Nicht ganz so hochgesteckte und dafür realistischere Klimaziele empfiehlt die aktuelle Studie „Deutsche Energiewende: Zielverfehlungen in Sicht“. Neben hohen Kosten und physikalisch-technischen Grenzen sei auch der Zeitplan für die Ziele der Energiewende zu ambitioniert und das politisch Machbare fraglich.
Mit einem ausgewogenen energiepolitischen Dreieck klappt es auch mit der Energiewende. Grafik: BMWI
Kostenfaktor EEG-Umlage: Hohe Kosten könnten die Akzeptanz der Energiewende gefährden. Bild: BDEW/DB Research Vier Faktoren begrenzen die Energiewende und können zu massiven Zielverfehlungen führen, so die Untersuchung von Deutsche Bank Research. Über zwei dieser Faktoren, hohe Kosten und physikalische Grenzen, berichtete HTD News bereits hier (Link einfügen). Die Autoren benennen zwei weitere „Bremsklötze“.
Ist der Zeitplan zu knapp?
Den limitierenden Faktor Zeit illustriert die Studie an einem Beispiel: Bis 2020 soll laut Bundesregierung der Ausstoß an Treibhausgasen (THG), in erster Linie CO2, um 40 Prozent verglichen mit dem Jahr 1990 verringert werden. „2015 lagen die THG-Emissionen um gut 19 Prozent unter dem Niveau von 1995. Um das 40-Prozent-Ziel bis 2020 zu erreichen, müssen die Emissionen in den nächsten fünf Jahren um 17 Prozent (!) sinken. Innerhalb von fünf Jahren soll die Emissionsminderung also fast genauso hoch ausfallen wie in den 20 Jahren davor“, rechnen die Autoren. Auch das langfristige Klimaziel bis 2050 sei ambitioniert: „Die Fakten dürften zumindest die Zweifel mehren, ob das deutsche Klimaziel 2050 mit den bislang bekannten Technologien und zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten erreicht werden kann.“
Ist die Energiewende politisch machbar?
Um ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen, werde die Politik „in den nächsten Jahren vermehrt auf ordnungspolitische Instrumente setzen. Dies würde bei den betroffenen Haushalten und Unternehmen zunächst höhere Kosten und Eingriffe in Eigentumsrechte und Wahlfreiheiten bedeuten.“ Und weiter: „Je mehr Kosten durch bestimmte Vorgaben verursacht würden und je unpopulärer ordnungspolitische Maßnahme ausfielen, desto größer dürften die Widerstände in der Bevölkerung, bei Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Teilen der Politik sein.“
Was ist zu tun?
Generell müsse sich die Energiepolitik am so genannten energiepolitischen Zieldreieck orientieren: Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit bilden idealerweise eine harmonische Balance. Wird eines dieser Ziele bevorzugt, gehe das zu Lasten der anderen.
Es sei ratsam, so die Studie, die deutsche Energiewende stärker in die europäische Energie- und Klimapolitik einzubetten. Das bedeute weniger anspruchsvolle, dafür aber realistischere Klimaziele. Der Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten könnte auf den Wärmemarkt und den Verkehrssektor ausgedehnt werden. Zudem „sollte die Politik die Vor- und Nachteile möglicher Ausstiegsoptionen aus dem EEG prüfen und Marktkräfte stärken. Für die Akzeptanz der Energiewende wäre eine demokratische Debatte darüber hilfreich, was die Energiewende insgesamt kosten darf.“
Andererseits aber „ist zu erkennen, dass es sich bei den (bisher) eingesetzten Instrumenten um eine Mischung aus kostenintensiven staatlichen Fördermaßnahmen und Ordnungsrecht handelt; überspitzt formuliert setzt der Staat also auf ‚Zuckerbrot und Peitsche‘. Offensichtlich besteht wenig Vertrauen, dass sich Unternehmen und private Haushalte allein aufgrund von wirtschaftlichen Abwägungen und ganz ohne Zuschüsse in einem für das Erreichen der Klimaziele ausreichendem Maße für CO2-ärmere oder energieeffiziente Technologien entscheiden.“
Auf globaler Ebene empfiehlt die Studie von DB Research:
- Bepreisung von CO2,
- Rückführung der Subventionen für fossile Energieträger,
- mehr Forschung im Bereich alternative Energiesysteme und Energieeffizienz,
- mehr Waldschutz und
- mehr Anpassung an den Klimawandel gerade in den ärmsten Staaten.
Link zur Studie von DB Research:
Deutsche_Energiewende_Zielverfehlungen_in_Sicht