Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) plant anscheinend eine grundlegende Reform der Handwerksordnung. So sollen rund die Hälfte der derzeit 94 gelisteten Berufsbilder gestrichen werden. hiervon wären rund 270.000 Arbeitnehmer, etwa 40 Prozent der im Handwerk Beschäftigten, betroffen. Die ausgegliederten Berufe sollten künftig in die Liste der handwerksnahen Tätigkeiten aufgenommen werden, für die zur Selbstständigkeit kein Meistertitel notwendig ist. Damit könnten mehr Gesellen als bisher eigene Unternehmen gründen.Nach den Vorstellungen des Ministers sollen sich Gesellen künftig nach zehn Jahren Berufstätigkeit auch ohne Meisterbrief selbstständig machen dürfen. Nur noch "gefahrgeneigte" Gewerke wie Gas- und Elektroinstallateur sollen zwingend einen Meister als Chef haben müssen.
Als Begründung für die Pläne wird die Öffnung des Arbeitsmarktes im zuge der Europäischen Einigung angeführt. Es kämen zunehmend Handwerksunternehmen aus ganz Europa ins Land, die nicht den strengen Anforderungen des deutschen Handwerksrechts unterworfen seien und nach sechs Jahren ihren Betrieb aufbauen könnten.
Gegen die Berliner Pläne regt sich Widerstand vom Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Grundsätzlich möchte man den Meisterbrief als Topqualifikation im Handwerk beibehalten. Auf das Inhaberprinzip wolle man verzichten, so dass jeder einen Handwerksbetrieb als Personengesellschaft führen könne, wenn er einen Meister einstelle. Sollten Gesellen nach zehn Jahren einen Handwerksbetrieb führen dürfen, würde dies nur dazu führen, dass kaum ein Geselle noch einen Meisterkurs belege.
Weiter wurde vorgeschlagen, dass Absolventen einer vergleichbaren Ausbildung - etwa Techniker und Industriemeister - einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterprüfung führen dürfen.
Der Meisterbrief sei indes Voraussetzung für die hohe Ausbildungsquote, die für den Standort Deutschland wichtig sei, wurde seitens des Zentralverbandes betont. Im übrigen gebe es 140.000 Meister, die sich noch nicht selbstständig gemacht hätten.
Nicht der Meisterbrief halte von Existenzgründungen ab, sondern die schlechte wirtschaftliche Lage, die Bürokratie und die Abgaben- und Steuerlast.