Schön ist nicht schön – gefallen macht schön, heißt es im Volksmund. Doch ist die Antwort wirklich so einfach – oder steckt hinter der Ursache unseres Schönheitsempfindens nicht etwas viel Komplexeres? Ein Blick in unser Gehirn verrät: Ja!
Die Studie basiert auf EEG-Untersuchungen sowie Online-Umfragen und analysiert einen bestimmten neurologischen Konflikt: Trifft das Gehirn auf ein Objekt, das schön, aber unpraktisch ist, entsteht eine sogenannte „ästhetische Dissonanz“. Durch die Auswertung der Testdaten von mehr als 1.400 Teilnehmern konnten bereits folgende Erkenntnisse gewonnen werden:
- Je schöner ein Objekt erscheint, desto höher sind unsere Erwartungen bezüglich seiner Funktionalität.
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Produkte, die zunächst als schön empfunden werden, verlieren bei geringer Funktionalität an Wertschätzung.
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Der Aktivitätsabfall im rostralen präfrontalen Cortex (der Erfassungsbereich für Harmonie im Gehirn) kann eine kontinuierlich hemmende Wirkung haben: Wenn Produkte schlecht funktionieren, werden sie immer als unästhetisch angesehen.
Der Schweizer Künstler Matthias Moos nutzte die komplexen Ergebnisse der EEG-Bilder, um die neurologische Aktivität im Gehirn visuell darzustellen. (Foto: Ideal Standard) | Durchgeführt wurde die Studie von MINDLAB, einem Institut für neurologische Forschungsarbeiten in Brighton, England. Die Ergebnisse wurden anschließend vom bekannten britischen Neurowissenschaftler und TV Moderator Dr. Jack Lewis analysiert: „Logischerweise sollte es keine Verbindung zwischen der Ästhetik eines Objekts und seiner Funktionalität geben“, sagt Dr. Lewis. „Aber diese Studie zeigt, dass ein von uns als ästhetisch empfundenes Produkt seine Attraktivität verliert, wenn es schlechte Leistung zeigt. Das Level der elektrischen Aktivität in dem Teil des Gehirns, der für das Schönheitsempfinden zuständig ist, nimmt ab. Wenn uns ein schönes Objekt also funktional enttäuscht, empfinden wir es nicht länger als schön. |
Wenn ein gewöhnlich erscheinendes Produkt gut funktioniert, ist es für uns optisch anziehender. Dieses Phänomen nennen wir ästhetische Dissonanz“, erklärt Dr. Lewis. „Es beschreibt den Konflikt im Gehirn, wenn Schönheitsempfinden und das Bedürfnis nach Funktionalität aufeinandertreffen.“
Die Ergebnisse der Studie haben erhebliche Auswirkungen auf die Design-Industrie. „Was Designer stets intuitiv erfasst haben – nämlich, dass eine enge Beziehung zwischen der Funktionalität und unserer ästhetischen Wertschätzung eines Produktes besteht – ist nun wissenschaftlich belegt worden.“ sagt der preisgekrönte Designer Dick Powell. „Die Studienergebnisse werden Hersteller und Marken dazu ermutigen, die ästhetischen Konzepte ihrer Designer auf Funktionalität zu prüfen. Die Industrie geht damit einen entscheidenden Schritt in Richtung innovativer Produkte, die sowohl ein schönes Design haben als auch leistungsstark arbeiten.“