Vor allem der private Energieverbrauch im Baubestand lässt sich drastisch reduzieren, das Einsparpotential ist immens. Ein gewöhnlicher Altbau verbraucht im Jahr etwa 200 Liter Öl pro Quadratmeter, während die EnEV nur noch 15 Liter pro Quadratmeter und Jahr erlaubt.
Weit über 80 Prozent des Bestandes gehören dem Altbausektor an. Rund 24 Millionen Altbauwohnungen in Deutschland sind aus energetischer Sicht sanierungsbedürftig.
Schon eine Sanierungsquote von jährlich 2 Prozent, also rund 500.000 Altbauten, würde zu einer Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes um eine Million Tonnen Kohlendioxid jährlich führen. Um diese Potential rasch auszuschöpfen, sind finanzielle Anreize sinnvoll. Hierzu stellt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) jährlich mehr als 200 Millionen Euro in Form von zinsverbilligten Darlehen zur Verfügung.
Das Förderprinzip der KfW sei verbesserungfähig, meint Ernst Ulrich von Weizsäcker. Die Investitionshöhe als Bezugsgröße lässt die energetische Wirkung außer acht. Teure, aus Umweltschutzsicht aber nur mäßig erfolgreiche Investitionen erhalten höhere Zuschüsse als günstig realisierbare, hocheffiziente Sanierungen.
Die Bundesinitiative Zukunftsorientierte Gebäudemodernisierung „jetzt!“, eine Zusammenschluss von Parlamentariern, Vertretern von Ingenieur- Handwerks- und Architektenverbänden, den Impulsprogrammen auf Länderebene und Bauforschungsinstituten mit Energieberatern, Architekten, Planern, Verarbeitern sowie namhaften Unternehmen der Baustoff-Industrie schlägt deshalb vor, staatliche Fördergelder nach dem sogenannten „Feistschen Modell“ zu vergeben. Danach erhält der Bauherr nur dann einen Zuschuss, wenn sein Bauwerk nach der Sanierung besser dämmt, als es der EnEV-Standard fordert. Die Förderhöhe würde damit an den prognostizierten Verbrauch und also an die Höhe des Einsparpontentials gekoppelt.
Weiterer Inhalt dieses Modells sei auch der Vorschlag, energetische Sanierungen durch einen direkten Einkommenssteuer-Abzug zu fördern, so von Weizsäcker. Dadurch entfiele die psychologische Hürde „Schulden machen“. Positiver Nebeneffekt wären steigende Beschäftigungszahlen. Da sinkende Arbeitslosenzahlen die Sozialkassen entlasten, bliebe diese Art der Förderung für den Bundeshaushalt aufkommensneutral.