Es wird Zeit für die „Wohnwende“: Schon heute ist Wohnraum in attraktiven Regionen für viele Mieter unbezahlbar. Immer weniger Menschen können umziehen. Bis 2030 müssen eine Million Wohnungen und Häuser zusätzlich gebaut werden - mindestens.
In diesen Top-Regionen Deutschlands gibt es viel zu tun: Eine Million Wohnungen zusätzlich bis 2030. Grafik: Allianz/Prognos
Immer weniger Menschen können sich einen Umzug leisten - sie finden vor allem in wirtschaftsstarken attraktiven Regionen kaum noch eine bezahlbare Bleibe. Das berichten ganz aktuell WELT, ntv und Focus. Vor zehn Jahren zogen noch 13 Prozent aller Mieter jährlich in ein neues Domizil. Heute liegt die deutschlandweite Umzugsquote bei neun Prozent. Wo die Mieten besonders stark gestiegen sind, ging parallel die Zahl der Umzüge deutlich zurück. Die Mieter sind quasi in ihrer derzeitigen Wohnung „gefangen“ – sie leiden unter dem sogenannten „Lock-in-Effekt“. Verstärkt wird diese Situation durch die Binnenwanderung: Junge Menschen zieht es in die Groß- und Universitätsstädte, 30- bis 50-Jährige hingegen lassen sich gerne im Umland der Ballungsräume nieder.
Wird Deutschland zunehmend zweigeteilt in Regionen mit zu viel und zu wenig attraktivem und bezahlbarem Wohnraum?
Der Blick in die Kristallkugel
Wenn die Allianz Leben einen Blick in die wohnwirtschaftliche Kristallkugel riskiert, hat das nichts mit esoterischem Kaffeesatzlesen zu tun. Da geht es vielmehr um handfeste finanzielle Interessen. Der nüchterne Blick in die ungewisse Zukunft gilt den Chancen und Risiken bei der Vergabe von Baufinanzierungsdarlehen in den nächsten 30 Jahren. Darüber hinaus ist der „Blick in die Kristallkugel“ aber für alle Akteure am Wohnungsmarkt hoch interessant. Der größte deutsche Versicherer untersuchte jetzt mit der aktuellen Studie „Wohnen 2045“ die Frage: Wie werden sich Bevölkerung und Wohnungsbedarf in den nächsten 30 Jahren entwickeln? Die Ergebnisse elektrisieren.
Zuerst aber drei zentrale Aussagen: - Die Bevölkerung Deutschlands wird bis 2045 auf 85 Millionen ansteigen;
- Binnenwanderung verändert den Wohnungsmarkt dramatisch, und
- bis 2030 muss deutlich mehr Wohnraum entstehen.
Vor allem aber kommt die Studie zu der nüchtern formulierten, dennoch hochbrisanten Prognose: „Die Erweiterung des Wohnungsangebots auf dem derzeitigen Niveau reicht zur Deckung der regionalen Nachfrage weder kurz-, mittel- noch langfristig aus.“ Das gilt in erster Linie für die wirtschaftsstarken Regionen mit hoher Binnen-Zuwanderung. Und weiter: „Ein Blick auf die zehn Regionen in Deutschland, in denen die Nachfrage nach Wohnungen langfristig am höchsten ist, zeigt, dass diese ihre Bautätigkeit teils massiv steigern müssen. Schon jetzt ist in vielen dieser Regionen der Wohnraum knapp. Steigern diese ihre Bautätigkeit nicht, fehlen allein in diesen zehn Regionen in den nächsten 15 Jahren weitere 940.000 Wohnungen und Häuser.“ Nur ein gemeinsamer, überregionaler Kraftakt von Politik und Wirtschaft könne die Ungleichgewichte am Wohnungsmarkt ausgleichen.
Wie aber sagt der Weise: „Mit Prognosen ist das so eine Sache, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen…“
Der Link zur Studie:
Wohnen-in-Deutschland-2045