
Heizöl ist seit Jahren nachweislich eine der preisgünstigsten Wärmeenergien. Obendrein können Ölheizungsbesitzer je nach Marktlage Preisvorteile nutzen und sich dank eigener Lagerhaltung besonders günstig mit Wärme auf Vorrat eindecken. Da wundert es wenig, dass viele zufriedene Hausbesitzer ihren Öltank zugleich als Spardose bewerten. Sie sollten aber auch Vorsorge tragen, damit ihr angespartes Wärmekapital im Winter nicht "einfriert".
Wenn Heizöl nicht frostsicher gelagert wird oder wenn gar die Heizungsanlage entgegen der DIN-Vorschrift nicht frostgeschützt installiert worden ist, können nämlich bei extremen Minustemperaturen Paraffinkristalle die Heizung ausgerechnet dann mattsetzen, wenn ihre Wärme dringend benötigt wird. Deshalb, so ein Rat des Instituts für wirtschaftliche Oelheizung e. V. (IWO), sollte im Rahmen der Heizungswartung vorsorglich auch einmal der Kälteschutz der Ölleitung bis zum Brenner überprüft werden.
Erdtanks liegen zwar frostsicher im Boden, können aber trotzdem betroffen sein. Kritisch ist der Bereich des Domschachtes, wenn dort ein Teilstück der Leitung ungeschützt der Kälte ausgesetzt ist. Sowohl die Vorlauf- als auch eine eventuell vorhandene Rücklaufleitung müssen daher gut gegen Frost isoliert sein. Absperrventile, die aus der Isolierung herausragen, können als Kältebrücken fungieren. Deshalb sollten sie ebenfalls frostgeschützt "verpackt" werden. Und falls die Ölleitung nicht mindestens in einer als frostsicher geltenden Tiefe von 80 Zentimeter verläuft, stellt der Einbau einer temperaturgesteuerten, selbstregelnden Begleitheizung einen hervorragenden Schutz dar. Der Heizungsfachmann kann Detailfragen dazu beantworten.
Selbst ein Tank im Keller ist nicht vor Paraffinausscheidungen gefeit. Wenn nämlich Ölleitungen unmittelbar vor einem Keller fenster oder dem Frischluftkanal verlaufen, können sie bei Tiefsttemperaturen regelrecht zufrieren. Sie sollten daher sicherheitshalber isoliert werden. Weitaus kälteempfindlicher sind naturgemäß Heizöltanks, die in einem nicht isolierten Anbau oder in einem zugigen Schuppen untergebracht sind. Diese Lagerbehälter, erst recht aber die Zuleitungen, benötigen unbedingt einen zusätzlichen Isolierschutz, um bei hohen Minusgraden einen problemlosen Heizungsbetrieb zu gewährleisten.
Sonst besteht bei extremem Frost die Gefahr, dass Paraffinkristalle Leitungen und Filter verstopfen und die Heizungsanlage ausfällt. Paraffine sind kettenförmige Kohlenwasserstoffmoleküle und natürliche Bestandteile des Heizöls wie des Dieselkraftstoffs. Sie zeichnen sich durch ein sehr gutes Verbrennungsverhalten aus, reagieren aber bei Abkühlung unter eine bestimmte Grenztemperatur (Cloudpoint) empfindlich: Sie verlieren ihre Löslichkeit, gehen vom flüssigen in einen festen Zustand über und fallen als weißer Schleier oder als Flocken aus dem Öl aus. Erst nach einem Anstieg der Temperatur lösen sich die festen Bestandteile selbständig wieder auf.
Die Mineralölwirtschaft beugt dem Risiko einer Betriebsstörung durch Paraffinausscheidungen mit der Zugabe von Fließ- und Filtrierbarkeitsverbesserern bereits in der Raffinerie vor. Damit bleibt Heizöl auch bei Unterschreitung der Grenztemperatur weitestgehend filtrierfähig. Einen nochmals erhöhten Kälteschutz bieten spezielle Additive, die zusätzlich in den Tank gegeben oder über eine automatische Dosiereinrichtung am Tankwagen beigemischt werden. Doch bei einer nicht frostsicher verlegten Ölleitung und wochenlang anhaltendem Zustrom polarer Kaltluft stoßen alle Fließverbesserer erfahrungsgemäß irgendwann an ihre Grenzen.