Die Kritik am neuen Vaillant Vertriebsmodell „HeizungOnline“ war heftig. Und hält von Verbandsseite an. Genauso „formieren“ sich jetzt aber auch die Handwerker, die den grünen Hasen und ihrer Initiative zur Seite springen. Oder stehen. Das zeigt der Blick auf einige Kommentare im Haustechnik Dialog.
„Wer jetzt ein Angebot oder eine Rechnung sieht, sieht optisch einen Briefbogen des betreuenden Fachhandwerkers in Kooperation mit HeizungOnline von Vaillant“, so Fachhandwerker Dreyer.
Bild: Vaillant „Reggae“ versteht den Aufruhr gar nicht: „Heizungonline kümmert sich um Kunden, die von Handwerkern gar nicht erreicht werden.“ Und „Maja5“ sieht sogar andere Hersteller unter Zugzwang: „Vaillant, weiter so. Andere Hersteller: Endlich tut sich was. Mitmachen oder vom Markt verschwinden.“ „Crolady“ fasst es noch prägnanter zusammen: „Finde gut, was Vaillant macht. Wenn ich der Meinung bin, ich kenne mich in der Materie aus, dann möchte ich auch gerne die Möglichkeit haben und mir die Heizung selber aussuchen…“
„Stuermer1904“ sieht besonders die Vorteile der Rechnungslegung durch Vaillant: „Da wachsen Generationen nach, die völlig selbstverständlich mit dem Online-Shopping groß geworden sind und die Samstag um 23:45 Uhr, wenn die Show vorbei und die Chipstüte leer ist, einen Preis für eine neue Heizung wissen wollen. Warum sucht Thermondo denn wohl einen "Forderungsmanager"? Andere Handwerksunternehmen der Größenordnung haben das nicht nötig. Deswegen finde ich die Rechnung über Vaillant völlig ok. So komme ich sicher an mein Geld und hab keine Forderungsausfälle.“
Einige Fachhandwerker gehen mit ihrer Kritik an den Verbänden noch deutlich weiter und kündigen sogar ihre Mitgliedschaft in der Innung. Wie beispielsweise Thilo Dreyer, Geschäftsführer der Dreyer GmbH aus Erlangen, lange Zeit sogar Obermeister der Innung Erlangen – und hat das Vertriebsmodell zusammen mit Vaillant entwickelt:
„Die völlig ungerechtfertigte Kritik an HeizungOnline habe ich zum Anlass genommen, aus der Innung auszutreten, weil ich die Aktionen des Fachverbandes SHK Bayern nicht mittragen kann. Nach meinem Dafürhalten hat der Verband in seiner Aktion über wichtige Details nicht informiert und so ein falsches Stimmungsbild gegen Vaillant erzeugt.“
Dabei verschweigt Dreyer seine besondere Rolle und Erfahrung in Bezug auf das neue Vertriebsmodell nicht: „Ich habe zusammen mit weiteren Kollegen HeizungOnline entwickeln können. Das ist zusammen mit Vaillant jederzeit in einem partnerschaftlichen Verhältnis umgesetzt worden. Vaillant hat zu jedem Zeitpunkt überlegt, wie sich sowohl Verbände als auch Großhandel in das Modell einbinden lassen, und hat jede Kritik und jeden Einwand ernst genommen.“
Gerade die von Verbandsseite kritisierten Punkte der Angebots- und Rechnungslegung durch Vaillant seien dabei intensiv diskutiert worden: „Zunächst hatten wir gemeinsam ein Modell erarbeitet, in dem der Fachhandwerker wie gewohnt Angebot und Rechnung stellt. Dann kamen erste Einwände hinsichtlich des Inkassorisikos. Letztendlich haben dann aber formalrechtliche Gründe den Ausschlag gegeben, diese Prozesse auf Vaillant zu übertragen. Um aber dennoch den beratenden und ausführenden Fachhandwerker klar in den Vordergrund zu rücken, haben wir gemeinsam über die Gestaltung der Briefbögen gesprochen. Wer jetzt ein Angebot oder eine Rechnung sieht, sieht optisch einen Briefbogen des betreuenden Fachhandwerkers in Kooperation mit HeizungOnline von Vaillant. Wir treten vor Ort in der Beratung als eigenständige Firma auf, haben wie immer die Kompetenz die bestmögliche Lösung zu empfehlen, kaufen selber das Material ein, verbauen es und warten die Anlage. Das alles taucht in den Argumentationen des Verbandes nirgends auf.“
Und weiter: „Wir müssen jetzt schnellstmöglich Konzepte für den Online-Vertrieb einsetzen. Das schaffen wir nicht alleine, und eine Unterstützung der Verbände ist ebenfalls nicht zu erwarten. Deswegen müssen wir auf die Hersteller setzen, die bereit sind, hier zu investieren. Vor einigen Jahren hatten wir ein ähnliches Beispiel, als man dem Zentralverband angeboten hatte, Fachhandwerksbetriebe im Badverkauf zu schulen. Nach einem Jahr hatte der Verband entschieden, dass man diese Unterstützung nicht benötige. Daraus ist heute „elements“ entstanden. Das Fachhandwerk hat damals leichtfertig Chancen aus der Hand gegeben. Derzeit ist die Entwicklung vergleichbar.“
Gleichzeitig betont Dreyer die Rolle des Fachhandwerks in der Entstehungsgeschichte des Vaillant Vertriebsmodells: „HeizungOnline ist durch das Fachhandwerk gewünscht und gemeinsam mit Vaillant erarbeitet worden. Es ist widersinnig, zu glauben, dass Fachhandwerker hierbei gegen die Interessen des Fachhandwerks gehandelt hätten. Im Sinne des Fachhandwerks haben wir eine Partnerschaft mit Vaillant gesucht und ein Modell entwickelt, das uns den neuen Markt erschließen kann.“
Teilen Sie die Position Ihres Kollegen? Diskutieren Sie, hier im Forum: