
Vier Tage lang stand die niedersächsische Kleinstadt Hameln wieder ganz im Zeichen der Sonne. Die norddeutsche Solarfachmesse SOLTEC öffnete in diesem Jahr bereits zum 7. Mal ihre Pforten. Vom 15. bis 18.8.2002 traf sich die Photovoltaik- und Solarthermie-Branche in den futuruistischen Spannbauten am Hamelner Weserbergland-Zentrum.
Das Spektrum war weit gefasst. Klangvolle Namen wie der britische BP-Konzern mit BP-Solar, Royal Dutch Shell mit Shell - Siemens Solar und der französische Total-Elf-Aquitaine Mineralölmulti mit Total-Energie stellten als Weltmarktführer Spitzenprodukte der Photovoltaik aus. Und das interessante daran ist, daß die SOLTEC eben keine Industriemesse ist, wo es ausschließlich um technische Details geht. Vielmehr wird das große Ganze im Zusammenhang beleuchtet. So präsentierte BP-Solar seine Zellen und Module unter dem Begrifff Energiedach als vollständige Anwendungslösung. Ähnliches gilt für Photovoltaik-Aussteller, die Fassadenlösungen vom Einfamilienhaus bis hin zum Krankenhausbau oder großem Verwaltungsbau vorstellten -
streng getrennt nach Sanierung und Neubau.
Der Solarthermie-Markt war nicht minder präsent. Von der Warmwasserbereitung im Einfamilienhaus bis hin zur vollständigen Heizungsversorgung eines Großobjektes waren alle Varianten gegeben. Die Facetten reichten hier von der autark-solaren Heizungsversorgung eines Gebäudes mit Passivhaus-Technologie bis zur Darstellung neuester Kombinationen unter geothermischen Gesichtspunkten bis zurm Einsatz von Biomasse. Insbesondere die Biomasse-Technologie ist aus Österreich und der Schweiz bekannt, in Deutschland führt sie derzeit noch ein Schattendasein. Es kommt aber nicht von ungefähr, daß so bekannte Solarthermie-Hersteller wie SOLVIS und Paradigma, aber auch nach und nach die meisten anderen, Energieerzeugung aus Biomasse mit ins Programm nehmen.
Mit über 100 Ausstellern ist die SOLTEC die größte Solarfachmesse Norddeutschlands. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als 11.000 Interessierte diese Messe, die sich vorrangig an Fachpublikum, aber an den beiden Publikumstagen Samstag und Sonntag auch an den privaten Hausbesitzer wendet.
Unterdessen wurde bekannt, dass BP das Projekt "Solarfabrik" auf Eis gelegt hat. Ursprünglich hatte die Stadt gehofft, bereits zur Eröffnung der Solarmesse "Soltec" am letzten Donnerstag alles klar machen zu können. Als Grund für die Absage gibt BP an, dass "sich wesentliche Faktoren für den Bau der Solarfabrik anders als vorhersehbar" entwickelt hätten.
Nach Darstellung von BP ist die Wirtschaftlichkeit einer Solarfabrik mit einer Kapazität von 20 oder auch 40 Megawatt heute am Standort Deutschland "schwierig darstellbar" - und das trotz Unterstützungszusagen des Landes, des Landkreises Hameln-Pyrmont und der Stadt Hameln.
Im April vergangenen Jahres hatte BP bekannt gegeben, in Hameln eine Solarfabrik mit einer Kapazität von 20 Megawatt zu bauen. Grundlage war eine gemeinsam mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium durchgeführte Marktforschungsstudie, die ein erhebliches Marktpotenzial für Photovoltaik in Deutschland ergeben hatte.
Neueste Daten von Industrie und Verbänden ließen jedoch erwarten, dass der Bedarf an Photovoltaikmodulen in Deutschland früher als erwartet gesättigt sei, heißt es in der Mitteilung von BP. Die daraus resultierende Unsicherheit werde noch durch einen saisonbedingten Nachfragerückgang im ersten Halbjahr 2002 verstärkt. "Dies stellt die Wirtschaftlichkeit einer Modulfertigung in Deutschland zusätzlich in Frage."
BP will nun nach eigenem Bekunden feststellen, ob der Einbruch im Photovoltaik-Markt tatsächlich auf eine Marktsättigung zurückzuführen ist oder ob "politische Unsicherheiten im Wahljahr" nur zu einer vorübergehenden Stagnation führen. Diese Prüfung könne bis in das vierte Quartal dieses Jahres hineinreichen.
Der niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner ist optimistisch, dass die Solarfabrik in Hameln doch noch verwirklicht werden kann. Am Rande der "Soltec"-Eröffnung sagte er, die Solarbranche werde seiner Meinung nach weiter beständig wachsen.
Die Entwicklung hin zu mehr regenerativer Energie sei unumgänglich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diese überfällige und notwendige Entwicklung zu einem regenerativen Energiemix aufhalten kann", betonte Jüttner in Hameln.