Der überwiegende Teil von privaten oder gewerblich genutzten Gebäuden verfügt über eine eigene Heizquelle, also einen Heizkessel für Gas, Öl oder Festbrennstoffe. Anders verhält es sich bei einem Fernwärmesystem: Hier wird die benötigte Wärme durch eine externe Quelle, dem Heizkraftwerk, erzeugt und direkt an die Haushalte und gewerblichen Abnehmer geliefert.
Bild: pixabay.com / ri Heißdampf oder erhitztes Wasser fungieren hier als Speichermedium für die thermische Energie, welche über ein wärmegedämmtes Verteilersystem zu den einzelnen Verbrauchern gelangt. Die Wärmegewinnung im Heizwerk erfolgt mit den üblichen Energieträgern, also Gas oder Kohle, teilweise auch über Biomasse oder Wärmepumpen. Ein reines Heizwerk erzeugt ausschließlich Wärme zu Heizzwecken, während ein Heizkraftwerk primär Strom gewinnt und als Nebenprodukt Wärme liefert. Diese thermische Energie steht regional zur Nutzung bereit. Ist Fernwärme eine zukunftsorientierte und günstige Lösung für private sowie gewerbliche Anwender?
Vor- und Nachteile von Fernwärme
Eines sei vorweggesagt: Die Anbindung an ein Heizwerk ist nur realisierbar innerhalb eines Radius von zwanzig Kilometern um den Erzeuger, da bei größeren Distanzen ein Wärmeverlust eintreten würde. Fernwärme ist in ländlichen Regionen selten, in Städten oder industriell erschlossenen Gebieten jedoch eine ideale Alternative zu einer eigenen Heizungsanlage – besonders im Hinblick auf die verschärften umwelttechnischen Vorschriften beim Einbau neuer Heizungen.
Wer gern von Fernwärme profitieren möchte, sollte sich also im Vorfeld über die Möglichkeiten eines Anschlusses informieren. Ist diese Voraussetzung gegeben, kann eine Beantragung beim lokalen Betreiber der Anlage gestellt werden. Besonders attraktiv wird die Installation einer Fernwärmeanbindung bei einer umweltfreundlichen Energiegewinnung durch den Betreiber, wie bei der Kraft-Wärme-Kopplung mit verschiedenen Brennstoffen. Hier kann über die KfW-Bank eine Förderung beantragt werden. Somit lassen sich die Anschlusskosten, die etwa 6000 € oder mehr betragen können, reduzieren.
Blick nach vorn: Umweltgerechtes Heizen ist eine Herausforderung
Beim Vergleich zu einer individuellen Gas- oder Ölheizung liegen die reinen Verbrauchspreise bei einer Nutzung von Fernwärme zwar durchschnittlich etwas höher, dementgegen entfallen die Wartungskosten für den Kessel und alle Aufwendungen für den Schornsteinfeger. Zudem sind umwelttechnische Vorschriften zweitrangig, da der Heizkraftwerkbetreiber allein in der Pflicht ist, wenn es um umweltfreundliche Energieerzeugung geht.
Durch günstige Tarife für Fernwärme bei stabiler Lieferung und relativ konstantem Preisniveau gilt diese Art zu heizen als zukunftssicher und komfortabel. Neben der thermischen Wärmegewinnung aus fossilen Brennstoffen werden in Zukunft nichtfossile Energieträger wie durch Nutzung der Geothermie oder Wärmepumpen an Bedeutung gewinnen. Heizkraftwerke haben viele Optionen, die Produktion der Wärme zu optimieren, für manche private Haushalte ist die Energiewende dagegen ein finanzieller Kraftakt. Wer sich für einen Fernwärmeanschluss entscheidet, wird sich in Zukunft keine Gedanken mehr machen müssen, ob seine Heizung den Anforderungen des Klimaschutzes entspricht – der Kraftwerksbetreiber ist hier die verantwortliche Institution und hat die entsprechenden Vorschriften zu erfüllen.
Man muss sich also bei Fernwärmebezug nicht mehr sorgen wegen einer veralteten Öl- oder Gasheizung, welche in naher Zukunft nicht mehr im Handel verfügbar, geschweige denn förderbar wäre. Ein weiterer Vorteil ist: Der Platz für Heizkessel, Öltank oder Festbrennstofflagerung entfällt und damit auch die Nachweispflicht einer ordnungsgemäßen Lagerung wie bei einem Gastank oder Holzpellet-Lager.
Wie setzt sich der Preis für die Nutzung der Fernwärme zusammen?
Wer sich mit thermischer Energie aus einem externen Heizwerk zur Heizung und Warmwasseraufbereitung versorgen lassen möchte, sollte zunächst seinen Bedarf an Wärme pro Jahr errechnen. Für ein mittelgroßes Einfamilienhaus mit ausreichender Wärmedämmung der Wände, Türen und des Dachbodens sollten 20.000 Kilowattstunden pro Heizsaison genügen. Jener Wert ist ausschlaggebend für die Höhe der monatlichen Heizkosten.
Der Verbrauchspreis ist je nach Anbieter und Gegend unterschiedlich, analog zu den derzeitigen Öl- und Gaspreisen, welche stetig ansteigen. Positiv ist jedoch, dass die Kosten für Fernwärme nicht so starken Schwankungen unterliegen, dennoch rangieren die Kosten für den Bezug von Fernwärme leicht über denen von Gas oder Öl. Diese Differenz gleicht sich jedoch durch den hohen Komfort und den Wegfall der Anschaffung eines eigenen, kostenintensiven Heizkessels wieder aus.
Zum Verbrauchspreis kommt die Grundgebühr, ähnlich der des Strom- oder Gasanschlusses. Diese ist regional unterschiedlich und liegt bei 400 bis 500 € pro Jahr. Alle Heizungsanlagen unterliegen weiterhin einer jährlichen Wartung und Prüfung, dafür wird meist eine Pauschale erhoben, die im Bereich von 150 bis 250 € liegt. Kleinere Reparaturen sind hier bereits inbegriffen.
Sicherheit für den Verbraucher
Etwa 14 Prozent der deutschen Haushalte beziehen ihre Heizenergie über Fernwärme, es gibt mehr als 1200 Netzgebiete, welche pro Jahr über 38 TWh Wärmeenergie liefern. Dabei kommt es den Netzbetreibern auf Wachstum an, was bedeutet, dass hoher Wert auf Zuverlässigkeit in allen Bereichen gewährleistet wird. Ausfälle sind demnach selten – ähnlich wie bei der Gas- oder Stromversorgung jedoch nicht zu 100 Prozent auszuschließen. Dennoch ist die Versorgung mit Fernwärme sehr sicher. Vorteilhaft für den Verbraucher ist zudem, wenn in seinem Einzugsgebiet nicht nur ein, sondern mehrere Anbieter von Fernwärme zur Auswahl stehen: Der Konkurrenzdruck wirkt sich auf den Endpreis und den Service zum Vorteil der Kunden aus.
Was bedeutet Abnahmeverpflichtung in bestimmten Regionen?
Um die Effizienz der ausgestoßenen Wärmeleistung zu erhöhen, kann es durch behördliche Auflagen zu einer Einschränkung des Wahlrechtes der Heizart für ein privates oder gewerblich genutztes Gebäude in bestimmten Gegenden kommen. Der Hintergrund ist, dass die abgegebene Wärmemenge konstant zur Verfügung steht und bei Nichtnutzung verloren geht. Im Sinne der Umwelt und des Allgemeinwohls wird in solchen Regionen im Radius eines Heizkraftwerks deshalb – unter Umständen – die Anbindung an ein Fernwärmenetz zur Pflicht erklärt.
Wer jedoch beim Kauf oder Neubau einer Immobilie im Einzugsbereich des Fernwärmenetzes diesen Anschluss erhält, kann sich glücklich schätzen, denn die genannten Vorteile von Fernwärme werden ihm so zugutekommen. Dass der Anschluss Pflicht ist, ändert nichts an den Vorzügen.
Ist eine Kombination Fernwärme mit Wärmepumpe oder Solar erlaubt?
Die Kosten für eine Kilowattstunde Fernwärme betragen im aktuellen Jahr um die zehn Cent. Hochgerechnet auf ein Jahr mit einem Verbrauch von 20.000 kWh ergeben sich somit 2000 € zuzüglich Grundgebühr und Wartungskosten.
Die Anschaffung einer zusätzlichen Wärmepumpe oder einer Solaranlage kann diese Kosten senken helfen, allerdings muss auch hier der Anschaffungspreis hinzuaddiert werden. Ein Wärmetauscher drosselt die Menge der benötigten Fernwärme dabei. Ob diese Ergänzung in den häuslichen Fernwärmeanschluss integriert werden kann, hängt von der Entscheidung des Anbieters ab und sollte nur nach Absprache oder einem genehmigten Antrag erfolgen.