Norddeutsche mögen Windenergie mehr als Süddeutsche. Aber alle sind unisono gegen Kernkraft und für die Energiewende. Und neue Stromtrassen will nur jeder zweite, sagt eine aktuelle Forsa-Umfrage zur Energiewende.
Fast jeder zweite spricht sich gegen neue Stromtrassen direkt vor der Haustür aus. Bild: mm
Ein Riss geht quer durch Deutschland: der energiepolitische Weißwurstäquator! Sechs von zehn Norddeutschen würden am liebsten Windenergie aus ihrer Region beziehen. Das klingt ganz nüchtern hanseatisch: Warum nicht nutzen, was einem an der Küste sowieso das ganze Jahr um die Ohren weht, stürmt und bläst, die Prinz-Heinrich-Mütze vom Kopf haut und am Friesennerz zerrt. Zudem haben die Norddeutschen eine inzwischen 25-jährige Erfahrung mit Windparks. Die Süddeutschen hingegen sähen die Energiewende eher skeptisch, seien diesbezüglich gar, hört hört, kostensensibel. Vielleicht sind sie ja deswegen wirtschaftlich erfolgreicher als der Rest der Republik…
Aber erst mal die Fakten. Süddeutsche sind hier die Bayern und Baden-Württemberger, Norddeutsche die Bewohner Hamburg, Bremens, Schleswig-Holsteins und Niedersachsens. Zum Thema Energiewende, und speziell zur Windenergie, hat Forsa im Auftrag der Clusteragentur Erneuerbare Energien Hamburg insgesamt 1.575 Interviews geführt. Die Antworten auf die erste Frage sind eindeutig: Eine Dreiviertelmehrheit der Befragten hält den Ausstieg aus der Kernkraft und den Einstieg in die Energiewende für richtig, Norddeutsche befürworten das etwas mehr als Süddeutsche. Wenig überraschend, gilt doch Kernkraft in Deutschland als das Böse schlechthin. Der Rest der Welt sieht das anders und plant derzeit 156 neue Kernkraftwerke.
Konkreter sind die Fragen nach der Windenergie: Da geht es einmal um das Einverständnis für den Bau neuer Windanlagen in der Nähe des eigenen Wohnortes. Zum anderen, ob man in der Nähe produzierten Windstrom auch bevorzugt beziehen wolle. Beiden Fragen stimmen die Norddeutschen etwas mehr zu als die Süddeutschen. Jan Rispens, Geschäftsführer des Clusters, sagt dazu: „Für die Norddeutschen gehören Windkrafträder mittlerweile fast in jedem Landkreis zum Landschaftsbild. Da liegt es nahe, dass sich die Menschen dementsprechend wünschen, sauberen Strom von diesen Anlagen zu beziehen“. Womöglich sind die Süddeutschen auch nicht allzu begeistert über die „Verschandelung“ ihrer schönen Landschaften mit „Windspargeln“. Ob übrigens tatsächlich zwei Drittel aller Befragten mit neuen Windrädern in ihrer Nähe einverstanden sind? Angesichts doch zunehmender Proteste gegen und vermehrter Kritik an Windenergieanlagen?
Neue Stromtrassen in unmittelbarer Nähe des Wohnortes werden von allen Befragten deutlich kritischer gesehen. Nur rund die Hälfte stimmt dem eher oder voll und ganz zu. Das wird von Rispens bemerkenswert kommentiert: „Die Menschen sind noch zu wenig darüber aufgeklärt, warum wir neue Stromtrassen benötigen und was die wirklichen Risiken für Umwelt und Gesundheit sind“. Soso, ist es etwa nicht ein Ziel der Energiewende, Strom regional und vor Ort zu produzieren, um beispielsweise Übertragungsverluste zu vermeiden? Sieht sich Rispens hier als berufener Aufklärer der energiewendisch „Zurückgebliebenen“? Rispens weiter: „Wir dürfen nicht über den Kopf der Menschen hinweg entscheiden, sondern müssen stärker in den Dialog gehen, Aufklärung betreiben und intelligente technische Lösungen entwickeln.“ Aber bitte ein Dialog auf Augenhöhe…
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forsa Umfrage Akzeptanz Energiewende 2016