Viele Betreiber alter Kaminöfen mussten diese aufgrund der letzten Stufe der 1. BImSchV austauschen. Wer die Frist zum 31. Dezember 2024 für Altgeräte einhalten musste, hat in moderne Feststoff- oder Pelletgeräte investiert. Dabei wird jedoch häufig der Zustand des vorhandenen Schornsteins vernachlässigt.
Warum die neuen Öfen dem Schornstein zusetzen
Neue Geräte arbeiten mit Wirkungsgraden von über 80 Prozent und haben auch viel niedrigere Abgastemperaturen. Genau das wird für viele bestehende Züge zum Problem. Fällt die Abgastemperatur unter den Taupunkt, so schlägt sich im Schornstein der Wasserdampf zusammen mit Schwefel- und Salzsäuren nieder. Die Folge ist Versottung, die sich durch braune Ränder und durchfeuchtete Stellen im Mauerwerk zeigt. Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger prüft bei seiner Feuerstättenschau, ob Querschnitt, wirksame Höhe und Material zum neuen Gerät passt. Passt der Zug nicht, ist ein Sanierung mit einem Edelstahl-Innenrohr in der Regel unumgänglich. Wer sich für einen Komponentenvergleich interessiert, findet im Fachhandel für Schornsteine Sortimente, die auf die gebräuchlichen Größen im Altbau abgestimmt sind.
Prüfungen und Normen
Für die Edelstahlrohre im Inneren sind die Anforderungen für Systemschornsteine und Bauteile aus Metall in der DIN EN 1856-1 festgelegt. Hierbei sind neben der Werkstoffgüte (üblich sind Bezeichnungen wie L50 oder L80), Wandstärke, Rußbrandbeständigkeit und Dichtheitsklasse entscheidend. Die Gesamtbezeichnung des Schornsteins erfolgt nach der EN 1443. Die Musterfeuerungsverordnung (MFeuVO) enthält daneben Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen, Vorschriften über Verbrennungsluftversorgung und Aufstellraumausführung. Ein Pelletofen mit Nennwärmeleistung von 8 kW benötigt je nach Bauart einen Zugquerschnitt von etwa 130 bis 150 mm, klassische Kaminöfen mit 6 bis 8 kW eher 150 bis 180 mm. Die verbindlichen Werte gibt die Herstellerdokumentation, ergänzt durch eine Kaminberechnung nach EN 13384. Zusätzlich zu diesen starren Systemen kommen auch flexible Innenrohre für gemauerte Züge mit Versatz zum Einsatz. Bei Grundsanierungen oder Anbauten kommen meist doppelwandige Leichtbauschornsteine zum Einsatz, die man auch außen an der Fassade führen kann.
Laut Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) liegt der jährliche Absatz von Einzelraumfeuerstätten in Deutschland noch immer im sechsstelligen Bereich, auch in Bestandsgebäuden, wo in aller Regel der Schornstein angepasst werden muss.
Fachhandel unter Druck, Konsolidierung im Ofensegment
Die wirtschaftliche Situation des stationären SHK-und Ofenfachhandels ist angespannt. Rückläufige Bauaktivität, hohe Lagerhaltungskosten und die Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz haben mehrere Traditionsbetriebe in Schwierigkeiten gebracht, so etwa die Ludwig Küblböck Baukeramik GmbH aus Burglengenfeld mit ihrer weit über 60jährigen Firmengeschichte. Sie musste 2026 Insolvenz anmelden. Wie einige berichten, wurden die Geschäftsbereiche Ofenhandel und Kachelofenbau aus der Insolvenz von der Münchner iKontor GmbH übernommen, die im Internet mit schornstein-fachhandel.de auftritt. Rund 20 Arbeitsplätze in der Ofensparte blieben so erhalten, ebenso das über Jahrzehnte aufgebaute Fachwissen im Kachelofenbau. Für Planer und Handwerker bedeutet dies Kontinuität bei Ansprechpartnern und Ersatzteilverfügbarkeit in einem Segment, das eng mit der Schornsteintechnik verzahnt ist.
Empfehlung für die Praxis
Ich empfehle, vor der Bestellung einer neuen Feuerstätte frühzeitig einen Termin mit dem zuständigen Schornsteinfeger zu machen, am besten auf der Grundlage einer belastbaren Kaminberechnung. Auf dieser Basis kann man das geeignete Sanierungssystem wählen, ob starres Edelstahlrohr, flexibles Innenrohr oder komplett neuer Leichtbauschornstein. Die Investitionskosten liegen je nach Objekt, Höhe und Zugänglichkeit im Bereich von 1.500 bis 4.500 Euro, dazu kommt die Abnahme nach der Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO). Wer beide Gewerke, Feuerstätte und Abgasanlage, gemeinsam plant, umgeht spätere Nachbesserungen und erfüllt die Anforderungen der Feuerungsverordnung zuverlässig.