
Die lebensgefährliche Legionärskrankheit (Legionellose) in Großbritannien breitet sich immer weiter aus: Mittlerweile sind nach Krankenhausangaben 114 Menschen in Behandlung. Die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden auf 92. Auf Intensivstationen werden 19 Patienten behandelt. Dieser Ausbruch der Krankheit ist der schlimmste in Großbritannien seit zehn Jahren. Am Freitag war ein 88-jähriger Mann an der Krankheit gestorben.
Vermutlich breiteten sich die Erreger über eine Klimaanlage aus. Die meisten Patienten steckten sich nach Krankenhausangaben in der Ortschaft Barrow-in-Furness in der Grafschaft Cumbria an. Die Klimaanlage des dortigen Gemeindeszentrums wurde am Samstag abgeschaltet, weil sie vermutlich die Krankheit verbreitet hat.
Auch aus Slowenien werden Infektionen durch Legionellen gemeldet, ein deutscher Tourist starb bereits. Weitere sechs Deutsche, die mit ihm im Hotel in der Kreisstadt Koper wohnten, sind ebenfalls erkrankt. Sie sind inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt.
Labortests hätten bestätigt, dass Legionellen die Ursache für den Tod des bereits am 30. Juli in einer slowenischen Klinik gestorbenen Mannes waren. Als Ursprung der Erreger wurde eine fehlerhafte Wasserleitung im Urlaubshotel genannt.
Die Legionärskrankheit wird durch winzige Tröpfchen kontaminierten Wassers übertragen. Die Legionellen können schwere Lungenentzündungen auslösen und gelangen oft über Klimaanlagen, verseuchte Wassertanks und Flüsse in den menschlichen Körper. Nach Angaben von Experten endet die Erkrankung in fünf bis 15 Prozent aller Fälle tödlich, vor allem bei älteren und geschwächten Patienten.
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für Deutschland in diesem Jahr bis Ende Juli 153 Fälle von Legionärskrankheit registriert. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit höher liegen.
Nach Schätzungen des Instituts gibt jährlich 6000 Erkrankungsfälle. Ein großer Anteil der schwer Erkrankten habe aber bereits zuvor ein geschwächtes Imunsystem gehabt, so eine Institutssprecherin. Weiter: "Einige der häufigsten Infektionsquellen waren öffentliche Duschen, Schwimmbäder und Whirlpools".
Ein Problem bei der Legionärskrankheit sei, dass "sie einer normalen Lungenentzündung zu ähnlich ist und damit oft nicht erkannt wird." Für das vergangene Jahr, als die Meldepflicht in Deutschland eingeführt wurde, seien 328 Fälle registriert worden, darunter 22 Tote.
Die ersten Symptome der Krankheit - Fieber, Kopfschmerzen und Durchfall - treten zwei bis zehn Tage nach der Infektion auf. Danach kann es zu einer schweren Lungen- oder Rippenfellentzündung kommen, die zum Tod führen kann. Die Krankheit kann mit Antibiotika jedoch gut behandelt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.
Das Bakterium Legionella pneumophila kommt weltweit vor. Es vermehrt sich besonders gut an nassen Orten, wie Warm- und Kaltwasserleitungen von Kliniken und Hotels, Klimanalagen und Whirlpools. Beim Einatmen gelangt es über die Luft in die Lunge. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.