Öffentliches Übernahmeangebot an verbliebene Aktionäre zu 29,15 Euro je Aktie. Wenn im Januar das Handelsblatt von davon sprach, dass Bosch mit der Bilfinger Berger AG um Buderus pokert, darf man jetzt wohl sagen: der Royal Flush liegt auf dem Tisch. Doch nun die Fakten:
Die Robert Bosch GmbH, Stuttgart, wird 30,02 Prozent der stimmberechtigten Aktien der Buderus AG, Wetzlar, von der Bilfinger Berger AG, Mannheim, erwerben. Das sieht ein Vertrag vor, der am 6. April 2003 zwischen den Unternehmen unterschrieben wurde. Die Transaktion zum Preis von 29,15 Euro je Aktie (insgesamt rund 551 Mio. €) steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats der Bilfinger Berger AG sowie der Genehmigung der Kartellbehörden, insbesondere der Kommission der Europäischen Union. Zusammen mit der bisher schon gehaltenen Beteiligung an der Buderus AG von 17 Prozent wird sich der Bosch-Anteil auf rund 47 Prozent erhöhen.
Zeitgleich hat sich die Robert Bosch GmbH entschlossen, den übrigen Aktionären der Buderus AG ein
öffentliches Übernahmeangebot von 29,15 Euro je Aktie zu machen. Darüber hinaus erhalten alle Buderus-Aktionäre die Dividende für das Geschäftsjahr 2002, die von der Buderus-Hauptversammlung am 11. Juni 2003 noch zu beschließen ist. Die näheren Bedingungen des Übernahmeangebots werden in der Angebotsunterlage voraussichtlich Anfang Mai 2003 bekannt gegeben.
Eine
wirtschaftliche Analyse der Buderus AG kommt zu der folgenden Einschätzung:
- überdurchschnittliche Gewinnmargen bei steigender Internationalisierung
- Marktführerschaft in Deutschland im Bereich der Heizkessel
- starker Markenname mit eigener Vertriebsschiene
- insbesondere in Deutschland derzeit sehr schwache Bautätigkeit und somit geringe Nachfrage nach Heizungsprodukten
- schwache gesamtwirtschaftliche Lage wirkt sich auf alle Geschäftsbereiche aus
- Kurspotential scheint mit dem Übernhmeangebot vorerst ausgeschöpft
In der europäischen Heizungsbranche findet derzeit bei geringem Marktwachstum ein Konzentrations- und Konsolidierungsprozess statt. Eine Kombination der sich strategisch gut ergänzenden Heizungstechnik-Aktivitäten von Bosch und Buderus ermöglicht vor diesem Hintergrund eine verbesserte Marktpräsenz.
Die vorhandenen Produktportfolios von Bosch und Buderus im Bereich Heizungs- und Warmwassertechnik ergänzen sich auf wesentlichen Gebieten. Bosch ist besonders in den Bereichen wandhängende Gasheizkessel und Gas-Warmwasserbereiter tätig. Buderus hingegen hat besondere Stärken bei bodenstehenden Heizkesseln zur Gas- bzw. Ölverbrennung und ist darüber hinaus in sich ergänzenden Arbeitsgebieten der Heiztechnik und Warmwasserbereitung vertreten. Auch die Aktivitäten von Buderus im Bereich Solaranlagen fügen sich gut in die vorhandenen Geschäftsfelder von Bosch ein.
Neben den Produktportfolios ergänzen sich auch die Vertriebswege von Bosch und Buderus gut. In Deutschland erhält Bosch bei einer Übernahme von Buderus neben dem vorhandenen Vertrieb über unabhängige Großhändler den Zugang zu dem eigenen Großhandelsvertrieb von Buderus, was insgesamt eine noch bessere Marktbearbeitung ermöglicht. Eine Änderung der Politik hinsichtlich der Vertriebswege der beiden Hauptmarken Buderus und Junkers in Deutschland ist nicht vorgesehen.
Erhebliche zusätzliche Marktchancen ergeben sich auch im europäischen Vertrieb. Außerhalb Europas, etwa in Asien, Südamerika und Nordamerika, werden die deutschen, holländischen und britischen Werke der Buderus AG raschen Zugang zum bestehenden Bosch-Vertriebsnetz erhalten und sich so zusätzliche Produktionsvolumina erschließen.
Nach der Übernahme der Aktienmehrheit beabsichtigt Bosch, alle drei Geschäftsbereiche der Buderus AG – Heiztechnik, Guss und Edelstahl – fortzuführen. Bosch ist auch in Zukunft an einer Zusammenarbeit mit dem jetzigen Buderus-Vorstand und der Geschäftsführung der einzelnen Sparten interessiert.
Das Vorhaben folgt der erklärten Strategie der Robert Bosch GmbH, die Gewichte der drei Unternehmensbereiche Kraftfahrzeugtechnik, Industrietechnik sowie Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik in der Bosch-Gruppe besser auszubalancieren.
Der zum Unternehmensbereich Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik gehörende Geschäftsbereich Bosch-Thermotechnik beschäftigte im Jahr 2002 in sechs Ländern mit insgesamt acht Werken 6.100 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 910 Millionen Euro. Davon entfielen 80 Prozent auf Umsätze außerhalb Deutschlands. Für Forschung und Entwicklung wurden 2002 mit 31 Millionen Euro rund 3,5 Prozent vom Umsatz aufgewandt.
Den Großteil des Umsatzes – rund 95 Prozent – hat der Geschäftsbereich Thermotechnik im vergangenen Jahr in Europa erzielt. Mit einem Anteil von 23 Prozent am Gesamtumsatz hat Großbritannien im Jahr 2002 Deutschland (20 Prozent) als den bislang größten nationalen Markt abgelöst, gefolgt von Frankreich (16 Prozent) und Spanien (acht Prozent). Wachstumspotenziale bestehen in Europa vor allem in Großbritannien, dem mittlerweile größten europäischen Thermotechnik-Markt, sowie in Frankreich, Italien und Spanien. Den deutschen Markt sieht Bosch nach schwierigen Jahren langfristig auf dem Weg der Besserung. Auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas steigt die Nachfrage nach thermotechnischen Erzeugnissen, so dass Bosch dort seinen Umsatz überproportional steigern konnte. Zudem sieht der Bereich in Fernost und Übersee gute Chancen.
Buderus hat im Geschäftsjahr 2002 einen Umsatz von 1.860 Millionen Euro bei einer stabilen Exportquote von 38 Prozent erwirtschaftet. Der Umsatzanteil der Heiztechnik betrug rund 65 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter lag zum Ende des Geschäftsjahres bei rund 9.600.
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