Der deutsche Einzelhandel hat in puncto energetische Effizienz noch reichlich Luft nach oben. Das Energiemanagement der Händler konzentriert sich auf strombetriebene Anlagentechnik wie Kühlung und Beleuchtung. Gebäudedämmung und Wärmeversorgung hingegen finden weniger Beachtung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der deutschen Energieagentur dena.
Da lässt sich was modernisieren: Mehr als 80 Prozent der gemischtgenutzten Handelsgebäude sind älter als die erste Wärmeschutzverordnung von 1977. Grafik: dena Studie, EHI 2015
Da ist noch was zu tun: Unklare Verhältnisse erschweren die Energiewende im Einzelhandel. Bild: Philipps Gewerblich genutzte Gebäude machen 10 Prozent des Bestandes aus, verbrauchen aber ein Drittel der gebäudebezogenen Endenergie. Unter diesen sogenannten Nichtwohn- oder gemischt genutzten Gebäuden sind auch rund 500.000 Handelsgebäude. Deren energetischen Ist-Zustand hat jetzt die Deutsche Energie-Agentur (dena) mit der Studie „Energieeffizienz im Einzelhandel“ unter die Lupe genommen. Und diese Studie fördert Interessantes zutage: „Die vorherrschenden Eigentümerstrukturen der untersuchten Handelsgebäude sind weitgehend unbekannt. Ob ein Gebäude durch den Eigentümer selbst oder durch Mieter genutzt wird, kann derzeit nur für 9 Prozent der Nichtwohngebäude und für knapp 24 Prozent der mischgenutzten Gebäude ermittelt werden“, so die Studie. Diese Zahlen erstaunen schon im datenmäßig doch sonst so durcherfassten Deutschland! Weiter heißt es: „Die hohe Unsicherheit in Bezug auf die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse erschwert derzeit die Identifikation geeigneter Steuerungs- und Anreizsysteme für ein effizientes Energiemanagement.“ Auf gut Deutsch: Nix genaues weiß man nicht und deshalb tut sich auch nix… Konsequenterweise spricht sich die dena für weitere Untersuchungen aus: „Zunächst sollte eine Befragung der Handelsunternehmen erfolgen, anschließend eine daran anknüpfende Befragung relevanter Eigentümergruppen, die Flächen an den Einzelhandel vermieten.“
Anhand der spärlich vorliegenden Daten lässt sich aber hochrechnen, dass die meisten Verkaufsflächen vermietet sind: „Der hohe Mietanteil bei den vom Einzelhandel genutzten Gebäuden spiegelt sich in den bisherigen Effizienzmaßnahmen bzw. Energiemanagementstrategien des Handels wider, die weniger auf das Gebäude, dessen äußere Hülle und die Wärmetechnik abzielen, sondern schwerpunktmäßig auf die strombetriebene Anlagentechnik fokussieren.“ Mit anderen Worten: die Einzelhändler konzentrieren sich auf das Stromsparen, vor allem bei Beleuchtung und Kühlung. Energetische Modernisierungen der Gebäudehülle oder der Wärmeversorgung sind für sie als Mieter nicht so bedeutend. Auch aufgrund der Kostenstruktur ist das verständlich: Bei den Top-250 der umsatzstärksten Vertriebslinien verbraucht der kühlintensive Lebensmittelhandel 74 Prozent Strom und 26 Prozent Wärme. Auch der umsatzstarke Non-Food-Handel hat noch doppelt so hohe Strom- als Heizkosten. Erst bei den kleineren Einzelhandelsbetrieben kehrt sich dieses Verhältnis um.
Ganzheitliches energieeffizientes „Handeln“ der Händler ist also angesagt, schon aus wirtschaftlichen Gründen: Im Jahr 2013 waren laut der Studie die Energiekosten der 250 umsatzstärksten Einzelhändler genauso hoch wie die Gewinnmarge, beide lagen etwa bei 1,5 Prozent des Umsatzes. Ein möglicher Ansatz wäre das Energiespar-Contracting: So ein Vertrag garantiert eine messbare Senkung der Energiekosten über einen genauen Zeitraum.
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Studie Einzelhandel