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News vom 07.08.2024

Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit beim Hausbau: Zwischen sicherer Lage und haltbaren Materialien

Je länger der Zeitfaktor, desto besser können selbst wenig nachhaltige Materialien ihren Fußabdruck amortisieren. Doch worauf kommt es bei einem Haus an, das für Jahrhunderte gut sein soll?

Bild: stock.adobe.com © ArTo

Deutschlands Wohngebäudebestand ist in der Breite recht alt. Ein ganzes Viertel der Bauten wurde vor Gründung der Bundesrepublik (1949) errichtet. Mehr als die Hälfte dieser Gebäude geht sogar auf den Zeitraum vor 1919 zurück, also eine Epoche, in der Deutschland noch Kaiser und Könige hatte und aus zahlreichen Herrschaftsgebieten bestand. Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2021 entstanden gerade einmal 15 Prozent des heutigen Bestandes.

Das ist nicht zuletzt insofern bemerkenswert, weil Deutschlands Gebäudebestand im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) erhebliche Verheerungen erfuhr. Bei Kriegsende waren von einstmals 18,8 Millionen Wohnungen 4,8 Millionen zerstört – etwa 25,5 Prozent. Ohne den Krieg sähe die heutige Altersverteilung also wohl noch einmal anders aus.

Zumal wir beim heutigen Bestand nicht nur von Gründerzeitbauten mit Errichtungszeiträumen zwischen 1870 und 1914 sprechen. Ebenso existieren ganze Straßenzüge und Stadtviertel mit Häusern, die sich in direkter Linie ins 18., 17. oder sogar noch frühere Jahrhunderte zurückverfolgen lassen. Natürlich, viele dieser Bauten existieren heute nur deshalb, weil zwischenzeitlich viele Erhaltungsmaßnahmen betrieben wurden.

Dennoch gilt: Damit sich solche Arbeiten überhaupt lohnen, muss die Gebäudesubstanz grundsätzlich für dermaßen lange Zeiträume gut sein. Insbesondere deshalb, weil man heutzutage im Geschosswohnungsbau die Lebensdauer mit lediglich 100 Jahren veranschlagt, stellt sich die Frage, was nötig ist, um ein Gebäude zu gestalten, das für sehr viel längere Zeiträume gut ist.

Langlebigkeit gleich Nachhaltigkeit: Eine Philosophie und ihre Möglichkeiten

Jeder Profi am Bau kennt eine simple wirtschaftsmathematische Tatsache: Alles, wofür Geld investiert wird, muss sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg amortisieren. Es muss also die Kosten wieder einspielen. Erst, wenn das getan ist, kann das Investment echte Gewinne abwerfen. Je länger die Nutzungsdauer einer Anschaffung, desto besser können sich selbst große Investitionen amortisieren – und desto größer bzw. langandauernder können die erzielten Gewinne sein.

Im Hausbau gelten 1:1 die gleichen Regeln und Mechanismen. Nein, nicht (nur) auf Geld bezogen, sondern den Fußabdruck: Jedes einzelne Gebäude hat, sobald es fertiggestellt wird, einen „Rucksack“ voller Belastungen. Namentlich:

  • Graue Energie: Das ist die Gesamtmenge an Energie, die für alle bisherigen Schritte inklusive Abbau, Produktion und Transport der Baumaterialien und technischen Haussysteme benötigt wurde.
  • Graue Emissionen: Das sind nach ähnlichem Mechanismus die Schadstoff-, Lärm- und sonstigen Emissionen, die bis zur Fertigstellung anfielen.

Insofern steht bereits eines fest: Ein einfach gehaltenes Gebäude hat einen geringeren Fußabdruck als ein solches, das technisch aufwendiger ist. Allerdings ist es nicht damit getan, das Standing bis zum Erstbezug zu betrachten. Hier muss eine Beobachtung des gesamten Lebenszeitraumes und sogar des Aufwandes für einen Rückbau erfolgen.

Unter dieser Prämisse ist heute schon bekannt, dass ein altes Haus – in der Gesamtbetrachtung – eine bessere Bilanz aufweisen kann als ein modernes Energiesparhaus. Einfach, weil der Altbau trotz eines energetisch schlechteren Standings mehr Zeit hatte, seinen Fußabdruck „abzuarbeiten“. Beispiel Metall: Zu seiner Herstellung und Bearbeitung sind enorme Energiemengen bzw. Temperaturen nötig. Bei Stahl kommt zudem bei den derzeitigen Methoden noch ein großer CO2-Ausstoß hinzu. Dennoch können diese Materialien sehr positive Fußabdrücke haben. Denn sie sind überaus beständig und lassen sich an ihrem Lebensende durch Hitze wieder „sortenrein“ in die Bestandteile aufschmelzen – ohne nennenswerte Materialverluste.

Hier kommen nun neuzeitliche Bautechniken ins Spiel. Fraglos sorgen die hierzulande recht strengen Mindestvorgaben für eine gute Energetik. Ebenso erzeugen sie jedoch einen recht großen Fußabdruck, der durch jene Energetik wiederum abgearbeitet werden muss. Daher gilt: Je länger ein Haus ohne tiefgreifendere Änderungen genutzt werden kann, desto insgesamt nachhaltiger ist es. Durch sein langes Leben kann es mehreren Bewohnergenerationen dienen, es sind weniger Neubauten nötig – inklusive deren graue Energien und -Emissionen. Insofern ist es aus Nachhaltigkeitssicht enorm erstrebenswert, ein Haus zu errichten, das nicht nur sprichwörtlich die Jahrhunderte überdauern kann. Das allerdings erfordert Einsatz an unterschiedlichsten Punkten.

Langlebigkeit beginnt lange vor dem ersten Spatenstich

Zugegeben, wer heute durch die mittelalterlichen Altstädte von beispielsweise Bamberg, Rothenburg ob der Tauber oder Quedlinburg schlendert, der sieht dort in der Hauptsache das Ergebnis von glücklicher Fügung und viel Erhaltungs- und Sanierungsarbeit in späteren Jahrhunderten. Wahrscheinlich dürfte kaum einer der damaligen Bauherren explizit darauf hingearbeitet haben, dass ein Werk noch im Jahr 2024 steht, bewohnt und bewundert wird.

Im Gegenteil, schaut man sich viele alte Bauweisen an, dann fällt rasch auf, wie häufig diese eher wenig für ein langes Leben ausgelegt waren. Etwa, weil tragende Teile der Witterung schutzlos preisgegeben waren. Heute indes ist man erheblich weiter. Bauen ist eine in jeglicher Hinsicht erforschte technisch-wissenschaftliche Disziplin, die sich zudem auf nicht minder fortgeschrittene Kenntnisse in anderen Bereichen stützen kann. Nötig ist das definitiv, denn um ein Haus zu errichten, das mit Sicherheit noch von vielen Folgegenerationen akzeptiert und genutzt wird, muss die ganze Planung an diesem Fokuspunkt ausgerichtet werden.

Bild: stock.adobe.com © Dwi

Der Standort aus klimatischen und weiteren Blickwinkeln

Damit ein Haus Jahrhunderte überdauern kann, muss sein Standort über den gesamten Zeitraum hinweg nutzbar bzw. attraktiv bleiben. Letzteres lässt sich kaum mit guter Sicherheit voraussagen – wer weiß schon, wie beispielsweise in 150 Jahren die Arbeitssituation an einem bestimmten Ort aussieht?

Der Fokus muss sich daher zwangsläufig darauf beschränken, besser einschätzbare Standortfaktoren zu betrachten:

  • Die Gefahr für Hochwässer: Hierfür existieren deutschlandweite und von den Bundesländern herausgegebene Kartensätze. Einfach gesprochen sollte der Standort selbst vor „Jahrtausendhochwässern“ geschützt sein – und seinen Schutz nicht nur auf Deiche stützen.
  • Bergstürze, Erdbeben und Senkungen: Hiermit sind insbesondere ehemalige Bergbauregionen gemeint. Dazu alles, was sich in Deutschlands erdbebengefährdeten Regionen befindet.
  • Rohstoffe: Abermals schwierig zu recherchieren, weil nicht bekannt ist, welche Bodenschätze in Zukunft welche Bedeutung haben. Doch zeigt allein der Braunkohletagebau, wie gefährlich diese für ein langes Gebäudeleben sein können.
  • Klimawandel: Zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts gibt es brauchbare Einschätzungen, wie sich Deutschlands Klima verändern wird. Zu meiden wären dann insbesondere Gebiete mit besonderen Gefahren für Hitze und Dürre.

Wollte man es ganz umfassend machen, gäbe es zudem wohl noch die Option, einen Standort aus militärstrategischer Sicht zu betrachten. Allerdings ist das a) im Höchstmaß komplex und b) vor allem für die mittel- und langfristige Zukunft sehr spekulativ, weil man weder künftige Politik noch Kriegführung voraussagen kann.

Bewährte architektonische Standards anstelle kurzlebiger Trends

Ein Haus, das 2017 gebaut wurde, unterscheidet sich sichtlich von einem Bau aus 1964. Dieser wiederum weist verschiedene Diskrepanzen zu einem Gebäude von 1889 auf. Tatsache ist: Jede Baualtersstufe zeichnet sich durch verschiedene Eigen- und Besonderheiten aus. Dinge, die ein Haus zum Errichtungszeitraum modern oder zeitgenössisch machen, die jedoch nach einigen Jahrzehnten ebenso das „gesetzte Alter“ widerspiegeln.

Schauen wir uns dagegen ein Fachwerkhaus an. Wohl könnte die Art des Fachwerks Rückschlüsse auf die regionale Herkunft geben. Doch ob das Gebäude von 1809 oder 1584 stammt, würden wohl höchstens Details verraten. Das soll kein Plädoyer dafür sein, für maximale Zukunftssicherheit nur im Fachwerkstil zu bauen. Wohl aber eines dafür, sich bei Raumzuschnitten, Raumfunktionen, Formensprache und ähnlichen Punkten sehr zurückhaltend bis nüchtern zu geben.

Keine so niedrigen Decken wie bei einem frühneuzeitlichen Dorfhaus. Keine so zwergenhafte Küche, wie sie über weite Teile der 1950er bis 1970er verbaut wurde. Kein Mini-Wohnzimmer, weil die Küche den Haupt-Lebensraum darstellt. Sprich, ein Haus, das durch eine möglichst zeitlose Architektur in keiner noch kommenden Epoche irgendwie altbacken oder aus der Zeit gefallen wirkt.

Das bedingt ebenso die Notwendigkeit, durch die Gestaltung der tragenden Elemente möglichst viel Varianz zu ermöglichen. In dem Fall wäre also problemlos ein nachträgliches Einziehen oder Entfernen von Wänden möglich. Das leitet über zu einem engverwandten Themengebiet:

Weder zu klein noch zu groß: Das Thema Fläche

Der pro Kopf zur Verfügung stehende Wohnraum hat sich über die Jahrhunderte enorm vergrößert – besonders bei Häusern, die nicht für eine wohlhabende Schicht gebaut wurden. Allein seit der Wende vollzog sich ein spürbares Größenwachstum:

  • 1991: 34,9 m² & 1,8 Wohnräume
  • 2021: 47,7 m² & 2,3 Wohnräume

So schön das für den Einzelnen sein mag, so sehr sieht man aktuell die Probleme: Aufgrund des Geburtenrückgangs existieren zigtausende Wohngebäude, die für ihre Bewohner erheblich zu viel Fläche und Räume haben und dadurch nicht zuletzt unbotmäßig teuer sind.

Nun lässt sich kaum vorhersagen, wie sich Geburten und andere Daten der Bevölkerungsstruktur über die allernächsten Jahrzehnte hinaus entwickeln werden. Ebenso wenig, wie es mit den Wohnkosten weitergeht. Just deshalb sollte man ein langlebiges Haus jedoch auf Nummer sicher planen. Bedeutet, die Fläche und Raumanzahl sollte keinesfalls die heutigen Extreme ausloten. Die schon im vorherigen Kapitel genannte Möglichkeit geänderter Raumaufteilungen spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Insgesamt muss es jedoch dafür genügend Fläche geben – aber dennoch nicht so viel, dass das Haus zu groß wird. Was heute ein Einfamilienhaus ist, sollte sich auch in ferner Zukunft an diesem Standard orientieren. Übrigens gilt das ebenso für die Anzahl der Stockwerke: Eine rein einstöckige Bauweise war in unseren Breiten zwischen dem Mittelalter und den 1950ern eine ziemliche Seltenheit.

Bild: stock.adobe.com © Hermann

Zwischen Haustechnik und Dämmmaterial: Austauschbarkeit durch Modularität

Vieles, was in architektonischer Hinsicht in der Zukunft liegt, lässt sich nicht einmal annähernd mit Bestimmtheit vorhersagen. Es gibt jedoch einige wenige Ausnahmen:

1. Gebäude werden insgesamt noch technisierter werden, als sie es schon sind.

2. Es wird definitiv Weiter- und Neuentwicklungen in Sachen Energetik geben.

3. Die elektrische Ausstattung, Einspeisung und Erzeugung werden sich wandeln.

Zukunftsfähigkeit hängt deshalb zu einem erheblichen Teil davon ab, wie einfach ein Gebäude an diese neuen Gegebenheiten angepasst werden kann. Dazu gibt es heute schon Beispiele zuhauf.

So kann ein Haus, das über die Rohrleitungen für eine Zentralheizung verfügt, ungleich einfacher eine moderne Heizungsanlage erhalten als ein Gebäude, bei dem lediglich die Kabel für eine Elektroheizung verlegt wurden. Ebenso kann ein Dachstuhl, der von Anfang an für die Lasten überdimensioniert war, vollkommen problemlos selbst eine sehr üppige Solaranlage aufnehmen.

Solche Möglichkeiten sollten bei der Planung eine Leitlinie sein: Alles, was nicht zur Grundsubstanz des Hauses gehört, sollte möglichst modular bzw. aufrüstbar gestaltet werden. Demnach wäre beispielsweise eine einfach austauschbare Außenfassadendämmung besser als eine Einblasdämmung mit vorgehängter Fassade – oder Dämmmaterialien zwischen den Sparren eines Holzständerbaus.

Maximal modular wäre demnach wohl eine Aufputz ausgeführte Elektroinstallation. Das allerdings ist für viele sehr unattraktiv. Alternativ sollen jedoch entsprechend großzügige Leerrohre, bislang unbenutzte Verteilerdosen etc. verplant werden.

Lang lebe… das Haus: Geeignete Materialien und Verfahren

Bei heute noch stehenden Gebäuden früherer Jahrhunderte gibt es eine enorme Diskrepanz:

  • Manche davon stehen noch, weil sie aus extrem haltbaren Materialien bestehen; denken wir an Burgen oder Kirchen.
  • Andere hingegen stehen nur deshalb noch, weil trotz ihrer Unzulänglichkeiten viel Erhaltungsaufwand betrieben wurde.

Beides ist keinesfalls gleichwertig. Denn um ein beispielsweise schiefgerutschtes Fachwerkhaus zu erhalten, muss es schon seinen guten Grund geben – einer, der nur selten etwas mit wirtschaftlichen Erwägungen zu tun hat.

Keiner kann heute voraussagen, ob man sich noch in über hundert Jahren den „Luxus“ eines Denkmalschutzes leisten kann. Daher sollte ein Haus, das gezielt so errichtet wird, rein aufgrund wirtschaftlicher und praktischer Erwägungen bestehen bleiben können. Anders ausgedrückt: Eine robuste Bauweise ist deutlich zukunftssicherer als die Hoffnung, das Gebäude würde aufgrund seiner historischen Bedeutung von unseren Nachfahren als erhaltenswürdig eingestuft werden.

Bild: stock.adobe.com © AlexanderRamjing.com

Natursteine: Baumaterial für Jahrmillionen

Bei Baumaterialien gibt es zwei Gruppen: Solche, die erst durch aufwendige technische Prozesse entstanden und solche, die kaum mehr als eine Formgebung benötigten. Zu Ersterem gehört alles zwischen Backstein und energiesparendem Hohlblock auf Betonbasis. Doch selbst, wenn mache dieser Materialien bereits in der Antike genutzt wurden, so zeigen doch nicht zuletzt die ältesten noch erhaltenen Gebäude der Welt, wie sehr nur solche Baustoffe „Sicherheit“ bieten, die schon bei der Errichtung seit Jahrmillionen vorhanden waren.

Insofern wäre es wirklich das Beste, wenigstens die grundsätzliche Architektur eines extrem langlebigen Hauses aus Materialien wie Basalt, Granit, Kalk- oder Sandstein zu gestalten. Einfach, weil deren Langlebigkeit über jegliche Zweifel erhaben ist und man exakt weiß, wie sich die Steine unter welchen Bedingungen verhalten.

Metalle: Oxidation als Schwäche und Stärke

Jeder, der sich sehr alte Fachwerkhäuser ansieht, wird eines rasch feststellen – oft schon von außen: Insbesondere die waagerechten Fachwerkbalken haben sich mit der Zeit oftmals beträchtlich durchgebogen. Gründe dafür gibt es reichlich. Sie umfassen unzureichende Dimensionierung ebenso wie eine nicht genügende Trocknungsphase nach der Fällung.

Noch bis deutlich in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein, als kaum noch jemand Fachwerke baute, setzte man noch Fußböden bzw. Decken aus Holzbalken ein. Nun kann Holz, wenn es sorgfältig getrocknet, dimensioniert und vor Witterungseinflüssen geschützt wird, durchaus sehr lange überdauern. Allerdings ist es immer noch ein Naturmaterial, das unter anderem durch diverse Schädlinge und Pilze zerstört werden kann.

Insofern sind Metalle grundsätzlich eine bessere Wahl – pur, nicht etwa nur als Armierung in Beton. Moderner Beton hat trotz seiner Stabilität keine ausreichende Langzeit-Haltbarkeit. Im Hausbau bedeutet das einen Fokus auf Stahl und Aluminium. Allerdings muss beides unter dem Eindruck von Oxidation betrachtet werden – also die Reaktion mit (hauptsächlich) Luftsauerstoff:

  • Herkömmlicher Baustahl: Bei ihm zeigt sich die Oxidation als Rost. Dieser kann das gesamte Bauteil mit den Jahren vollständig in Eisenoxid verwandeln, also eine bröselige Masse. Damit das nicht geschieht, können rostende Stähle jedoch u.a. durch eine Verzinkung abgekapselt werden.
  • Rostträger Stahl: Hierzu gehören sowohl verschiedene Edelstahl- als auch herkömmliche Stahllegierungen (nicht jeder Edelstahl ist automatisch rostträge). Da ihnen unterschiedliche rosthemmende Metalle beigegeben wurden, findet zwar immer noch eine Oxidation der Oberfläche statt, die sich aber nicht (respektive erheblich langsamer) in zerfressendem Rost ausdrückt. Stattdessen schützt die Oxidation das darunterliegende Metall vor Sauerstoff.
  • Aluminium: Ähnlich wie bei rostträgen Stählen oxidiert hier ebenfalls die Oberfläche. Wobei Aluminium jedoch aufgrund seiner Zusammensetzung nicht so rostet wie es Eisenwerkstoffe tun – also etwa Stahl.

Nicht zuletzt unter dem Eindruck einer austauschbaren, modularen Dämmung dürften daher Deckenträger, Stürze (sofern nicht aus Naturstein machbar) usw. aus solchen Materialien eine erheblich langlebigere Wahl sein als die naheliegenden Alternativen Holz und armierter Beton. Würde man es „ganz richtig“ machen wollen, wären vielleicht sogar aus Natursteinen gemauerte Gewölbekonstruktionen denkbar. Allerdings sind diese optisch nicht wirklich „neutral“ – und dürften außerdem extrem kostspielig bei der Errichtung sein.

 

Bild: stock.adobe.com © Ingo Bartussek

Putze und Farben: Altbewährtes hält am längsten

Moderne Bauchemie mit Kunstharzputzen, Silikonharzfarben und Ähnlichem ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Vor den 1950ern war derartiges kaum bekannt. Damit steht bereits eines fest: Es gibt bislang kaum Langzeiterfahrungen mit solchen Materialien, die deutlich über 100 Jahre hinausgehen. Dennoch schafften sie es, zuvor verwendete Materialien in vielen Ländern fast völlig vom Markt zu verdrängen – und das, obwohl diese seit streckenweise Jahrtausenden genutzt wurden.

Im Angesicht eines modernen, dennoch für Jahrhunderte tauglichen Hauses lautet daher der Rat, besser auf derartige altbewährte Produkte zu setzen. Etwa ein ganz klassischer Kalkputz aus Sumpfkalk, Sand und Wasser – er kann sogar selbst hergestellt werden. Oder Putze aus Lehm, gegebenenfalls mit natürlichen Farbstoffen eingefärbt. Extrem einfach zu verarbeiten, auf jedem Komposthaufen recyclingfähig und für ein äußerst gutes, da ausgeglichenes Raumklima stehend.

Diese Liste ließe sich noch lange fortführen. Beispielsweise mit Kaseinfarben, Kalkfarben, Leinöl oder der japanischen Technik namens Shou Sugi Ban – gezieltes Anbrennen und Verkohlen von (nichttragenden) Holzbauteilen.

Tatsächlich wurden bis zum Beginn der „bauchemischen Epoche“ zahlreiche Materialien ersonnen. Sie alle haben bereits den Test der Zeit bestanden und sind deshalb geeignet. Plus: Gerade heute, wo naturnahes Bauen ein solches Revival erfährt, sind sie erheblich leichter zu bekommen als noch Anfang des Jahrtausends.

Dokumentieren für die Zukunft – Geschenke für die Nachwelt

Es kann heute bereits schwierig sein, auf Ämtern die Grundrisse für ein Haus zu finden, das vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde – nicht bloß, weil natürlich auch Amtsgebäude samt Archiv zerstört wurden. Ein Haus, das gleich mehrere Jahrhunderte alt ist, ist sogar vielfach ein Objekt von höchstem Interesse für Bauhistoriker und -archäologen und muss mit deren Techniken „durchleuchtet“ werden.

Wer mit seinem Bauwerk den nachfolgenden Generationen einen Schatz überlassen möchte, der mindestens so lange überdauert, wie das Haus steht, der sollte überlegen, ob er dazu nicht eine Zeitkapsel unter der Keller- bzw. Bodenplatte vergraben lassen möchte. Inhalt: Grundrisse, Fotografien, aber vielleicht ebenso Alltägliches aus dem Hier und Jetzt.

Angesichts der langen Zersetzungsdauer dürften sich dafür mehrschichtig aufgebaute Behälter aus Kunststoff am besten eignen. Schon eine herkömmliche Plastik-Getränkeflasche benötigt unter besten Bedingungen etwa ein halbes Jahrtausend, um zu verrotten. Ein absichtlich auf lange Lebenszeit optimiertes „Paket“ dürfte solche Werte spielend erreichen. Wohl wird es bis zum einstigen Abriss kaum jemand finden. Dann aber könnte dieser jahrhundertealte Schatz eine absolute Sensation für unsere fernen Nachkommen sein.

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Bajazzo schrieb: Hallo, mein Haus steht in einem alten Ortskern, wo zu den Nachbarn...
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