Ist Energiesparen out? Die Bereitschaft der Bundesbürger, für Energieeinsparung und Umweltschutz Geld auszugeben, hat jedenfalls deutlich nachgelassen. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten repräsentativen Umfrage der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ) hervor.
Als Ursache für das rückläufige Interesse am Energiesparen hat die VdZ vor allem die geringe Kenntnis über Möglichkeiten zur Energieeinsparung und mangelndes Wissen über die tatsächlichen persönlichen Energiekosten ausgemacht. So fühlte sich ein Drittel der befragten Haus- und Wohnungsbesitzer und sogar mehr als die Hälfte der Mieter in diesen Punkten „nur gering informiert". Die persönlichen Ausgaben für Heizung und Warmwasser konnte lediglich ein Drittel der Befragten beziffern. Ohne ein grundlegendes Wissen über Sparpotentiale und Energiepreise aber, so schlußfolgert die Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft, fehlt eine wichtige Motivationsgrundlage für energiesparende Investitionen. Das bewertet die VdZ als um so bedenklicher, als gerade im Bereich der „Heizung und Warmwasserbereitung die bedeutendsten Reserven zur Energieeinsparung und CO2-Minderung" liegen.
Tatsächlich lasse sich mit moderner Heiztechnik enorm viel sparen: Eine moderne Ölheizung zum Beispiel verbrauche im Vergleich zu einer veralteten Anlage bis zu ein Drittel weniger Heizöl, ergänzt das Institut für wirtschaftliche Oelheizung e. V. (IWO). Es lohne sich also in jedem Fall, eine technisch überholte Heizung durch einen modernen, sparsamen und schadstoffarmen Öl-Niedertemperaturheizkessel zu ersetzen. Denn im Laufe der Jahre zahlen sich, so das IWO, die Investitionskosten durch die dauernde Brennstoffeinsparung wieder aus.
Laut VdZ-Umfrage zählen in der Einschätzung der Verbraucher eine Kesselerneuerung, die Wärmedämmung und der Einbau von Wärmeschutzfenstern zu den wirksamsten Energiesparmaßnahmen. Unklarheit jedoch herrscht darüber, so die VdZ, „daß bauliche Maßnahmen deutlich teurer und in der Regel nicht so wirksam sind wie eine Heizungsmodernisierung". Deshalb raten Experten bei der wärmetechnischen Sanierung eines Gebäudes im ersten Schritt stets zur Modernisierung veralteter Heizungstechnik und erst danach zu wärmedämmenden Maßnahmen am Gebäude.
Am schlechtesten aufgeklärt über Energiesparmöglichkeiten sind laut VdZ-Umfrage übrigens generell Mieter und Single-Haushalte. Hier schätzten sich in punkto Energiesparen lediglich 15 beziehungsweise 16 Prozent als „gut informiert" ein.
In diesem Zusammenhang von Interesse: Die VdZ hat eine bundesweite, von der Politik unterstützte Modernisierungskampagne für Heizungsanlagen angeregt. Nur so könne der dringend benötigte Beitrag zu den eingegangenen internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz geleistet werden. Erste Anzeichen für eine politische Umsetzung hat VdZ-Präsident Jürgen Diehl bereits ausgemacht: Aufgrund einer Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder habe die Bundesregierung Bereitschaft signalisiert, über veränderte Rahmenbedingungen nachzudenken, um so der Heizungsmodernisierung neue Impulse zu geben.
„Dringend modernisierungsbedürftig" sind nach Angaben der VdZ gegenwärtig in Deutschland insgesamt rund 4,5 Millionen Heizungsanlagen, davon etwa 2 Millionen Ölheizungen. Gleichzeitig sind drei Viertel der bestehenden Gebäude älter als 20 Jahre. Vor diesem Hintergrund hält es die VdZ für vorrangig, „den Investitionsstau bei der Heizungsanlagenerneuerung im Gebäudebestand aufzulösen". Zumal sich „angesichts gestiegener Energiepreise die Wirtschaftlichkeit von Modernisierungen wieder deutlich verbessert hat", konstatierte Diehl.