Nosokomiale Infektionen sind die mit Abstand häufigste Infektionskrankheit in Deutschland. Genaue Zahlen, selbst die der Todesopfer, existieren jedoch nicht. Die Hälfte der Infektionen seien vermeidbar, sagen Krankenhaushygieniker.
Keimtötende Oberflächen ersparen das aufwändige Desinfizieren sanitärer Anlagen, sagen zumindest die Hersteller…. Bild: Duravit
Nix genaues weiß man nicht – über die Anzahl der Opfer nosokomialer Infektionen in deutschen Kliniken und die damit verbundenen Todesfälle.
Nosokomiale Infektionen ziehen sich Patienten erst während des stationären Aufenthalts in einer Klinik zu. Die Schätzungen über die jährliche Anzahl dieser Infektionen schwanken zwischen 400.000 und einer Million. Für 15.000 bis 40.000 Patienten endet die Infektion tödlich. Damit sind Krankenhaus-Infektionen die mit Abstand häufigste Infektionskrankheit in Deutschland. Die multiresistenten Keime bilden dabei die Speerspitze der mikroorganischen Attacke auf die Gesundheit der Patienten.
Geschönte Zahlen?
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) spricht von einer Million im Krankenhaus infizierter Patienten, für 40.000 soll die Infektion gar tödlich enden. Andere, weniger dramatische Zahlen „seien im Sinne der Krankenhauslobby geschönt und längst überholt“, erklärt DGKH-Vorstand Klaus-Dieter Zastrow. „50 Prozent der Krankenhausinfektionen sind vermeidbar“, so die Hygieniker der DGKH. Zastrow fährt schweres Geschütz auf: Die Lobby der Krankenhausbetreiber sei mächtig, sagt er. Hygieneverstöße müssten hart bestraft werden. "Wenn der Krankenhausleiter weiß, dass sich sein Chefchirurg nicht um Hygiene kümmert, muss er ihn feuern", fordert Zastrow. "Das Infektionsschutzgesetz gibt das her." Gesundheitsämter sollten bei Kontrollen "auch mal hingucken". Dann falle auf, dass in einigen Kliniken "alles außer Kraft gesetzt ist".
Metallionen als Keimkiller
Neben der aktiven Bekämpfung der Erreger spielen präventive Maßnahmen eine immer wichtigere Rolle. Eine starke, defensive Waffe im antimikrobiellen Krieg ist die möglichst keimfreie Oberfläche sanitärer Anlagen. Duravit hat beispielsweise eine angeblich zeitlich unbegrenzt antibakteriell wirkende Keramikglasur entwickelt. Die basiere auf einer Zinn-Zink-Mischung, die während des Brennens in die Glasmatrix integriert werde. Sie werde im Innenraum bis an den Rand von Toilette und Urinal gebrannt. Innerhalb von 24 Stunden vernichte die Glasur bis über 99 Prozent aller Krankheitserreger, so der Hersteller. Die toxische Wirkung auf Mikroben werde durch den oligodynamischen Effekt verursacht – die Keimtötung mittels Metallionen. Den gleichen Effekt bewirken auch andere Metalle, wie beispielsweise Silber und Kupfer.