Die Flüchtlingsproblematik in Deutschland spaltet die Gemüter: Während die einen durch die Unterbringung der vielen Asylsuchenden insbesondere in den Großstädten die Folgen der Wohnungsknappheit fürchten, darf sich laut Markt- und Branchenanalyse von Interconnection der Fertigteilhausmarkt (der aktuell eher ein Nischen-Dasein fristet) Wachstum durch die Flüchtlingskrise erhoffen.
Ein Beispiel baulich umgesetzter Angemessenheit: das „Cubity“-Studentenwohnhaus. Bild: DFH Laut aktueller Studie wird sich der Anteil der Fertigteilhäuser am gesamten Bauvolumen bis 2019 „regulär“ von 19,9 Prozent (2015) auf 20,9 Prozent erhöhen. Nicht zuletzt aus dem schlichten Grund, dass „auch Flüchtlinge sichere Unterkünfte brauchen“, heißt es. Steigen werde aber nicht nur der Marktanteil im Allgemeinen, sondern genauso der Anteil der Niedrigenergiehäuser im Besonderen.
Dies liegt nach Ansicht von Interconnection an den höheren Anforderungen aufgrund der Energiesparverordnung. So müssen seit 2016 neu gebaute Wohn- und Nichtwohngebäude höhere energetische Anforderungen erfüllen. Insgesamt wurde der zulässige Wert für die Gesamtenergieeffizienz bekanntlich um 25 Prozent gesenkt.
Dem Wachstumsszenario logisch folgend sollen nach Forscher-Einschätzung zwar die Reihen- und Zweifamilienhäuser im Fertigbau-Sektor an Boden verlieren, der Bereich der mehrgeschossigen Wohnbauten hingegen eine deutliche Steigerung erfahren. Dort soll der Anteil von heute drei Prozent auf 4,1 Prozent im Jahr 2019 anwachsen. Was etwa 30 Prozent sind, aber eben von äußerst geringer Basis aus…
Angemessenheit als oberste Tugend
Profitieren werden von dem vermeintlichen Wachstum in den genannten Bereichen aber weniger die kleinen, sondern vor allem die größeren deutschen Fertighaus-Hersteller. „Die Marktkonzentration der Top 10 Player nahm 2015 weiter zu und erreichte ein Level von 36,2 Prozent“, heißt es in der Studie.
Einer aus dieser Spitze (Deutsche Fertighausholding; DFH) zeigt dabei am Projekt „Cubity“, wie die fertigteil-gebaute Wohnzukunft aussehen kann.
Hinter „Cubity“ verbirgt sich ein Studentenwohnhaus, das gemeinsam mit der TU Darmstadt nach dem „Prinzip der neuen Angemessenheit“ konzipiert wurde. Laut Professor Manfred Hegger, Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, ist das „die oberste Tugend der neuen Architektur“. „Wenn wir verantwortungsbewusster mit neu zu schaffenden Flächen umgehen, sparen wir Ressourcen und gewinnen neue Freiheiten.“ Dem entsprechend sind in dem Gebäude für jeden Bewohner gerade einmal 7,5 Quadratmeter private Wohnfläche eingeplant worden. Als Ausgleich fürs knappe Private gibt es aber den Kommunikationsbereich, einen großen zentralen Gemeinschaftsraum.
Dieses Konzept bilde das optimale Zusammenspiel von Effizienz, Konsistenz und Suffizienz ab – nach Hegger die Grundlage für modernes Bauen. Und obendrein fänden es die Bewohner auch noch behaglicher als den typischen 20 Quadratmeter-Raum, der klassisch abgeschottet entlang eines Flures liege…
„In einer Stadt hierzulande wohnte vor 50 Jahren eine Person auf 18 Quadratmetern, heute auf 45 Quadratmetern. Das heißt: Allein durch die Tendenz zu immer kleineren Haushalten mit weniger Personen auf immer mehr Fläche hat sich die Dichte in der Stadt mehr als halbiert“, so Hegger, der die Nachverdichtung als das große Trendthema bezeichnet. Zugleich sei es ein Konzept, um der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken.