Agentur für Erneuerbare Energien zeichnet die baden-württembergische Stadt als Energie-Kommune des Monats aus.
Bild: Stadtwerke Murrhardt/AEE
Die baden-württembergische Stadt Murrhardt setzt
bei der Wärmeversorgung vor Ort besonders auf Holz, weil der Rohstoff
natürlich, vor Ort vorhanden und klimafreundlich ist. Derzeit erweitern die
Stadtwerke im westlichen Stadtteil das Nahwärmenetz. Im August wurden
die Tiefbauarbeiten des zweiten Bauabschnitts des Nahwärmenetzes
„Weststadt“ fertiggestellt. Wenn zum Beginn der Heizsaison im Oktober auch
die Übergabestationen installiert sind, werden ca. 400 Wohneinheiten, alle
fünf Schulen, fünf Gemeinde- und Sporthallen, zwei Seniorenheime, das
Rathaus und einige Gewerbebetriebe der 13.000-Einwohner-Gemeinde mit
Wärme versorgt, die im Heizwerk in Erdgas- sowie Holzhackschnitzelkesseln
und kleineren Blockheizkraftwerken erzeugt wird. Insgesamt
kommen in fünf Murrhardter Heizwerken Hackschnitzelanlagen zum Einsatz.
Für das beispielhafte Engagement einer lokalen Wärmewende zeichnet die
Agentur für Erneuerbare Energien Murrhardt als Energie-Kommune des
Monats aus.
„Indem Holz aus der Umgebung genutzt wird, sind die Transportwege kurz und
die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird deutlich geringer“, so Rainer
Braulik, Erster Beigeordneter der Stadt Murrhardt und Werkleiter der
Stadtwerke. „Die Wertschöpfung von Holz und Arbeitskräften bleibt in
Murrhardt bzw. im Umland. Die Land- und Forstwirte, die Holz liefern, können
ein zusätzliches Einkommen erzielen, insbesondere bei der Holzaufarbeitung
und der Lieferung.“
Die Stadtwerke Murrhardt betreiben vier Heizwerke, in denen Erdgas- oder
Ölkessel mit Holzhackschnitzelkesseln kombiniert werden. Eine fünfte Anlage,
welche über ein Nahwärmenetz das Heinrich-von-Zügel-Gymnasium, ein
Seniorenwohnheim und umliegende Anrainer versorgt, besteht aus Gaskessel,
Holzhackschnitzelkessel und Blockheizkraftwerk – dort wird also neben
Wärme auch noch Strom produziert. Die gesamte installierte Leistung der
Heizwerke beträgt in Summe sechs Megawatt. In der Saison 2014/2015 haben
die fünf Anlagen rund 3,9 Millionen Kilowattstunden Wärme produziert.
Insgesamt benötigen sie dafür rund 6.000 Schüttraummeter Hackschnitzel pro
Jahr. Alleine in den zwei Heizwerken „Weststadt“ und „Fritz-Schweizer-
Straße“ mit ihrer Nennleistung von 1.000 Kilowatt kommen ca. 3.500
Schüttraummeter zum Einsatz. Die Verwendung von Holz ersetzt allein in
diesen beiden Anlagen pro Jahr 280.000 Liter Heizöl.
Die Holzschnitzel werden aus maschinell zerkleinertem Waldrestholz,
Landschaftspflegeholz sowie aus Restholz der holzverarbeitenden Industrie
gewonnen. Der Rohstoff stammt vor allem aus dem Murrhardter Wald und
wird von hiesigen Waldbauern geliefert. Allein der Stadtwald Murrhardt ist 950
Hektar groß. Jährlich werden in ihm 1.000 Schüttraummeter Hackschnitzel
geerntet.