Die Pumpen-Branche hat es aktuell nicht leicht. Stark exportabhängig sorgen vor allem die politische Eiszeit mit Russland, die Krisenherde im Nahen Osten und nicht zuletzt die Turbulenzen am internationalen Währungsmarkt für massive Probleme. Trotzdem konnte sich Wilo als maßgeblicher Global Player „exzellent behaupten“, so Vorstandsvorsitzender Oliver Hermes bei der Vorstellung der Bilanzzahlen 2014: Währungsbereinigt sei ein Umsatzplus von etwa 3 Prozent auf 1,23 Mrd. Euro erreicht worden.
Steuert auch im schwierigen Marktumfeld auf Erfolgskurs: der Wilo Vorstand (v.li.) mit Dr.-Ing. Markus Beukenberg (Technik), Dipl.-Oec. Oliver Hermes (Vorstandsvorsitzender), M.B.A. & B.E. Eric Lachambre und Dipl.-Ing. Carsten Krumm (beide COO). |
Das operative Ergebnis (EBIT) blieb absolut zwar unter dem Vorjahreswert, lag mit 111,2 Millionen Euro aber weiter auf hohem Niveau. „Die EBIT-Rendite von neun Prozent ist dabei nach wie vor in unserem strategischen Korridor“, so Hermes. In der Gesamtbetrachtung könne Wilo damit „das fünfte Rekordjahr in Folge“ verzeichnen. Zum Vergleich: 2010 betrug der Umsatz „nur“ 1,02 Mrd. Euro. Der Cashflow aus operativer Tätigkeit stieg von 95 auf fast 110 Mio. Euro, die Investitionen von 52 auf 66 Millionen. Die Gesamtzahl der Beschäftigten ist im Jahresdurchschnitt 2014 um 3,2 Prozent auf 7.425 gestiegen. |
Einen wesentlichen Grund für die im Wettbewerbsvergleich ungewöhnlich positive Entwicklung sieht Hermes insbesondere in der Innovationskraft des grünen Pumpenherstellers. 51,2 Mio. Euro hat Wilo 2014 dafür aufgewandt, also 4,1 Prozent vom Umsatz. Das liegt deutlich über dem Wert von etwa 3 Prozent, den man sonst bei Innovations- und Technologieführern in einer technischen Branche voraussetzt.
Diese strategische Ausrichtung will Wilo auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Inhaltlich wird dabei – neben den bereits durchdeklinierten Hausaufgaben Energieeffizienz und Ressourcenschonung – die Digitalisierung der Haustechnik im Fokus stehen. „Haustechnik 4.0“ heißt das zentrale Stichwort, über das Wilo vom Produkthersteller zum Anbieter von Systemen werden will. Die Weichen dafür sind gestellt, beispielsweise mit der neuen Heizkreispumpe Wilo-Stratos PICO-SmartHome. Die kommuniziert als erste Pumpe weltweit (sagt der Hersteller) offen per WLAN mit einem Home Server, der wiederum darüber hinaus viele weitere beliebige Haustechnikprodukte ganz simpel verknüpfen und per App bedienbar machen kann.
Die notwendigen Rahmenbedingungen für diesen „Kulturwandel“ werden am Stammsitz in Dortmund geschaffen. In den kommenden Jahren investiert Wilo dort im Zuge des größten Standortentwicklungsprogramms der fast 150-jährigen Unternehmensgeschichte „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag“. Bis zum Jahr 2020 werden auf einer Fläche von 110.000 Quadratmetern ein komplett neuer Produktionskomplex sowie entsprechende Gebäude für Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung entstehen – also im Grunde ein komplettes Quartier nahe des bekannten und erst jüngst aus einer Industriebrache entwickelten Phoenix-Sees geschliffen, überplant und als Leuchtturm für vorausschauende industrielle Entwicklung einer ehemaligen Montan-Metropole neu errichtet.
Für Dortmund ist das besonders bemerkenswert, da Wilo mit dem Millionen-Invest zugleich Schlüsseltechnologien wie die Entwicklung und Fertigung von Elektronikkomponenten ebenso stärkt wie den Bau von Elektromotoren, die wie die Elektronik von hier aus dann in alle Welt gehen. Anspruchsvolle Hochtechnologien statt Kohle, Eisen und Stahl – die Industrie 4.0 bekommt durch Wilo im Revier ein Gesicht… | Ambitioniertes Millionenprojekt: In Dortmund überplant Wilo ein komplettes Quartier neu. |