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News vom 08.04.2003

4. Internationaler Energiekongress am 8. und 9. April


Emissionshandel von Treibhausgasen vor dem Start in der EU.

Der 9. Dezember 2002 war ein bedeutender Tag für die Geschichte der europäischen Ökologie-Bestrebungen. An diesem Tag einigten sich die Umweltminister der EU auf die Richtlinie über den Emissionshandel innerhalb der Gemeinschaft. Der Handel mit Zertifikaten wird demnach ab 2005 für die großen Emittenten beginnen und spätestens ab 2008 für alle energieintensiven Bereiche verpflichtend sein. Auf diese Weise wird knapp die Hälfte aller Kohlendioxid-Emissionen (46 Prozent) erfasst. Die zulässige Obergrenze der insgesamt emittierten Schadstoffmengen wird für jedes Land einzeln festgelegt und auf die betroffenen Firmen aufgeteilt. "Damit wird in ganz Europa für energieintensive Betriebe die Möglichkeit geschaffen, über Energieeinsparungen Geld zu verdienen. Dies ist ein guter Tag für den Klimaschutz und ein guter Tag für den Industriestandort Deutschland", kommentierte Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Entscheidung von Brüssel.

Auf Vorschlag der Bundesregierung einigte sich die Ministerrunde dahingehend, dass bis Ende 2007 bestimmte Branchen oder Unternehmen vom Emissionshandel ausgenommen werden. So können Firmen, die heute noch über ihrer zuerkannten Kohlendioxidmenge liegen, ihren Ausstoß zunächst eigenständig reduzieren, ohne gleich Zertifikate zukaufen zu müssen. "Mit diesem Kompromiss können wir leben", erklärt Eggert Voscherau, Vorstandsmitglied der BASF AG in Ludwigshafen. Ein großer Erfolg sei die kostenfreie Ausgabe der Emissions-Zertifikate bis Anfang 2008. Damit werde vermieden, dass Zusatzkosten aus der Erstvergabe entstehen. "Großer Dank gebührt dem Kanzleramt", so Voscherau. Die getroffene Regelung ist für Länder wichtig, die ihre CO2-Emissionen bereits anderweitig reduzieren, wie z. B. Deutschland durch die freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie. Hier wurde die Freisetzung von Klimagasen seit 1990 bereits um 22 Prozent verringert. Deshalb brauche die Bundesrepublik an sich derzeit auch keinen Emissionshandel, führte Trittin aus. Die Bundesregierung will dennoch den Handel unterstützen, weil ohne diese Maßnahme verschiedene EU-Mitgliedsstaaten keine Chance hätten, ihr nationales Kyoto-Ziel zu realisieren.

Ökonomische Anreize, Emissionen einzusparen
Nach den getroffenen Regelungen können es die nationalen Regierungen zulassen, dass sich die beteiligten Firmen in einem Pool organisieren. Sie dürfen solch einen Pool aber nicht zwangsweise einführen. Für den Fall, dass ein Unternehmen mehr emittiert als ihm zusteht, hat es zwei Möglichkeiten: Entweder kauft es von Unternehmen, die unter ihrem Limit geblieben sind, die freien Mengen, oder entrichtet eine Gebühr, die von 2008 an 100 Euro pro Tonne CO2 betragen wird. Auf diese Weise soll ein ökonomischer Anreiz entstehen, einerseits möglichst wenig Emissionen freizusetzen, und andererseits eigene, nicht benötigte Rechte gewinnbringend zu verkaufen. Wenn Deutschland seinen Weg der Reduzierungen konsequent fortsetzt, könnten durch den Verkauf von überschüssigen Emissionskontingenten rund 500 Mio. Euro Gewinn erzielt werden, prognostiziert die gemeinsame Studie vom Öko-Institut (Freiburg), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin) und der ECOFYS GmbH (Köln).

Nach Schätzungen der Dresdner Bank wird das Weltmarktvolumen für Emissionen ab 2008 zwischen zehn und 200 Mrd. Dollar betragen. Doch längst nicht alle Beteiligten sind begeistert bzw. vom ökonomischen Nutzen überzeugt: "Der volkswirtschaftlichen Theorie entsprechend ist der Ansatz, Klimaschutz durch den Handel mit Zertifikaten von Treibhausgasemissionen zu erreichen, mit Effizienzgewinnen verbunden. Leider sind die Einführung, der Vollzug, der Handel selbst sowie die Kontrolle mit beträchtlichen Kosten verbunden. Es ist zu befürchten, dass diese Transaktionskosten die theoretisch möglichen gesamtwirtschaftlichen Effizienzgewinne überkompensieren", meldet Prof. Georg Erdmann, Leiter des Fachgebiets Energiesysteme der Technischen Universität Berlin, Bedenken an.

Spannende Diskussionsrunde garantiert
Fragen dieser Art, das Für und Wider des Emissionshandels, werden eine wichtige Rolle auf dem 4. Internationalen Energiekongress am 8. und 9. April 2003 im Rahmen der HANNOVER MESSE spielen. Speziell die hochrangig besetzte Expertenrunde am Dienstag, 8. April, die das Thema "Wirkungen des CO2-Emissionshandels auf den Klimaschutz und die internationalen Energiemärkte" auch unter Einbeziehung des Plenums diskutieren wird, dürfte interessante Thesen und Meinungen vertreten. Auf dem Podium dabei sind u. a. Prof. Dr. Klaus Töpfer, Executive Director des United Nations Environment Programme (UNEP, Nairobi), Pablo Fernàndez Ruiz, Direktor der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission in Brüssel, Prof. Dr. Wolfgang Ströbele, Direktor der AGEP in Münster, Lars G. Joseffson, Präsident & GEO der Vattenfall AB in Stockholm, Prof. Dr. Carl-Christian von Weizsäcker, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln, und Dr. Ludolf von Wartenberg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI, Berlin). Zudem werden verschiedene Vertreter aus der Energiewirtschaft und dem Bereich Energiedienstleistungen, aber auch von Verbänden und aus dem Kreis der Energienutzer dieses Thema in ihren Fachbeiträgen vertiefen.

Betroffen vom europäischen Emissionshandelssystem ist eine Vielzahl von Branchen. Dazu gehören explizit alle Industrien, die einen großen Energiebedarf haben, also Energieversorger, Stahl-, Aluminium- und Kupfererzeuger, Zement- und Ziegelwerke, Kokereien, Raffinerien, die Glas- und Keramikproduktion sowie die Zellstoff- und Papiererzeugung. Alle Unternehmen, die Energieanlagen mit einer thermischen Leistung von mindestens 20 Megawatt (MW) betreiben, sind zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet.

Deutschland und Großbritannien bei Kyoto-Verpflichtungen weit vorn
Auf dem Weg, die Kyoto-Verpflichtungen zu erfüllen, sind Großbritannien und Deutschland bislang am weitesten vorangekommen. Das britische Inselreich hat seine Emissionen von 742 Mio. Tonnen im Basisjahr 1990 auf 649 Mio. Tonnen in 2000 gesenkt und damit das Ziel von 12,5 Prozent Reduktion sogar schon leicht überschritten. Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU startete 1990 mit 1 222 Mio. Tonnen und lag zehn Jahre später bei nur noch 991 Mio. Tonnen – ein beachtlicher Rückgang der CO2-Emissionen um 18,9 Prozent (nur für den industriellen Bereich liegt dieser Wert, wie ausgeführt, sogar bei 22 Prozent). Damit fehlen zur Zielmarke von 21 Prozent für 2008 nur noch gut zwei Prozent, die in der verbleibenden Zeit sicher zu schaffen sein sollten. Da die beiden Staaten zu den größten Emittenten in Europa zählen, haben die hier erreichten Minderungen den größten Anteil daran, dass die EU ihre Vorgaben zur Reduzierung der Treibhausgase bereits zur Hälfte realisiert hat.

Kein Zweifel, Energie ist von zentraler Bedeutung nicht nur für die industrialisierten Länder, sondern auch und besonders für alle aufstrebenden und unterentwickelten Staaten. Energie ist der Schlüssel zu Wachstum und Fortschritt auf jeder Stufe der Entwicklung. Die Fachmesse Energy und der 4. Internationale Energiekongress werden hier neue Akzente setzen und Möglichkeiten für eine effiziente Nutzung von Energie aufzeigen. Das Spektrum reicht von den alternativen Energiequellen wie Wind, Solarstrom und Biomasse bis hin zu neuen Contracting-Modellen und Dienstleistungen. Das Thema Energie ist auch deshalb von existentiellem Interesse, weil es sich immer im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie bewegt. Viele aktuelle Lösungen zeigen, dass sich die häufig beschriebenen Gegensätze durchaus auflösen und sich nutzbringende Effekte "für beide Seiten der Medaille" generieren lassen.

Das vollständige Programm des 4. Internationalen Energiekongresses steht im Internet unterwww.energysummit.de zur Verfügung.



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tepee schrieb: Es gibt ja einige wenige Fälle, bei denen der RGK nicht ganz...
ddjst schrieb: Die Bundesregierung beabsichtigt die Förderung von kleinen PV...
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