Vor wenigen Tagen erst hat der HaustechnikDialog an dieser Stelle über das Berliner Start-up „Thermondo“ berichtet, das mit der neuen Heizung via Internet den Markt aufmischen will. Und schon kommt die nächste „frohe Botschaft“ von einem eher branchenfremden Marktbegleiter: Tchibo verkauft im Paket „smarte Premium-Solaranlagen“! Bei griffigen 6.990,- Euro fängt das Sparpaket an – also so ähnlich preisgestaltet wie der drahtlose Fahrradcomputer, den es Anfang Mai bei Aldi für 6,99 gab…
Da lacht der Himmel bzw. die PV-Industrie: Nun gibt´s die Photovoltaik sogar beim Kaffeeröster. Also besser sonnenerzeugter Ökostrom aus der Steckdose als die sonnenverwöhnte Beste Bohne in der Tasse…
Hinter dem „Rundum-Sorglos-Angebot“ (Zitat) steckt Trina Solar, nach eigenen Angaben der weltweit größte Hersteller von PV-Anlagen. Und „Rundum-Sorglos-Angebot“ heißt es, weil Beratung, Installation, Netzanschluss und Anmeldung sowie ein Gratis-Tablet für das Online-Monitoring der Anlage im Preis enthalten sind. Der übrigens nach oben erweiterbar ist: Nach den knapp 7.000 Euro für die Einsteiger („Premium-Photovoltaikanlage mit individueller Leistung ab 3,7 kWp“) gibt es 5,3 kWp Anlagen für 9.990,- Euro und für schlanke 17.990,- Euro dann die 9,54 kWp Lösung.
Installiert werden (sollen) die PV-Anlagen laut Werbeprospekt durch „geschulte Installationspartner aus der Region.“ Und auch die Beratung scheint sich ein wenig stärker als bei den Berliner Up-Startern an der Praxis zu orientieren. Zumindest wird keine Auslegung via Internet angeboten, sondern vor der Planung steht auch hier der persönliche Kontakt mit Besuch vor Ort.
Dass die PV-Anbieter händeringend nach neuen Vertriebswegen (oder besser: mehr Absatz wo auch immer) suchen, verwundert angesichts ihrer aktuellen Situation nicht. Nach 7.600 MWp in 2012 wurden in 2014 nur noch 1.900 MWp installiert; 2015 könnte es noch weniger sein…
Insofern sei ihnen Tchibo und die damit verbundene Aufmerksamkeit gegönnt. Schließlich kann man da sogar in die Luft gehen: Für schlanke 95.000,- Euro gibt es das Breezer B400 Ultraleichtflugzeug. Fast schon ein Schnäppchen, wenn man weiß, dass es quasi handgearbeitet ist.
Wettbewerbsdynamik bereitet Sorgenfalten
Was allerdings mehr denn je aufhorchen lassen sollte ist die zunehmende Dynamik, die der SHK-Markt durch branchenfremde Quereinsteiger bekommt. Hier ein Start-up, da ein Kaffeeröster, dort ein Internet-Shopbetreiber, die alle dasselbe machen – sie nagen zwar (häufig) ohne wesentliche Fachkenntnis, dafür mit umso mehr Marketing-Chuzpe am angestammten Handwerksgeschäft.
Ach, wie entspannt waren da doch im Vergleich die Zeiten, als anno 2000 eine „Kampfansage“ an die Konkurrenz der Bau- und Heimwerkermärkte notwendig war. Und heute? Sind die Wettbewerber deutlich zahlreicher und nicht weniger professionell, das Berliner Start-up firmiert beispielsweise sogar als vor Ort eingetragenes Innungsmitglied. Ähnlich wie die Internet-Anbieter, die „im Rücken“ (oder wo auch immer) einen „offiziellen“ Großhandel haben. Da kommt selbst die Standesorganisation argumentativ kaum noch dran – und muss zähneknirschend mit ansehen, wie der dereinst so sauber aufgeteilte 3stufige Vertriebsweg immer weiter abbröckelt.
Ein bisschen ist das so wie beim Kreidefelsen von Rügen. 1818 hat Capar David Friedrich den noch in vollem Ornat auf die Leinwand gebracht – und heute? Da gibt es den immer noch, und schmuck ist er auch. Aber jedes Jahr holen sich die Wellenbrecher der Ostsee etwas mehr davon. Und irgendwann kommt dann wirklich mal letal was in´s Rutschen. Wie 2012, auf Rügen, mit dem Wanderweg vor Kap Arkona…