
Im Gebäude des Straßburger Europarlament sind die Erreger der Legionärskrankheit entdeckt worden. Das Gebäude wurde daraufhin desinfiziert. Wie ein Sprecher der Parlamentsverwaltung mitteilte, reinigten Mitarbeiter einer Wartungsfirma die Wasserleitungen der sanitären Anlagen mit hoch konzentrierten Chlorlösungen. Die Aktion soll rechtzeitig vor Beginn der Plenarsitzung am Montagnachmittag abgeschlossen werden. Zu den monatlichen Plenarsitzungen kommen jeweils an die 2000 Abgeordnete, Assistenten, Parlamentsangestellte und Dolmetscher nach Straßburg.
Die Erreger befanden sich in Wasserproben, die im Mai bei einer Routinekontrolle entnommen wurden. Deren Ergebnis wurde diese Woche bekannt. Eine Gruppe von Grünen-Abgeordneten forderte daraufhin, die Plenarsitzung nach Brüssel zu verlegen. Dies lehnte das Präsidium ab. Mit der Desinfektion werde jedes Ansteckungsrisiko gebannt, betonte der Sprecher. Als Vorsichtsmaßnahme werde in der kommenden Woche das warme Wasser abgestellt bleiben.
Die Legionärskrankheit (Legionellose) ist eine besonders schwere Form von Lungenentzündung, die vor allem für ältere und immunschwache Menschen tödlich sein kann. Die Erreger entwickeln sich besonders in warmem Wasser. Das Straßburger Parlamentsgebäude sei besonders anfällig, weil die über 1200 Büros nur an vier Tagen im Monat benutzt werden, erläuterte der Sprecher. Dadurch bleibe warmes Wasser wochenlang in den Leitungen der Waschbecken und Duschen.
Der Vorfall dürfte dem Dauerstreit um den Sitz des Europaparlaments neue Nahrung geben. Die Grünen-Gruppe forderte bereits in einem Brief an den Parlamentspäsidenten Pat Cox, diese Frage müsse nun "dringend" überprüft werden. Der offizielle Sitz der EU-Volksvertretung ist laut EU-Vertrag zwar Straßburg, wo vor drei Jahren ein hochmodernes und rund 500 Millionen Euro teures Parlamentsgebäude fertiggestellt wurde. Die meiste Zeit steht der Glaspalast an der Ill jedoch leer. Die Abgeordneten verbringen die meiste Zeit in Brüssel, wo Ausschüsse und Fraktionen tagen. In Luxemburg ist ein Großteil der Verwaltung ansässig.