Klick, klick, klick – sechs Klicks zum neuen (Heizungs)Glück? Ein Berliner „Start-up“ (namens Thermondo) will das schaffen. Natürlich online, natürlich mit dem obligatorischen Sparversprechen (bis 2.000 Euro günstiger) für den smarten Internetkunden, und natürlich mit bekannten Marken-Namen werbend, von Buderus über Wolf bis Vaillant und Viessmann. Angeblich gibt es sogar den Meisterservice bundesweit, dazu die erste Wartung gratis, wenn man bis zum „Stichtag x“ kauft.
Dass es in Deutschlands Heizungskellern streckenweise antiquarisch zugeht, weiß jeder in der Branche. Je nach Quelle sind etwa 40 Prozent aller Anlagen älter als 20 Jahre. Also wenig effiziente Energieschleudern. Austauschen wollen die Hausbesitzer dennoch nicht, dafür sind vielen die Unwägbarkeiten der Baumaßnahme noch zu hoch – und die Brennstoffkosten zumindest derzeit noch viel zu günstig.
Ein Berliner Start-up will den Markt jetzt aufrollen. Nicht mehr durch mühsame Überzeugungsarbeit vor Ort, sondern über das Internet. 5 Schritte am Bildschirm, ein paar Dutzend Klicks – und schon kommt das Festpreis-Angebot per Mail. Angeblich sogar mit der Heizungsanlage des Wunsch-Markenherstellers. Keine mühsame Terminvereinbarung mehr mit dem Fachhandwerker des Vertrauens, kein zeitraubendes Aufmaß vor Ort, keine Diskussion über technische Machbarkeit – heißt es. „Sofern der Kunde alles richtig beantwortet hat, werden wir den angebotenen Preis auch einhalten.“ Heißt es ebenfalls von dem Anbieter. Wie viel sich davon in der Praxis bestätigt, bleibt abzuwarten…
Mehr als 40 Prozent der Heizungsanlagen sind veraltet – das löst auch bei Branchenfremden Goldgräberstimmung aus… | Vor allem, wenn man den finanziellen (und ideellen) Hintergrund des Start-ups betrachtet. Unter anderem steckt E.on dahinter. Der Energieversorger hat noch nie so viel Verlust geschrieben wie im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014: „Unterm Strich summierte sich der Fehlbetrag für 2014 auf 3,16 Milliarden Euro, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht des Unternehmens hervorgeht. Das ist der höchste Fehlbetrag seit der Gründung von E.on und eines börsennotierten Energieversorgers in Deutschland überhaupt.“, berichtet das Handelsblatt am 11. März 2015.
Der zweite Große im Hintergrund: Rocket Internet. Die Berliner beteiligen sich unter anderem mit Risikokapital und Infrastruktur-Dienstleistungen an jungen Internet-Unternehmen. Dazu gehört beispielsweise Zalando. 2014 machte der Online-Textilhändler erstmals einen kleinen Gewinn (66 Mio. €), nach Verlusten in Millionenhöhe in den fünf Jahren davor, also seit der Gründung. 2013 sollen es beispielsweise 109 Millionen Miese gewesen sein, 92 Millionen in 2012, 60 Millionen in 2011 – und immer Euro, versteht sich. Nicht Zloty, oder türkische Lira. |
Von Rocket Internet gefördert wird auch home24; nach eigenen Angaben Europas größtes Online-Möbelhaus – mit einer ähnlich positiven Entwicklung wie Zalando: Wie das Web-Magazin "Ecommerce-Vision.de" berichtet; lag beispielsweise im ersten Halbjahr 2014 der Umsatz 42 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum (45,8 Mio. Euro). Und fährt fort: „Auch die EBITDA-Quote habe sich gut entwickelt. So konnte sie von Minus 40,4 Prozent 2013 auf jetzt Minus 13,5 Prozent reduziert werden.“ Also auf Deutsch: Der „Gewinn“ vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist ein reduzierter Verlust. Statt minus 40,4 Prozent stehen jetzt nur noch minus 13,5 Prozent in den Büchern.
Da überrascht das Geschäftsmodell der dritten nennenswerten Rocket-Beteiligung der letzten Monate, Helpling, kaum noch weiter. Ab 12,90 Euro pro Stunde kann man bei der eine Putzhilfe buchen. Legal; wie der Internet-Anbieter seinen „Beitrag gegen die Schwarzarbeit“ anpreist. Also alle verdienen daran, und die zweifellos ordnungsgemäß angemeldete Putzkraft vor Ort verdient auch noch mindestens den Mindestlohn…
Und genau mit diesem Kapitalgeber im Rücken soll jetzt den gestandenen Heizungsbauern im Lande gezeigt werden, wie man den nachfrageschwachen Heiztechnikmarkt aufmischt? Und ob das die smart-shoppenden Kunden am Ende des Tages noch genau so positiv sehen, wenn sie beim Einkauf „bis zu 2.000 Euro günstiger“ gespart haben, aber dann lernen, dass ein 24/7-Shopping noch lange nicht mit „immer schön warm“ oder 24 h-Notdienst sieben Tage die Woche vor Ort identisch ist – die Redaktion des HaustechnikDialog wird darüber berichten.
PS:
Das beschriebene Start-up ist nach eigenen (Homepage)Angaben Mitglied der SHK-Innung und bewirbt dies auf der Homepage (siehe Bild) auch mit dem bekannten Eckring!
PPS:
Der ZVSHK als Dachverband der Innungen hat zu dem Thema noch nicht offiziell Stellung bezogen: Die aktuellsten Presseinfos befassen sich hingegen mit dem Europäischen Architekturpreis, der Plakatkunst „Wasser ist Leben“ und dem Produkt-Award „Badkomfort für Generationen“.