Sachsen Vorreiter mit dem "Energiepass" Eine überwiegend positive Resonanz findet in den ostdeutschen Fachverbänden Sanitär-Heizung-Klima (SHK) die Energieeinsparverordnung. Sie schreibt den Energiebedarf bei Neubauten und umfangreichen Sanierungen im Zusammenspiel von Gebäudedämmung und Heizungstechnik fest. Sie geht damit über die bisherigen Wärmeschutz- oder Heizanlagenverordnungen hinaus.
"Die Energieeinsparverordnung bietet gute Chancen für unsere Heizungsbauer. Natürlich müssen sich diese hierfür zunächst selbst stark qualifizieren und beispielsweise zum Gebäudeenergieberater ausbilden lassen", berichtet Detlef Pfeil, Geschäftsführer des brandenburgischen Landesverbandes. Auf keinen Fall sollte die Branche dieses lohnende Feld den Schornsteinfegern überlassen. Sein Verband unternehme deshalb viel, um die Mitgliedsfirmen für entsprechende Seminare im brandenburgischen Handwerksausbildungszentren zu animieren.
In der Berliner Innung beobachtet Geschäftsführer Dr. Klaus Rinkenburger bereits eine zunehmende Weiterbildungsbereitschaft. "Die Schulungen, die wir zur Energieeinsparverordnung anbieten, werden gut angenommen. Denn für die Zukunft dürfte das ein interessanter Bereich werden", schätzt er ein. Allerdings warnt er vor Illusionen. Wie bei anderen Verordnungen auch komme es darauf an, dass jemand die Umsetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) kontrolliert. "Sonst schafft das Gesetz nur eine rechtliche Situation, nicht aber eine praktische", schränkt der Berliner ein.
Einen Schritt weiter sind in dieser Frage bereits die Meisterbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Auch hier läuft derzeit, wie Landesgeschäftsführer Hans Müller berichtet, ein tief greifendes dreistufiges Qualifizierungsprogramm zur EnEV: für Auftraggeber wie Wohnungsgenossenschaften und kommunale Vergabeeinrichtungen sowie für Firmeninhaber und die leitenden Mitarbeiter auf den Baustellen. "Hierzu haben wir uns mit der Ingenieur- bzw. der Architektenkammer verbündet. Zugleich ist der Verband bemüht, durch Kontakte und Hilfeleistungen zusammen mit der zuständigen Landesbehörde die dringend notwendigen Durchführungsbestimmungen auf den Weg zu bringen, um die Verordnung praktisch umsetzen zu können", erläutert Müller. Andernfalls bleibe diese mit Hoffnung ersehnte gesetzliche Vorgabe "ein zahnloser Tiger". So aber sieht der Schweriner in der EnEV sowohl positive ökologische Signale als auch eine wichtige Entscheidung für die langfristige Existenzsicherung der SHK-Unternehmen.
Vortragssreihe zur EnEV auf der SHKG Leipzig
Den gegenwärtig größten Nachhol- und Schulungsbedarf sieht auch der thüringische Landesgeschäftsführer Dr. Siegfried Hörnlein - neben IT-Anwendungen - bei der Umsetzung der Energieeinsparverordnung. Hohe Erwartungen verbindet er deshalb mit der SHKG-Messe Ende September in Leipzig. Hier veranstaltet der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) während des Messerahmenprogramms an drei Tagen Vorträge zur EnEV. Wissen-schaftler und Praxisexperten, wie der Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur, Stefan Kohler, und Vertreter von Bundes- und Landesregierung informieren unter anderem über Grundzüge, Eckpunkte und Möglichkeiten des neuen Gesetzes, über methodische, Anwendungs- und Berechnungsaspekte sowie über die Umsetzungsmodelle der EnEV in den Län-dern.
Bundesweiter Vorreiter in Sachen Verbrauchersensibilisierung ist Sachsen mit seinem "Energiepass". Das von der Landesregierung initiierte Konzept dient der energetischen Grundbewertung von Wohnflächen und Immobilien. Mit einem Pilotprojekt, das noch bis Ende Mai in der Region Zwickau gelaufen ist, sollten zunächst den Hauseigentümern bestehender Gebäude energetische Schwachstellen aufgezeigt und vertretbare Lösungen offeriert werden. Der Pass diene damit als eine Art Initialzünder zur Modernisierung von Heizungen und Gebäuden und trage wesentlich dazu bei, das Energiebewusstsein und den überlegten Umgang mit Energie zu fördern, erläutert der Landesinnungsmeister des sächsischen SHK-Verbandes, Herbert Reischl. Nutzer von Gebäuden und Wohnraum erhielten damit aussagekräftige Angaben über Nebenkosten, was zwangsläufig auch zu belebenden Impulsen für SHK-Betriebe und Energieberater führe, prophezeit der Zwickauer. Bis Ende des Jahres, so seine Vermutung, könnte der Energiepass als wichtige Vorstufe zur EnEV in ganz Sachsen eingeführt sein.
Den Ausgang dieses Projektes verfolgt die Branche auch im benachbarten Sachsen-Anhalt mit Interesse. "Wenn sich dort der Energiepass bewährt, und danach sieht es aus, werden wir den gleichen Weg einschlagen. Es gibt diesbezüglich bereits positive Signale aus dem Magdeburger Wirtschaftsministerium", registriert Landesverbandsgeschäftsführer Dr. Hans-Michael Dimanski. Als zukunftsträchtig für das SHK-Handwerk sieht er die Energieberatung auch deshalb, "weil wir uns dieses Feld weit gehend exklusiv wahrnehmenn. Es wird nur von wenig anderen Branchen reklamiert". Entsprechend gebe es im Zusammenhang mit der EnEV schon einige Anzeichen, die Optimismus aufkommen ließen. "Es ist zu erkennen, dass sich öffentliche, aber auch größere private Auftraggeber Gedanken um ihre langfristige Energiepolitik machen und zunehmend Wert auf eine energiebewusste Installation legen", so Dimanski. Die Betriebe spürten dies am wachsenden Informationsbedarf bezüglich wirklich neuester Technik, auch für regenerative Energietechnologien wie Solartechnik und Wärmepumpen.