Das Handwerker-Kinderlied kennt wohl nahezu jeder: „…Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein…“ Wobei „bald“ bekanntlich ein relativer Begriff ist – was ein Blick auf die Baubranche zeigt. Denn während die Fertigstellungsquote von Neubauwohnungen im Euroconstruct-Gebiet*) aktuell etwa bei 2,9 pro 1.000 Einwohnern liegt, erreicht der deutsche Wohnungsmarkt gerade einmal einen Wert von 2,7. Von „Wohnungsbauboom“ kann hierzulande also keine Rede sein – auch wenn die Zahlen derzeitig noch nicht stagnieren...
Die Baugenehmigungsdaten deuten auf eine nur noch leicht steigende Nachfrage nach Geschosswohnungen hin. Die Bewilligungszahlen für Ein- und Zweifamilienhäuser entwickeln sich seit einiger Zeit ohnehin nicht mehr nach oben. Bild: mm Dieser Trend spiegelt sich ebenso in punkto Bauleistungen wider: auch hier nimmt der Umfang zu. Laut Länderprognose des ifo-Schnelldienstes wird in 16 der 19 Euroconstruct-Mitgliedsländern ein Zuwachs spürbar sein, in neun Ländern wird dieser voraussichtlich sogar die 3 Prozent-Marke übertreffen. Soweit, so gut. Was Deutschland betrifft: Hier geht man beim Neubausegment von einer Zunahme von rund 4,5 Prozent (2015) aus, allerdings entfallen noch immer etwa 70 Prozent des Wohnungsbauvolumens hierzulande auf Arbeiten im Gebäudebestand. Und obwohl der Bedarf weiterhin existieren wird, stellt sich die Frage, ob das mittlerweile erreichte Niveau von weit über 100 Milliarden Euro pro Jahr dauerhaft gehalten werden kann.
Bislang deuten nämlich die Baugenehmigungsdaten für das laufende Jahr auf eine nur noch leicht steigende Nachfrage nach Geschosswohnungen hin. Die Bewilligungszahlen für Ein- und Zweifamilienhäuser entwickeln sich seit einiger Zeit ohnehin nicht mehr nach oben, sondern schwanken seit 2011 zwischen 105.000 und 110.000 Wohnungen pro Jahr. Auch im laufenden Jahr dürfte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern in dieser Bandbreite bewegen.
Zubau liegt unter Bedarf
Zwar sind die Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Finanzierungszinsen weiterhin ausnehmend günstig, doch lässt der Umfang der Neubautätigkeit zu wünschen übrig. Die überwiegend aufgrund diverser staatlicher Auflagen kräftig gestiegenen Baukosten und die teuren Grundstückspreise machen sich anscheinend doch wesentlich stärker bemerkbar als vielfach erwartet. Hält die derzeitige Entwicklung an, so werden laut Prognose in den kommenden Jahren jährlich maximal rund 270.000 Wohnungen neu errichtet werden. Der Zubau würde damit deutlich unterhalb des eigentlichen Bedarfes liegen.
Nach den im Juni veröffentlichten Werten des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland vergangenes Jahr 216.100 Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden fertiggestellt. Dabei sprang die Zahl der Fertigstellungen im Geschosswohnungsbau ein Sprung von gut 23 000 auf 109.300 Wohneinheiten. Der Eigenheimbau (Ein- und Zweifamiliengebäude) erreichte 2014 mit 106.800 Wohnungen zwar den höchsten Wert seit dem Jahr 2007. Allerdings ist die Zahl der Wohnungsfertigstellungen in Ein- und Zweifamilienhäusern seit 2011 jedes Jahr nur geringfügig gestiegen. Insgesamt geht die aktuelle Prognose für die Wohnungsfertigstellungen in neu errichteten Wohngebäuden von einem Anstieg auf 240.000 Einheiten in den Jahren 2016 und 2017 aus.
*) Zum Euroconstruct-Gebiet EC-15 gehören die Länder Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz sowie das Vereinigte Königreich. Im EC-19-Gebiet sind zusätzlich enthalten: Tschechien, Ungarn, Polen sowie Slowakei.