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News vom 07.04.2003

Wind und Wasser, Sonne und Biomasse – die Rolle der erneuerbaren Energien


Regenerative Energien, worunter so unterschiedliche Bereiche wie Wasser- und Windkraft, Geothermie und die unterschiedlichen Nutzungen der Sonnenkraft (Solarthermie und Photovoltaik) sowie die Verwendung von Biomasse zur Strom- und Wärmeerzeugung zusammengefasst werden, sind weltweit auf einem dauerhaften Wachstumskurs. Die weitere Entwicklung der Alternativen zu den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas sowie zur Kernenergie stehen in einem besonderen Spannungsfeld unterschiedlicher Einflussfaktoren: Zum einen gewinnt der Klimaschutz weiter an Bedeutung, was auch die Entscheidung der Euro­päischen Gemeinschaft Ende 2002 zum Emissionshandel belegt. Zum zweiten erzwingen liberalisierte Energiemärkte eine Neuausrich­tung von Zielen bei allen Beteiligten, wobei das Gebot der Wirtschaftlichkeit höchste Priorität hat. Zu beachten ist dabei aber auch die Bevorzugung bestimmter Energieformen durch die politi­schen Rahmenbedingungen, wie z. B. durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland. Ähnliche Regelungen gibt es inzwischen auch in anderen europäischen Ländern. Zum dritten gibt es eine breit angelegte Diskussion darüber, wie die künftige Energiestruktur u. a. in Bezug auf die Verteilung zwischen zentralen und dezentralen Erzeugern aussehen soll.

Obwohl weltweit die Wasserkraft mit großem Vorsprung die wichtigste regenerative Energiequelle mit einer installierten Leistung von über 670 000 Megawatt (MW) ist, hat die Windkraft in den zurückliegenden Jahren immer mehr Interesse gefunden. Speziell in Deutschland hat der Strom aus dem Wind enormen Auftrieb. Jahr für Jahr kann der Bundesverband Wind-Energie (BWE, Osnabrück) neue Rekorde vermelden. So auch für das zurückliegende Jahr: 2.328 Anlagen mit einer Gesamtleis­tung von 3.247 MW wurden 2002 zusätzlich installiert, das bedeutet einen Zuwachs in der Leistung von 22 Prozent. Ende des abgelaufenen Jahres waren damit bundesweit 13.759 "Windmühlen" mit einer Gesamtleistung von 12.001 MW am Netz. "Der Anteil des potenziellen Jahresenergieertrages aus Windenergieanlagen am Nettostromverbrauch steigt damit von drei Prozent in 2001 auf 4,7 Prozent in 2002", erklärt Jens-Peter Molly, Geschäftsführer des Deutschen Windenergieinstituts (DEWI, Wilhelmshaven).

Windkraft als Motor der Wirtschaft
Die Bedeutung der Branche als Motor für die Wirtschaft unterstreicht Norbert Giese, Vorsitzender der Windbranche im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt/Main: "Mit einem Jahresumsatz von 3,5 Mrd. Euro konnte in etwas mehr als einem Jahrzehnt ein bedeutender Wirtschaftszweig geschaffen werden. In 2002 wurde die Windenergie in einigen Landkreisen an der Nord- und Ostsee zum Wirtschaftsfaktor Nummer eins vor der Landwirtschaft und dem Tourismus." Die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) sind derzeit als Rückgrat der Industrie in aller Munde. "13 Jahre moderner Windkraftbau haben eindrucksvoll bewiesen, dass dies kein Thema für Sonntagsreden bleiben muss", setzt Giese hinzu.

Immer mehr an Fahrt gewinnt die maritime Windkraft-Nutzung. Ende 2002 hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH, Hamburg) die Genehmigung für den zweiten deutschen Offshore-Park "Butendiek" erteilt, der 35 Kilometer westlich der Insel Sylt entstehen soll. Bis 2006 werden hier 80 Anlagen von wahrscheinlich je drei MW Leistung gebaut. "Aus heutiger Sicht der weltweit größte Offshore-Park", so Dr. Peter Ahmels, Präsident des BWE. Inzwischen hat die Plambeck Neue Energien AG (Cuxhaven) beim BSH einen Bauantrag über 77 Anlagen der 3-MW-Klasse eingereicht, damit dürfte "Borkum Riffgrund" (Wassertiefen 23 bis 29 Meter) eine nahezu identische Größe erreichen. Beim BSH liegen derzeit knapp 30 Anträge für die Nord- und Ostsee mit einer Gesamtleistung von 60.000 MW vor. Würde nicht einmal die Hälfte der Projekte tatsächlich realisiert, entstünden Gesamtinvestitionen von nahezu 36 Mrd. Euro und zahlreiche neue Arbeitsplätze vor allem in den strukturschwachen Küstenregionen.

"Windweltmeister" Deutschland
Wind ist längst auch ein internationales Thema, große Potenziale gibt es rund um den Globus. Derzeit sind etwa 26.500 MW installiert, 19.000 MW allein in Europa. Zu den führenden Ländern gehören neben "Windweltmeister" Deutschland die USA (etwa 4.500 MW), Spanien (4.000 MW) und Dänemark (2.500 MW). Große Pläne haben aber auch China und Indien. Im Offshore-Bereich gibt es derzeit weltweit elf Projekte, nahezu die Hälfte davon in Dänemark. Der erste wirklich große Park ist "Horns Rev" in der dänischen Nordsee, wo 80 Einheiten von je zwei MW Leistung aufgebaut wurden und derzeit im Probebetrieb sind.

Ohne Frage sind Entwicklungen, Prognosen und Rahmenbedingungen der regenerativen Energien ein wichtiges Thema auf dem 4. Internationalen Energiekongress am 8. und 9. April, der im Rahmen der HANNOVER MESSE 2003 (7. bis 12. April) stattfindet. Explizit mit dieser Materie wird sich Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der REpower Systems AG in Hamburg, in seinem Vortrag beschäftigen. "Der Trend in der Windindustrie geht zu größeren Anlagen. Die Standorte werden knapper, deshalb müssen die Leistungen steigen, um diese Standorte besser zu nutzen. Ziel der Branche muss sein, Anfang des nächsten Jahrzehnts wettbewerbsfähig mit Gas, Öl und Kernenergie zu sein, d. h., Erzeugungskosten von fünf Eurocent pro Kilowattstunde Strom zu erreichen. Das geht nur mit größeren Anlagen für höhere Windgeschwindigkeiten", so Vahrenholt. Aber auch in vielen anderen Beiträgen und Diskussionen werden die "Erneuerbaren" eine ebenso wichtige Rolle spielen wie in Halle 13, wo rund 150 Aussteller Produkte und Dienstleistungen rund um die erneuerbaren Energien präsentieren. Hierzu gehören u. a. alle bedeutenden Anbieter von Windkraftanlagen. Das vollständige Programm des 4. internationalen Energiekongresses sowie Anmeldeunterlagen stehen im Internet unter www.energysummit.de zur Verfügung.

Wasserkraft noch ausbaubar
Neuigkeiten gibt es aber auch außerhalb der Windbranche. Ende Januar dieses Jahres hat die "Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e. V." mit der Mitteilung überrascht, dass die Wasserkraft in Deutschland durchaus noch ausbaufähig sei. Derzeit liefern entsprechende Kraftwerke 25 Mrd. Kilowattstunden (kWh). Die Arbeitsgemeinschaft, der rund 800 kleine und mittelständische Betriebe angehören, geht davon aus, dass sich die Elektrizitätsmenge aus Wasserkraft zwischen Nord- und Ostsee sowie Alpen um weitere 15 Mrd. kWh pro Jahr erhöhen ließe. Das entspricht dem Bedarf von rund 10 Mio. Privatpersonen.

Biomassenutzung mit großem Potenzial
Großes Potenzial wird auch der Wärme- und Stromerzeugung aus Biomasse zuerkannt. Hierzu ist zumindest in Mitteleuropa aber einschränkend zu bemerken, dass jedes Stück Holz nur einmal verbrannt werden kann. Grundvoraussetzung für derartige Projekte ist in jedem Fall eine gesicherte Rohstoffversorgung, die umso schwieriger wird, desto mehr Anlagen in Betrieb gehen. Auf der anderen Seite gibt es eine enorme Vielfalt an einsetzbarer Biomasse. So wird neben der landwirtschaftlichen Biogaserzeugung auch die Strom- und Wärmeproduktion in industriellen Anwendungen immer wichtiger.

Sonnennutzung: Solarthermie oder Photovoltaik
Eine zweite Trumpfkarte in der Solarenergie ist die Photovoltaik, bei der die Sonneneinstrahlung direkt in Strom umgewandelt wird. Gemeinsam an die Weltspitze der photovoltaischen Solarzellenhersteller, das ist das Ziel des Joint Ventures zwischen Schott und RWE. Den ersten großen Schritt auf diesem Weg hat die RWE Schott Solar GmbH in Alzenau mit ihrer neuen Fabrik, der "SmartSolarFab", bereits geschafft. Die größte und modernste Solarzellenfertigung Europas realisiert erstmals die gesamte Wertschöpfungskette der Photovoltaik: die Herstellung der Siliziumwafer, die eigentliche Zellenproduktion und die abschließende Integration der Zellen zu kompletten Modulen. Das Investitionsvolumen für die komplette Anlage beträgt 150 Mio. Euro. "Mit unserer neuen Fabrik für eine Kapazität von 60 MW Solarzellen pro Jahr untermauern wir nicht nur unsere führende Stellung in Deutschland und Europa, sondern schaffen wir auch den Sprung unter die Top 5 weltweit", freut sich Dr. Winfried Hoffmann, Geschäftsführer der RWE Schott Solar.

Die Fortschritte bei den alternativen Energien sind beachtlich. Dennoch sind noch viele Fragen zu klären. Dazu zählen u. a. die Einbindung entsprechender Kraftwerke auf Basis regenerativer Quellen in die bestehenden Netze, die Größe der benötigten Reserveleistung auf herkömmlicher Basis oder die Höhe der Einspeisevergütungen, die manche als zu hoch ansehen, um schnell zu wirtschaftlichen Lösungen zu kommen. Im Detail sind zudem noch viele technische Schwierigkeiten zu überwinden.

Hier bietet die Energy 2003 die ideale Informations- und Diskussionsplattform. Insgesamt 910 Aussteller präsentieren vom 7. bis 12. April in Hannover Innovationen aus den Bereichen Energiewirtschaft, Energietechnik und erneuerbare Energien. Zahlreiche Gemeinschaftspräsentationen und Foren greifen zentrale Themen vertiefend auf. Wer sich für den Bereich der regenerativen Energien interessiert, sollte insbesondere die Gemeinschaftspräsentationen "clean energy" und "energy services" in Hale 13 nicht verpassen.

"clean energy" ist die Präsentationsplattform für regenerative Energiequellen von morgen. Hier präsentieren sich, begleitet von einem attraktiven Forumsprogramm, die Technologien und Anwendungen z. B. aus Windenergie, Solarenergie, Wasserkraft, Biomasse, Biogas, Geothermie, Klima und Emissionen. Die Liberalisierung der Energiemärkte hat Bewegung in die Branche gebracht. Sowohl bei den Anbietern als auch bei den Endkunden in Industrie und Wirtschaft wächst die Bedeutung von effizientem Energiehandel und kostensparendem Einsatz. "energy services" zeigt, wie Energiemanagement, Energiehandel, Energieconsulting und Contracting, verschiedene Softwarelösungen im Energiebereich, Finanzdienstleistungen sowie Energieoptimierungen und Einsparungen effizient vermarktet werden können.

Auch das "Exportforum erneuerbare Energien", ebenfalls in Halle 13, lohnt einen Besuch:. An fünf Nachmittagen stellen Unter­nehmer und Experten der Branche ausgewählte Märkte innerhalb und außerhalb Europas vor. Sie informieren über länderspezifische Rahmenbedingungen, Markt- und Wettbewerbssituationen sowie Förderungsinstrumente und Finanzierungsmöglichkeiten. Die Vorträge werden sowohl thematisch als auch geographisch in fünf Einzelforen zusammengefasst: Biomasse/Biogas-Forum Mittelosteu­ropa, Solar-Forum Europa, Wind-Forum Europa, Wind-Forum Übersee und ein Geothermie-Forum. Im Anschluss an die Vorträge findet jeweils eine Kontaktbörse statt. Das aktuelle Programm des Exportforums ist unter www.hannovermesse.de/exportforum abrufbar.

Aktuelle Forenbeiträge
tepee schrieb: Es gibt ja einige wenige Fälle, bei denen der RGK nicht ganz...
ddjst schrieb: Die Bundesregierung beabsichtigt die Förderung von kleinen PV...
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