Zur gestrigen Veröffentlichung der Baukonjunkturdaten des Statistischen Bundesamtes erklärt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Prof. Dr. Karl Robl:
"Die Zahlen des Bauhauptgewerbes für das 1. Halbjahr 2002 liegen auf dem Tisch. Es zeigt sich, dass es die Bauwirtschaft nach wie vor schwer hat, aus ihrem konjunkturellen Tief herauszukommen.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gibt einem günstigeren Verlauf der Bautätigkeit praktisch keinen Raum. Das Bruttoinlandsprodukt liegt real um 0,4 % unter der Größe des Vorjahres. Investieren wird nur derjenige, der auf Absatz vertrauen kann. Und dies ist in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft nicht der Fall. So gingen die Ausrüstungsinvestitionen real um fast 10 % zurück. Die Bauinvestitionen liegen mit gut 4 % im Minus. Dies ist immer noch ein erheblicher Rückstand, der allerdings etwas geringer als im Vergleich zum Vorjahr ist.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Daten des Bauhauptgewerbes für die ersten sechs Monate wider. Bei den Beschäftigten ist per Juni ein Rückgang ge-genüber dem Vorjahr um 10,1 %, dies sind mehr als 100.000 Personen, zu verzeichnen. Die Umsätze gingen bis einschließlich Juni um 7 % zurück. Bei den Auftragseingängen liegt das Auftragsminus real bei fast 6 %. Im Unterschied zum Vorjahr liegen die prozentualen Abnahmen der Baunachfrage im Westen und im Osten dicht beieinander.
An dieser grundsätzlichen Situation werden auch die notwendigen Investitionen, die aufgrund der Flutschäden getätigt werden müssen, nicht viel ändern. Zwar werden in den vom Hochwasser geschädigten Regionen Baumaßnahmen in erheblichem Umfang erforderlich. Die Bauleistungen werden deutschlandweit dadurch jedoch nur geringfügig beeinflusst.
Ausschlaggebend ist aber, dass die Entscheidungen über die notwendigen Maßnahmen sachgerecht und zügig getroffen werden und nicht im Wahlkampfgetümmel stecken bleiben. Da auch Bauunternehmen von den Flutschäden betroffen sind, bedeutet die Beschäftigung der ostdeutschen Unternehmen beim Wiederaufbau Hilfe zur Selbsthilfe - für das Unternehmen selbst, seine Mitarbeiter und für die Region."
Die Zahlen des Statististischen Bundesamtes (Pressemitteilung vom 21. August 2002):
Bauhauptgewerbe Juni 2002: 10,1 % weniger Aufträge als im Vorjahr
Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, verzeichnete das Bauhauptgewerbe (Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten) im Juni 2002 in Deutschland preisbereinigt 10,1 % niedrigere Auftragseingänge als im Vorjahresmonat. Die Baunachfrage verringerte sich im Hochbau um 16,0 % ; im Tiefbau nahm sie um 2,4 % ab.
In den Betrieben des Hoch- und Tiefbaus waren Ende Juni 2002 rund 862 000 Personen tätig; das waren 107 000 weniger als vor einem Jahr (– 11,1 %). Der Gesamtumsatz belief sich im Berichtsmonat auf 7,6 Mrd. Euro (– 8,8 % gegenüber Juni 2001).
Vergleicht man die Ergebnisse der Monate Januar bis Juni 2002 mit denjenigen des entsprechenden Vorjahreszeitraums, sind die Auftragseingänge preisbereinigt um 5,9 % gesunken. Der Gesamtumsatz lag mit 36,9 Mrd. Euro um 7,0 % unter dem Niveau der ersten sechs Monate 2001.