgrund:
In den letzten 20 Jahren haben sich
gerade innerhalb der jüngeren Bevölkerung
die Wohnvorstellungen sehr gewandelt.
Besonders der Weg zum
Arbeitsplatz wird aufgrund stetig steigender
Mobilitätskosten zu einem wesentlichen
Faktor bei der Wahl des Wohnortes.
Ein kontinuierlich zunehmendes Qualifikationsniveau
der Erwerbspersonen, die Notwendigkeit
räumlicher Mobilität mit teils
oftmals wechselnden Arbeitsstellen oder
die Abnahme der Eigentumsförderung;
vor allem diese Faktoren haben zu einer
merklichen Aufwertung des Wohnens zur
Miete in der Stadt geführt. Dazu kommt
eine ausgeprägte Bereitschaft zum Wohnungswechsel
in nahezu allen Bevölkerungsschichten,
wie die repräsentative
Studie „Wohntrends Deutschland – Status
und Wünsche 2025“ der Sition Property
Marketing GmbH sowie der INNOFACT
AG belegt. Demnach gehen 59 Prozent
der Befragten davon aus, dass sie in zwölf
Jahren woanders leben als heute.
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Heft 6, Dezember 2013.
Weitere Beiträge im neuen Heft:
- Markus Käfer: „Spezialarmaturen für die Pflege finden den Weg ins Privatbad“
- Dr.-Ing. Heinz Rötlich: „Hygiene in der Trinkwasser-Installation – Die Neufassung der VDI/DVGW 6023“
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