Energiesparende Maßnahmen werden gerade mal von 15 Prozent der Handwerksunternehmen im eigenen Haus umgesetzt. Am effektivsten seien Investitionen in Gebäuden und im Fuhrpark. Ob Beratungsgespräche tatsächlich zu derartigen Maßnahmen führten, ist allerdings ebenfalls fraglich, so eine aktuelle Studie des ifh Göttingen.
Wichtiges Kriterium: Die Energiekosten pro Mitarbeiter und Jahr in verschiedenen Gewerken. Bild: ZDH-Energieumfrage 2012 und ifh Göttingen Sie müssen Kosten sparen – oder leicht umzusetzen sein. Dann werden sogar im Handwerk Energieeinsparungen realisiert, wenn auch viel zu selten. Generell sehen Handwerksunternehmen Energieberatungen positiv. Letztlich jedoch hätten Beratungsgespräche nur mäßigen Einfluss auf die tatsächliche Umsetzung konkreter Maßnahmen, so erste Ergebnisse der „Studie zu Energiekosten -Effizienz und Nachhaltigkeit im Handwerk“ vom Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh).
Die Studie ging dabei drei Fragestellungen nach:
- Lässt sich die Energiekostenbelastung einzelner Gewerke quantitativ verdeutlichen?
- Welche Einzelmaßnahmen führen Handwerks-Unternehmen durch? Welche Maßnahmenkombinationen treten häufig auf?
- Welche Faktoren bestimmen, ob ein Unternehmen Energieeffizienzmaßnahmen durchführt oder nicht?
Wie aber misst man die Energieintensität eines Unternehmens? Wichtiges betriebswirtschaftliches Maß seien die Energiekosten als Anteil am Umsatz respektive an den Gesamtkosten. „Leider werden diese Messgrößen stark von den Personal- und Materialkosten beeinflusst. Gewerke mit niedrigen Löhnen, wie Friseure oder Kosmetiker, erscheinen in diesem Lichte als sehr energieintensiv. Dies ist aber nicht zutreffend, wenn man den absoluten Verbrauch betrachtet“, heißt es dazu in der Studie. Die Autoren bevorzugen deshalb eine andere Kennziffer – die Energiekosten pro Mitarbeiter. Diese Variable sei ein gutes Maß für den absoluten Energieverbrauch eines Unternehmens und über die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung hinaus von hoher volkswirtschaftlicher und umweltpolitischer Relevanz.
Straßenbauer liegen mit knapp 5.000 Euro Energiekosten pro Mitarbeiter und Jahr an der Spitze, Friseure mit 1.409 Euro am Ende der Tabelle. Installateure und Heizungsbauer belegen mit 3.100 Euro pro Mitarbeiter einen „Mittelplatz“.
Einzelmaßnahmen der Unternehmen zur Energie-Effizienz werden an häufigsten durchgeführt, wenn sie leicht umzusetzen sind und - wenig überraschend – Kosten sparen. Dazu gehören beispielsweise Fensteraustausch, Fahrzeugerneuerung und Tourenplan. Solche Einzelmaßnahmen würden jedoch von weniger als 15 Prozent der Unternehmen durchgeführt. Oftmals werden diese Einzelmaßnahmen zu umfassenderen Paketen geschnürt, die sich auf Gebäude, Querschnittstechnologien der Anlagetechnik, Strom- und Wärmeerzeugung sowie Fuhrpark fokussieren. Größte energieeinsparende Effekte zeigten sich in den Bereichen Gebäude und Fuhrpark.
Inwieweit Effizienzberatungen tatsächlich einen Einfluss auf die Durchführung entsprechender Maßnahmen haben, sei hingegen fraglich, so die Studie. Im Falle einer Gebäudesanierung sei beispielsweise eine qualifizierte Beratung Voraussetzung für eine finanzielle Förderung. „ Es sollte in diesem Falle geprüft werden, ob die gegenwärtige Effizienzberatung überhaupt einen Mehrwert bringt. Beratungen sollten im Allgemeinen stärker auf die einzelnen Branchen zugeschnitten sein“, lautet eine Empfehlung des ifh.
Der Link zur Studie:
studie-zu-energiekosten-energieeffizienz-und-nachhaltigkeit-im-handwerk