Die Deutschen entpuppen sich als wahre Energiehelden, sicherlich ganz zur Freude von „Angie“, die sich als „Mutter der Nation“ schon im Zuge der Energiewende unter anderem auch für einen bewussteren Umgang mit Energie und mehr Effizienz stark gemacht hat. Ob sich der Deutsche nun ihre Worte zu Herzen genommen hat, es am Klimawandel liegt oder vielleicht einfach nur daran, dass wir Deutschen allen Grund haben, aufgrund politischer Reibungspunkte genügend Eigenhitze zu erzeugen…. Das Ergebnis ist auf jeden Fall positiv: Wenn es ums Heizen geht, ist der Standarddeutsche ein richtiger Sparfuchs.
Ein vollständiger Sanierungszyklus dauert in Mehrfamilienhäusern in Westdeutschland ungefähr 75 Jahre. Bild: LBS Warum das alles so ist, zeigt der neue „Wärmemonitor“, der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gemeinsam mit dem Energiedienstleister ista erarbeitet wurde. Demnach ist der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern in Deutschland allein im Jahr 2014 um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Dies entspricht etwa 3,4 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche.
Damit bestätigt sich der deutschlandweit ungebrochene Trend sinkenden Heizenergiebedarfs, wobei die Dynamik vor allem von der Entwicklung in den westlichen Bundesländern getrieben wird. Im Zuge der niedrigen Energiepreise sind auch die Heizkosten erheblich gesunken: deutschlandweit von 11,14 auf 9,85 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, das entspricht einem Rückgang von knapp 12 Prozent gegenüber dem Jahr 2013.
Soweit, so gut: Der Blick trübt jedoch etwas, denn er zeigt zwar deutliche Fortschritte beim Energiebedarf, gemessen an den energie- und klimapolitischen Zielen der Bundesregierung dürften sie jedoch nach wie vor nicht ausreichen. Um diese zu erreichen, müssen im Bereich der Raumwärme große Energieeinsparungen erzielt werden, die auf lange Sicht eine umfassende energetische Erneuerung des gesamten Gebäudebestandes erforderlich machen.
Sanierungszyklus liegt bei 75 Jahren
Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer: denn während sich der Wohnungsbau in dem derzeit günstigen Umfeld von steigender Nachfrage, niedrigen Zinsen, guten Arbeitsmarktaussichten und anhaltender Zuwanderung positiv entwickelte und die „alten“ Länder in Westdeutschland kräftig gegenüber dem bereits in der Nachwendezeit umfassend sanierten Wohnungsbestand in Ostdeutschland aufgeholt haben, hat der Punkt „Sanierung“ einen langen Bart bekommen: Statistische Schätzungen auf der Grundlage von Informationen aus Energieausweisen, die seit 2009 für alle Immobilien in Deutschland verpflichtend sind, deuten darauf hin, dass ein vollständiger Sanierungszyklus – also der Zeitraum, nach dem eine grundlegende Sanierung des gesamten Gebäudes durchgeführt wird – in Mehrfamilienhäusern in Westdeutschland ungefähr 75 Jahre dauert. Ingenieurwissenschaftliche Studien gingen bisher von wesentlich kürzeren Sanierungszyklen von etwa 55 Jahren aus.