"Talsohle bald erreicht" / Dramatische Lage in Niedersachsen. Der deutsche Baugewerbeverband erwartet für dieses Jahr einen nochmaligen Rückgang von Umsatz, Bauinvestitionen und Beschäftigung. Trotzdem hält er einen Wendepunkt in der Branchenkonjunktur noch 2002 für möglich. Die im Vorjahr erteilten Baugenehmigungen deuteten darauf hin, "dass in diesem Jahr die Talsohle erreicht werden könnte", sagte der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Arndt Frauenrath, am Mittwoch in Berlin. Jedoch werde sich die Branche auch 2002 "auf eine nochmals rückläufige Bautätigkeit einstellen müssen, wenn auch mit deutlich langsameren Tempo", modifizierte Frauenrath vorherige Aussagen, eine Aufhellung der Baukonjunktur sei noch nicht in Sicht.
Sollte Mitte dieses Jahres das wirtschaftliche Wachstum tatsächlich wieder anziehen, würden die Unternehmen ihre Investitionszurückhaltung zunehmend aufgeben und wieder mehr investieren, hofft der ZDB-Chef. Dies gelte aber nicht für den Osten. "Ich wäre froh, wenn wir für die neuen Länder im kommenden Jahr von einem Durchschreiten der Talsohle sprechen können", sagte Frauenrath.
Der Präsident des Baugewerbeverbandes zeigte sich nach den am Vortag vertagten ersten Tarifgesprächen für das Bauhauptgewerbe gegenüber den Forderungen der IG Bau unnachgiebig. "Es gibt in diesem Jahr keinen Verteilungsspielraum für Lohnerhöhungen", sagte er. Die von der Gewerkschaft geforderte Anhebung der Einkommen um 4,5 Prozent sei "nicht nachvollziehbar" und entbehre "jeglicher Realität", bekräftigte er. Die Arbeitgeber hatten am Vortag den bisherigen Tarifvertrag für die noch 954 000 Beschäftigten der Branche überraschend gekündigt.
Lage in Niedersachsen
Die niedersächsische Bauwirtschaft hat nach eigener Einschätzung 2001 das "schlimmste Jahr" seit Anfang der neunziger Jahre verzeichnet. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe sei um 8,3 Prozent zurückgegangen und erstmals unter 90 000 gesunken, teilte der Baugewerbeverband Niedersachsen am Mittwoch in Hannover mit. Die Produktion sei um 11,6 Prozent eingebrochen, der Umsatz um 9,9 Prozent auf 920 Millionen Euro. Niedersachsens Bauwirtschaft habe sich damit merklich schlechter als der Bundesschnitt entwickelt. Größtes Sorgenkind sei der Wohnungsbau mit einem Umsatzminus von 17 Prozent. Eine Trendwende sei nicht zu erkennen, die Lage bleibe auch 2002 angespannt.