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Der multifunktionale Balkon
Der Balkon ist mehr als ein luftiges Zimmer für die Erholung. Wer genug Platz und die richtige Lage besitzt, kann ihn als Kraftwerk nutzen. Auch für die Eigenversorgung mit Lebensmitteln ist er geeignet.
Ein Hochbeet ermöglicht den Anbau fast jedes Gemüse. Im Idealfall ist der Balkon ein entscheidendes Element für ein nachhaltiges Leben.
Die meisten Reserven bestehen jedoch am Objekt selbst. Besonders an Altbauten gilt das Vorbau als Problemzone für die Energieeffizienz. Besonders in Altbauten bildet er häufig eine Wärmebrücke, über welche die in der Wohnung erzeugte Energie nach außen geleitet wird.
Bedauerlicherweise wird der Balkon bei energetischen Sanierungen zu wenig berücksichtigt. Häufig wird dadurch ein erhebliches Einsparpotenzial nicht genutzt.
Auskragungen können für Wärmeverlust verantwortlich sein
In Altbauten sind Balkone häufig die Verlängerung der Geschossdecke. Sie bildet eine Wärmebrücke, über welche die Heizenergie aus dem Raum verloren geht.
Experten gehen von einem Transmissionsverlust von etwa 20 Prozent aus. Zur Erzeugung von Raumwärme sind laut Statistischem Bundesamt gut 70 Prozent des Gesamtenergiebedarfs eines Haushalts nötig.
Weitreichende Folgen
Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, diese Wärmebrücken bei der Sanierung zu beseitigen. Besonders kritisch ist das Problem bei Stahlträgern, welche die schädliche Wirkung verfünffachen können, wie das Bundesbaublatt anmerkt.
Die Folgen bleiben nicht auf das Zimmer direkt am Balkon beschränkt. Die kalte Geschossdecke gibt die niedrige Temperatur auch an andere Wände und Decken weiter.
Der Wärmeverlust bleibt also nicht auf einen Raum beschränkt. In der Heizperiode kann sich aufgrund dieses ungünstigen Innenklimas sogar Schimmel entwickeln.
Wege der Sanierung
Der Balkon muss also unbedingt in die Dämmung integriert werden. Eine fachgerechte Innendämmung kann manchmal Abhilfe schaffen. Es gibt zwei weitere Herangehensweisen.
Die erste Variante ist die Dämmung der Balkonplatte von oben und unten. Sie wird also eingepackt. Der Nachteil ist, dass auf diese Art keine Entkopplung von der Zimmerplatte erreicht wird.
Dies wird mit dem Vorständern erreicht, bei dem die Balkonplatte abgeschnitten und mit zwei oder vier Stützen versehen wird. Bei der Vierer-Variante entsteht ein statisch und energetisch eigenständiges Objekt.
Weitere energetische Maßnahmen am Balkon
Ein hoher Wärmeverlust entsteht durch undichte Balkontüren. Sie sind großflächig und sollten im Rahmen einer Fenstersanierung nicht vergessen werden. Sinnvoll sind eine Wärmeschutzverglasung und in unteren Etagen ein moderner Einbruchschutz.
Zudem muss der Abfluss von Regenwasser gewährleistet sein. Pfützen sollten auf der Platte nicht stehen. Regenwasser zerstört mit der Zeit die Bausubstanz.
Hilfreich ist hier die wasserdichte Versiegelung der Bodenplatte. Ein dadurch erhöhtes Niveau des Bodens erfordert eventuell die Erneuerung des Balkongeländers.
Vor der Sanierung des Balkons, ist es ratsam, die Kosten mit denen eines Neubaus zu vergleichen. Zudem sorgt eine nachträgliche Dämmung zu einer verringerten Nutzungsfläche. Dies wäre möglicherweise eine schlechte Wahl, wenn der Balkon auch noch andere Funktionen übernehmen soll.
Der Balkon als Stromquelle
Die energetische Sanierung kann viel Energie sparen, es gibt jedoch noch mehr Potenzial. Der Vorbau kann als kleines Kraftwerk genutzt werden. Die Effekte einer Solaranlage auf dem Dach lassen sich zwar nicht erzielen, aber ein Teil des Stroms lässt sich auf diese Art kostenlos erzeugen.
Bei einem sogenannten Balkonkraftwerk handelt es sich um kleine Fotovoltaikanlagen. Sie können einfach auf dem Balkon oder auf einer Terrasse installiert werden. Der Anschluss erfolgt über die Steckdose.
Alte Stromzähler müssen getauscht werden
Eine Hürde könnte der Stromzähler sein. Alte Geräte mit mechanischer Drehscheibe laufen rückwärts, wenn die Solaranlage mehr Strom einspeist als vom Haushalt verbraucht wird.
Dies ist nicht zulässig, weshalb eine Konsultation mit einem Elektriker empfehlenswert ist. Der Zähler muss über eine Rücklaufsperre verfügen. Alternativ kommt ein Zweirichtungszähler infrage, der jedoch teuer ist.
Ist noch ein alter Stromzähler eingebaut, muss dieser gegen einen neuen getauscht werden. Der Wechsel auf einen digitalen Stromzähler erfolgt durch den örtlichen Netzbetreiber kostenlos.
Steckdose und Absicherung müssen vorhanden sein
Ohne Steckdose auf dem Balkon ist der Betrieb eines Balkonkraftwerkes nicht möglich. Für den nachträglichen Einbau ist eine Einspeisesteckdose vorgeschrieben, die Stromschläge und Phasendreher verhindert.
Wichtig ist eine ausreichende Absicherung. Um sicherzugehen, ist die Konsultation einer Elektrofachkraft ratsam. Sie findet schnell heraus, ob das Stromnetz in der Wohnung für den Anschluss eines Balkonkraftwerkes ausreichend dimensioniert und gesichert ist.
Abstimmung mit Vermieter sinnvoll
Generell ist es Mietern erlaubt, ein Balkonkraftwerk zu installieren. Wenn das äußere Erscheinungsbild nicht maßgeblich gestört wird, gibt es für Hausbesitzer wenig Interventionsmöglichkeiten. Zu diesem Urteil kam 2021 das Amtsgericht Stuttgart.
Eine klare rechtliche Regelung fehlt jedoch, sodass am Ende der Einzelfall entscheidend ist. Deshalb ist es sinnvoll, den Vermieter über das Vorhaben zu informieren.
Balkonkraftwerke sind nur sinnvoll, wenn eine möglichst lange Sonneneinstrahlung möglich ist. Ideal sind südliche Lagen. Zeigt die Plattform nach Norden, ist die Investition nicht ratsam.
Der Balkon als Vitaminspender
Wer genug Platz hat, kann den Außenposten seiner Wohnung nicht nur als Energiespender nutzen. Er kann auch als Ersatz für eine Gartenparzelle dienen.
Die Eigenversorgung gewinnt gerade in Zeiten steigender Lebensmittelpreise an Interesse. Hinzu kommt, dass selbst angebautes Gemüse nicht durch Schadstoffe belastet ist.
Für den Anbau eignen sich Hochbeete. Sie vergrößern im Vergleich zu Balkonkästen die Anbaufläche und verhindern eine starke Beanspruchung des Rückens.
Im Handel gibt es zahlreiche Varianten aus Kunststoff, Holz oder Metall. Neben der Größe ist auf das Gewicht des Hochbeets zu achten. Neben klassischen Hochbeeten gibt es Tischbeete, die sich für den Anbau von Kräutern eignen.
Den richtigen Standort wählen
Das Hochbeet benötigt Sonne, aber viele Pflanzen mögen die pralle Mittagsstrahlung nicht. Wichtig ist, dass die Balkonbrüstung keinen dauerhaften Schatten wirft.
Interessant sind Hochbeete mit Rollen, die bei Bedarf leicht an den gewünschten Ort geschoben werden können. So kann das Hochbeet schnell vor einem aufkommenden Regen oder Wind geschützt werden.
Die passende Bepflanzung richtet sich nach dem Standort des Balkons. Für Gemüse oder Kräuter ist eine südliche Ausrichtung von Vorteil.
Fazit
Der Balkon ist ein wichtiges Element bei der energetischen Sanierung. Ist diese Maßnahme erledigt, ist der Vorbau viel mehr als ein Ort der Entspannung. Auf ihm können Strom und ein Teil der Versorgung mit Gemüse erzeugt werden. So wird der Balkon Bestandteil eines nachhaltigen Lebens.