In Deutschlands Privathaushalten werden etliche Heizungsanlagen betrieben, die 30 Jahre oder älter sind. Die alten Kessel sind nicht nur teuer im Unterhalt und im Verbrauch. Nach dem Willen des Gesetzgebers müssen sie teilweise ab 2015 ganz abgeschaltet werden. Experten raten bereits bei 15 Jahre alten Anlagen zur Modernisierung – das entlastet nicht nur die Umwelt sondern schont langfristig auch den Geldbeutel.
Grafik: DG Haustechnik
Seit Jahren wird über Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit diskutiert, aber das wirkliche Einsparpotential moderner Heizanlagen unterschätzen die meisten Bürger immer noch. Auch wenn sich Verbraucher bemühen, umweltbewusst und sparsam zu leben, können sie doch nur einen Bruchteil dessen einsparen, was ein alter Kessel im Keller überflüssig vergeudet. Dr. Hans Henning, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Großhandelsverband Haustechnik erläutert: „Bei der öffentlichen Diskussion um die Energiewende wird häufig übersehen, dass 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland in Gebäuden verursacht werden. Insbesondere die Heizungsanlage bietet ein großes Energieeinsparpotenzial, denn rund 85 Prozent des Energieverbrauchs im Haus gehen auf das Konto von Heizung und Warmwassererzeugung. Gleichzeitig geht die Industrie davon aus, dass derzeit mehr als zwei Drittel aller installierten Heizungsanlagen unzureichend effizient sind. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“
Ab 2015 sieht der Gesetzgeber laut der Energieeinsparverordnung bei einem Eigentümerwechsel zwingend den Austausch von Heizkesseln vor, die älter als 30 Jahre sind – dies gilt auch bei selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhäusern. Doch nicht nur bei diesen Uralt-Anlagen lohnt eine Modernisierung: Experten raten bereits bei 15 Jahre alten Anlagen zum Austausch. Martin Jensen, Experte für Heizungsanlagen beim Hamburger Großhandelshaus Peter Jensen, erklärt: „Moderne Anlagen können gegenüber veralteten Modellen bis zu 40 Prozent und mehr Energie sparen. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das leicht eine Einsparung von 500 bis 1.500 Euro Heizkosten pro Jahr.“ Gleichzeitig sind Finanzierungen günstiger denn je und das Gas wird langfristig teurer. „Eine moderne Brennwert-Therme kann sich so bei den heute niedrigen Zinsen ohne weiteres in wenigen Jahren amortisiert haben“, so Jensen weiter.
Nach aktuellen Angaben des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks wurden in Deutschland rund 5,7 Millionen Gaskessel und 3,6 Millionen Ölkessel vor 1998 installiert. Das bedeutet, dass jede 7. Gasheizung und jede 11. Ölheizung veraltete Technik aufweist. Diese +15-Anlagen machen in Deutschland noch immer fast die Hälfte aller Heizungsanlagen in Wohngebäuden aus. Im Norden besteht dabei vor allem bei Gas-Heizungen, im Süden bei Öl-Heizungen Nachholbedarf.
Gleichzeitig ergab jüngst eine Trendbefragung von TNS Emnid im Auftrag des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), dass bisher nur jeder siebte Immobilienbesitzer eine Sanierung der Heizungsanlage ins Auge gefasst hat. „Das zeigt, wie groß noch der Informationsbedarf bei Verbrauchern ist“, so Jensen. „Über unsere Kunden hören wir immer wieder, dass Hausbesitzer Angst vor der Komplexität des Themas haben und dann die alte Therme aus den siebziger Jahren lieber noch ein paar Jahre ihren Dienst verrichten lassen wollen. Hier müssen wir massiv informieren: Je nach verwendetem Heizsystem und dem Zusammenspiel der verschiedenen Techniken und bei Nutzung der staatlichen Fördermöglichkeiten, können Sie hier über 20 Jahre gerechnet bis zu 80 Prozent der Heizkosten sparen.“ Ein Rechenexempel, das sich für viele lohnen dürfte.
Die Zurückhaltung der Hausbesitzer halten Experten nicht nur aus umweltpolitischer sondern auch aus finanzieller Sicht für einen schweren Fehler. „Gerade im Zuge der zukünftig steigenden Energiepreise schützen energetische Sanierungsmaßnahmen auch vor einer überraschend hohen finanziellen Belastung“, erläutert Henning. „Zudem sind energetische Sanierungen für Vermieter auch ein Mittel, ihre Immobilie für die Mieter attraktiv zu erhalten. Und es gibt eine Fülle an Fördermöglichkeiten, von zinsgünstigen KfW-Darlehen bis zu Zuschüssen“, so Henning weiter.
Wie ist also der beste und einfachste Weg zu einer Heizungsmodernisierung?
Henning: „Wir raten hier unbedingt zu einer professionellen Beratung, damit Sie hier eine sinnvolle Investition machen, die sowohl auf Ihren Gebäudetyp und die Anlage als auch auf Ihre persönlichen Anforderungen abgestimmt ist.“
Erste Informationen finden Hausbesitzer in Broschüren (z.B.
http://vdzew.de/broschueren/download/) sowie durch die Energieberatung der Verbraucherzentralen.
Dann sollte man sich mit einem geschulten Fachhandwerker in Verbindung setzen. Dieser kann die technischen Gegebenheiten gut einschätzen und geeignete Maßnahmen empfehlen.
Die Website
www.erlebte-waerme.de ermöglicht die Suche nach Fachausstellungen vor Ort und Links zu entsprechenden Großhändlern. Diese beliefern die örtlichen Handwerksbetriebe und unterstützen als Partner des Handwerks bei der Zusammenstellung der heute hochkomplexen Heizanlagen. Sie bieten oftmals auch umfangreiche und unverbindliche Informationen für Verbraucher auf ihren Websites.