Bei Wärmepumpen wird schnell vom Einzelfall auf die gesamte Technik geschlossen. Eine hohe Stromrechnung gilt dann als Beleg für einen grundsätzlich zu hohen Verbrauch. Ein hörbares Gerät bedeutet, dass Wärmepumpen zu laut im Betrieb sind.
Solche Fälle gibt es, das stimmt. Sie sagen allerdings häufig mehr über die Planung und Einstellung einer Anlage aus als über die Technik selbst. Denn Gebäude, Heizflächen, Aufstellort und Betriebsweise beeinflussen, wie effizient und leise eine Wärmepumpe arbeitet. Lesen Sie hier, was an den Wärmepumpen-Mythen wirklich dran ist.
1. Wärmepumpen sind nur für Neubauten geeignet
Das Baujahr allein sagt wenig darüber aus, ob eine Wärmepumpe in einem Haus effizient betrieben werden kann. Ausschlag geben vor allem der Wärmebedarf des Gebäudes und die Temperatur, die das Heizsystem benötigt. Auch ein älteres Haus kann gute Voraussetzungen bieten, wenn es mit moderaten Vorlauftemperaturen warm wird.
Ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts bestätigt das. Das Institut hat 2025 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern untersucht und keinen Zusammenhang zwischen dem Baujahr der Gebäude und der gemessenen Effizienz gefunden. Die Forschenden kamen auch zu dem Ergebnis, dass ältere Häuser nicht erst auf Neubaustandard gebracht werden müssen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Bestandsgebäude ohne Prüfung umgerüstet werden kann. Bei hohem Wärmebedarf oder sehr hohen Vorlauftemperaturen können Anpassungen nötig sein. Häufig reichen jedoch gezielte Maßnahmen an einzelnen Bauteilen oder Heizflächen aus. Eine vollständige Sanierung ist keine allgemeine Voraussetzung.
2. Ohne Fußbodenheizung funktioniert eine Wärmepumpe nicht effizient
Eine Fußbodenheizung bietet gute Bedingungen, weil sie Wärme über eine große Fläche verteilt und daher mit niedrigen Wassertemperaturen auskommt. Zwingend notwendig ist sie aber nicht.
Es ist weniger die Bauart der Heizfläche relevant als ihre tatsächliche Leistung im jeweiligen Raum. Auch klassische Heizkörper können ein Haus mit niedrigerem Vorlauf beheizen, sofern ihre Fläche und Leistung ausreichen.
Wie gut die vorhandenen Heizkörper geeignet sind, lässt sich während der Heizperiode mit dem 55-Grad-Check ausprobieren. Bleiben die Räume auch mit abgesenkter Vorlauftemperatur warm, spricht das für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb. Fallen nur einzelne Zimmer auf, kann bereits der Austausch der dortigen Heizkörper helfen. Auch ein hydraulischer Abgleich verbessert häufig die Wärmeverteilung.
3. Wärmepumpen verbrauchen Unmengen an Strom
Wie hoch der Stromverbrauch ausfällt, lässt sich nicht pauschal am Gerät festmachen. Interessanter ist zunächst, wie viel Wärme eine Anlage aus dem eingesetzten Strom bereitstellt. Genau dafür wird die Jahresarbeitszahl herangezogen. Eine Jahresarbeitszahl von 3 bedeutet beispielsweise, dass aus einer Kilowattstunde Strom im Jahresmittel drei Kilowattstunden Wärme entstehen.
In einem Fraunhofer-Feldtest lagen die Werte der untersuchten Anlagen zwischen 2,6 und 5,4. Luft-Wasser-Wärmepumpen kamen im Mittel auf 3,4, erdgekoppelte Systeme auf 4,3. Der übrige Anteil der Wärme stammt aus Außenluft, Erdreich oder Grundwasser.
Wie viel Strom eine Anlage am Ende tatsächlich benötigt, hängt deshalb stark vom Gebäude und vom Heizsystem ab. Muss die Wärmepumpe dauerhaft hohe Vorlauftemperaturen bereitstellen oder springt der Heizstab häufig ein, steigt der Verbrauch. Auch hohe Warmwassertemperaturen erhöhen den Bedarf. Deshalb lohnt sich bei auffällig hohen Verbräuchen der Blick auf das gesamte Heizsystem und nicht allein auf die Wärmepumpe.
4. Wärmepumpen verursachen Lärmbelästigung
Ob eine Luft-Wasser-Wärmepumpe als störend empfunden wird, entscheidet sich oft schon bei der Planung. Denn Schall breitet sich je nach Aufstellort unterschiedlich aus. Steht das Außengerät dicht an einer Wand oder in einer engen Ecke, können Reflexionen die Geräuschwirkung verstärken. Auch Fenster von Schlafräumen und die Entfernung zum Nachbargrundstück sollten deshalb berücksichtigt werden.
Die Geräusche selbst entstehen vor allem durch Ventilator und Verdichter. Bei niedrigen Außentemperaturen kann das Gerät hörbarer werden, weil mehr Heizleistung gefragt ist. Wie stark, hängt vom jeweiligen Modell und seiner Betriebsweise ab.
Ein geeigneter Standort kann die Schallbelastung deutlich verringern. Viele Anlagen lassen sich nachts außerdem in einem leiseren Betriebsmodus fahren. Die Aussage, Wärmepumpen seien grundsätzlich zu laut, greift deshalb zu kurz. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Gerät, Grundstück und Aufstellort nicht sauber aufeinander abgestimmt wurden.
5. Das Kältemittel ist umweltschädlich
Ob diese Aussage stimmt, hängt davon ab, welches Kältemittel eine Wärmepumpe verwendet. Vor allem bei älteren fluorierten Kältemitteln kann die Klimawirkung hoch sein, wenn der Stoff freigesetzt wird. Eine Alternative, die bei neuen Geräten inzwischen häufig eingesetzt wird, ist R290 (Propan). Sein Treibhauspotenzial ist laut Umweltbundesamt sehr gering, außerdem ist der Stoff nicht giftig und schädigt die Ozonschicht nicht.
Zu berücksichtigen ist allerdings seine Brennbarkeit. Dafür gibt es aber entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. Im normalen Betrieb befindet sich das Kältemittel in einem geschlossenen Kreislauf. Es kommt weder mit dem Heizungswasser noch mit der Raumluft in Kontakt. Wer eine Wärmepumpe auswählt, sollte deshalb nicht pauschal von „dem Kältemittel“ sprechen, sondern prüfen, welcher Stoff tatsächlich im Gerät verwendet wird.
6. Wärmepumpen können nur heizen
Eine Wärmepumpe muss im Sommer nicht zwangsläufig stillstehen. Je nach System kann sie auch dazu genutzt werden, Wärme aus dem Gebäude abzuführen und Räume zu temperieren. Wie das funktioniert, hängt von der Wärmequelle und der Bauart der Anlage ab.
Bei einer reversiblen Luft-Wasser-Wärmepumpe läuft der Prozess vereinfacht in die andere Richtung. Die Anlage nimmt Wärme im Haus auf und gibt sie draußen wieder ab. Dafür arbeitet der Verdichter weiter, weshalb diese Form als aktive Kühlung bezeichnet wird.
Erd- und Grundwasserwärmepumpen können je nach System auch passiv kühlen. Dabei wird das niedrigere Temperaturniveau von Erdreich oder Grundwasser genutzt. Der Verdichter bleibt ausgeschaltet, während vor allem Pumpen und Regelung Strom benötigen.
Wie stark sich ein Haus auf diese Weise abkühlen lässt, hängt auch von den Heizflächen ab. Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen eignen sich besser zur Kühlung als klassische Heizkörper. Oberflächen dürfen aber nicht zu kalt werden, weil sich sonst Kondenswasser bildet. Eine Wärmepumpe kann die Raumtemperatur im Sommer also senken, ihre Kühlwirkung ist aber nicht automatisch mit der einer Klimaanlage vergleichbar.
7. Bei Minusgraden übernimmt sofort der Heizstab
Die Tatsache, dass in nordeuropäischen Ländern wie Norwegen, Schweden und Finnland mehr als die Hälfte der Haushalte eine Wärmepumpe zum Heizen nutzen, zeichnet ein anderes Bild. Denn Luft enthält auch unterhalb des Gefrierpunkts noch Wärme, die eine Wärmepumpe nutzen kann. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen sind deshalb auch für den Betrieb bei Minusgraden ausgelegt. Je kälter es draußen wird, desto stärker muss die Anlage die aufgenommene Wärme allerdings anheben. Dadurch steigt der Strombedarf und die Effizienz sinkt.
Der elektrische Heizstab dient dabei als Unterstützung und Reserve. Er kann bei besonders niedrigen Temperaturen oder einem ungewöhnlich hohen Wärmebedarf einspringen. Daraus folgt aber nicht, dass er im Winter ständig läuft oder die Wärmepumpe regelmäßig ersetzt.
Fazit
Die meisten Wärmepumpen-Mythen entstehen nicht grundlos. Niedrige Außentemperaturen können die Effizienz verringern. Ein schlechter Aufstellort kann zu Lärmproblemen führen. Hohe Vorlauftemperaturen treiben den Strombedarf nach oben.
Aus diesen Zusammenhängen werden jedoch falsche allgemeine Aussagen. Weder ein hohes Gebäudealter noch winterlicher Frost sprechen für sich genommen gegen eine Wärmepumpe. Vor dem Einbau sollte ein Fachbetrieb prüfen, wie viel Wärme das Haus benötigt, welche Temperaturen im Heizsystem nötig sind und wo sich das Gerät sinnvoll aufstellen lässt. Erst diese Betrachtung zeigt, wie gut die Technik zum jeweiligen Gebäude passt.
Zum Autor:
Johannes Ostwald ist Gründer und Geschäftsführer von Energie Süddeutschland, einem regional führenden Anbieter für Photovoltaik, Speicherlösungen und umweltfreundliche Heizsysteme. Der gelernte Industriemechaniker arbeitete acht Jahre bei der Allianz, bevor ihn 2017 die Suche nach einer Wärmepumpe und Solaranlage für sein eigenes Haus in die Energiebranche führte.
Nach einer Weiterbildung zum Energieeffizienzberater gründete er 2022 sein eigenes Unternehmen. Heute plant und realisiert Energie Süddeutschland Energielösungen für Privat- und Geschäftskunden im gesamten süddeutschen Raum.