Das ist (noch) zu wenig: Gerade mal knapp 13 Prozent der Primärenergie in Deutschland wurden im letzten Jahr von den Erneuerbaren produziert. Vier Faktoren hemmen die Energiewende in Deutschland – erreicht sie trotzdem ihre Ziele?
Da ist noch Luft nach oben: Erneuerbare trugen im letzten Jahr mit 12,6 Prozent zur Primärenergieversorgung bei. Grafik: DB Research/AG Energiebilanzen
„Alte“ Erneuerbare, Biomasse, Wasserkraft und Abfall, versus „neue“ Erneuerbare, Wind- und Solarenergie plus Geothermie: Erstere stellen mehr als zwei Drittel der Primärenergie. Grafik: AG Energiebilanzen Kurz und knapp formuliert lautet eine erste Zwischen-Bilanz der deutschen Energiewende: Deutschland hat sich wohl zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen. So sehen das die Autoren einer aktuellen Studie von Deutsche Bank Research. Nach 15 Jahren EEG-Förderung (seit 2000) lag der Anteil der „neuen“ Erneuerbaren, Windkraft und Photovoltaik, am Primärenergieverbrauch des letzten Jahres bei 3,7 Prozent. Die „alten“ Erneuerbaren, wie Wasser, Biogas und Pellets, erreichten knappe neun Prozent. Mehr als 87 Prozent der Primärenergie in Deutschland werden also im Jahr 15 der Energiewende immer noch von Öl, Gas und Kernkraft erzeugt.
Werden die Ziele verfehlt?
Vor diesem Hintergrund geht die Studie der Frage nach, „welche Ziele der Energiewende wohl erreicht werden können und wo eine Zielverfehlung eher wahrscheinlich ist.“ Grundsätzlich „zeichnet sich in puncto Ziele und Instrumente der deutschen Energiewende eine Tendenz ab: Überall dort, wo über ein Förderinstrument hohe direkte oder indirekte Subventionen bzw. Zuschüsse beispielsweise für bestimmte Technologien gewährt werden, ist das Erreichen des betreffenden Ziels (sehr viel) wahrscheinlicher als in jenen Fällen, wo ein solches Instrument fehlt oder Zuschüsse und Anreize (zu) gering ausfallen“, so die Studie. Prinzip Zuckerbrot…
Die Peitsche wiederum ist das Ordnungsrecht, sprich, die Gebote und Verbote. Beide Instrumente seien „häufig ökonomisch ineffizient und/oder führen zu Eingriffen in Eigentumsrechte und Wahlfreiheiten der Bürger.“ Die vorhandenen und begrenzten Mittel sollten besser so eingesetzt werden, dass sie den Zielen der Energiewende am effektivsten nutzen.
Vier Faktoren limitieren die Energiewende, so die Studie: immense Kosten, physikalische Grenzen, das zeitliche Limit und das politisch Machbare.
Hohe Kosten
Der Vorteil der Erneuerbaren im Strommarkt seien die langfristig niedrigen Grenzkosten bei der Stromproduktion. „Dem stehen jedoch hohe Investitionskosten gegenüber, die auf absehbare Zeit der Förderung bedürften. Aus Kostensicht ist besonders wichtig, dass für die Umrüstung des Wärmemarktes (Gebäudebestand) und des Verkehrssektors in den nächsten Jahren immense Ausgaben anfallen.“
Physikalische Grenzen
Der eingangs erwähnte geringe Anteil der Erneuerbaren am Primärenergieverbrauch verdeutliche die noch begrenzte Leistungsfähigkeit der neuen Technologien, trotz rasanter technischer Entwicklung. Weiterer Nachteil der „neuen“ Erneuerbaren sei die geringe Auslastung: In 2014 nutzten die „Windmühlen“ (onshore) 17 Prozent, die PV-Anlagen 11 Prozent der maximal möglichen Volllaststunden. Die für den volatilen Wind- und Sonnenstrom unabdingbaren Speichertechnologien existieren (noch) nicht oder sind zu teuer. Zudem setze der hohe Flächenverbrauch aller Erneuerbaren, insbesondere der Biomasse, physikalisch enge Grenzen. Hier stellt sich zudem die ethische Frage, ob und in welchem Maße es richtig ist, landwirtschaftliche Nutzflächen für den „Anbau“ von Bioenergieträgern wie Mais und Raps zu nutzen. (Wird fortgesetzt)