Spätestens 2015 wird das sanierte historische Lahmann-Sanatorium in Dresdens elegantem Villenviertel „Weißer Hirsch“ bezugsfertig sein. Das Gelände hatte 1887 der Arzt Heinrich Lahmann gekauft und mit seinem Angebot an modernen Naturheilverfahren zu einem regelrechten Magnet für den europäischen Adel und für die europäischen Königshäuser, für Fürsten aus dem Orient, für Industrielle, Politiker und Schauspieler aufgebaut. Mitglieder der Hohenzollern-Dynastie und der russischen Zarenfamilie kurten hier regelmäßig genauso wie Jahre später die UFA-Stars Heinz Rühmann, Zarah Leander oder Marika Rökk.
Architektenzeichnung „Herrenbad“ im Dr.-Lahmann-Park. Das mit Eigentumswohnungen sanierte Gebäude aus den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurde um den Zwillingswohnturm erweitert.
Das BHKW-Modul „PowerCube“ mit 50/100 kW elektrisch/thermisch überzeugte den Contractor wegen seiner nachweislichen Zuverlässigkeit. Die Leistung von total 200 kW thermisch der beiden eingebauten Einheiten entspricht 20 % des Spitzenbedarfs „Dr.-Lahmann-Park“ von 1.000 kW. Die KWK wird damit etwa 70 bis 80 % der Jahresheizarbeit übernehmen. Bilder: MWB-Power GmbH
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet allerdings der ehemalige Stolz der Elbestadt in die Hände der Sowjetarmee. Die richtete im Areal eines ihrer Krankenhäuser ein. Diese Jahre hinterließen sichtbare Spuren in der Gebäudesubstanz. 2011 kaufte der Wohnungsbauträger Baywobau die mitgenommene Liegenschaft von ca. 30.000 m2 mit dem Ziel, sie unter weitgehendem Erhalt des Bestands zu einer hochwertigen Wohneigentumsanlage namens „Dr.-Lahmann-Park“ zu sanieren. 2012 begannen die Baumaßnahmen in den fünf denkmalgeschützten Gebäudeteilen Damen- und Herrenbad, Doktor- und Hirschhaus sowie Heinrichshof.
Heizungstechnisch suchte der Investor Baywobau nach einer sauberen Lösung sowohl in Bezug auf die globale Umweltbelastung als auch auf die örtliche. Damit fielen beispielsweise selbst Pelletkessel für die einzelnen Objekte durchs Sieb, weil man nicht wollte, dass durch den gepflegten Lahmann-Park im Turnus Lkws mit der Brennstofffracht zu den einzelnen Bunkern fahren. Eine Groß-Wärmepumpe mit einem Nahwärmenetz als Alternative schied aus geologischen Gründen aus. Das nicht sehr üppige Wärmeangebot der örtlichen Mineralogie hätte zahlreiche Bohrungen weit über 150 m Tiefe erfordert, was sich kostenmäßig nicht rechnete. Und für eine noch größere Anzahl kürzerer Sonden reichte einfach die Fläche für einen kurzschlussfreien Abstand zwischen den einzelnen Vertikal-Lanzen nicht aus.
In den Sondierungsdiskussionen mit der Drewag Stadtwerke Dresden AG kam Fernwärme aus einem GUD-Kraftwerk zur Sprache. Nur fehlte eine Fernwärmeleitung zum Areal. Da die Baywobau auf ihrem Wunsch nach Fernwärme beharrte, schlug der Energieanbieter ein Nahwärmenetz im Contracting mit einer Stromwärmeerzeugung aus einer dezentralen Station auf dem Gelände im Verbund mit Spitzenlast-Erdgaskesseln („Loganova“ von Buderus) vor und erhielt dafür den Zuschlag.
Als BHKW-Modul entschied sich der Contractor für zwei Module des „PowerCube“ der Motorenwerke Bremerhaven MWB. Das Unternehmen bietet seit Ende der 70er Jahre neben den bekannten EGA-Maschinen für die zivile Schifffahrt und für die Marine (bis 500 kW elektrisch) auch Block-Heizkraftwerke für die stationäre Anwendung an. Um die parallele Tätigkeit zu Land noch deutlicher sichtbar zu machen, hatte die MWB AG Mitte 2014 den Immobilien-Bereich aus dem mobilen Einsatz herausgelöst und in die dafür eigens gegründete MWB-Power GmbH eingebracht.
Für Gewerbeobjekte, Wohnkomplexe, Hotels, Krankenhäuser, Altenheime und andere Liegenschaften mit einem zeitgleichen Strom- und Wärmebedarf bis 50 kW elektrisch und 100 kW thermisch konzipierten die Bremerhavener den „PowerCube“. Diese kompakte und leise Einheit liefert das Werk serienmäßig mit Brennwerttechnik aus. Der Stromwärmeerzeuger stützt sich auf einem MAN-Motor ab. Swen-Sören Börner, Abteilungsleiter Energiedienstleistungen der Drewag, verweist auf zwei Merkmale, die besonders für die MWB-Maschinen sprächen: „Ein Schiffsausrüster kann sich keine Unzuverlässigkeit leisten. Jeder Reeder cancelt sämtliche Verträge mit ihm, wenn die Schiffe irgendwo auf Großer Fahrt wegen technischer Schwächen der Motoren liegen bleiben. Die MWB-Aggregate hatten uns von der Seite her schon in der Vergangenheit überzeugt.“
Die hohe Zuverlässigkeit resultiere aber auch aus einem zweiten Plus. „Normalerweise lassen BHKWs nur geringe Toleranzen im Kühlwasser und damit im Heizungsrücklauf zu beziehungsweise der Anlagenbauer muss mit der richtigen Auslegung von Wärmetauschern im Heizungsrücklauf dafür Verantwortung tragen, dass die Betriebsbedingungen korrekt eingehalten werden. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn die Temperaturen aufgrund des Verbraucherverhaltens, nämlich Ein- und Abschalten der Thermostate und Herauf- und Herunterdrehen, variieren, wie wir schon an anderen Installationen, die auf Störung gingen, feststellen mussten. Im ‚PowerCube’ dagegen hat MWB bereits eine entsprechende Technik integriert. Das BHKW steckt selbst große Schwankungen problemlos weg. Hinsichtlich dieses Störungsrisikos müssen wir uns als Betreiber keine Sorgen machen.“
www.drewag.de
www.mwb-power.de