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News vom 25.11.2003

Licht am Ende des Tunnels: Sanitärbranche hofft 2004 auf Trendwende


Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS): 2003 aber weiter abwärts, Inlandsumsatz bricht weg - Stabilisator "Export" - Badmodernisierung im Fokus: großes "Oldie"-Reservoir, Neubau sekundär.

Auch die Sanitärbranche spürt die lahmende Inlandskonjunktur und meldet für 2003 zum dritten Mal in Folge herbe Umsatzeinbußen auf dem heimischen Markt. Ebenfalls rückläufig sind Unternehmens- und Beschäftigtenzahlen. "Anders als die Politik stehen wir aber nicht unmittelbar am Abgrund", wie es Fritz-Wilhelm Pahl als Vorsitzender der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) während einer Pressekonferenz drastisch formulierte. Der Bonner Dachverband von Industrie, Großhandel und Handwerk rechnet 2004 wieder mit einem leichten Wachstum von maximal 2%. Dabei ruhen die Hoffnungen praktisch ausschließlich auf dem privaten Modernisierungsgeschäft, denn die Zahl der erneuerungsbedürftigen Erst- und Zweitbäder liege inzwischen bei weit über 10 Millionen.

Falsches "Weiter so"
Die im internationalen Vergleich schlechte Verfassung der deutschen Volkswirtschaft ist nach Meinung von Pahl nicht nur das Resultat konjunktureller, sondern auch struktureller Probleme. Trotz des "kopflosen Aktionismus" der jetzigen Bundesregierung seien dafür ihre Vorgänger ebenfalls mit verantwortlich. Heute räche sich, dass man zu lange dem Motto "Weiter so" gefrönt und ungeachtet eines klar erkennbaren Handlungsbedarfs notwendige Reformen versäumt habe.

Die unbefriedigende Großwetterlage wirke sich natürlich auch auf die Sanitärwirtschaft aus. Sie werde als Einheit von der amtlichen Statistik nicht erfasst, sondern setze sich aus Unternehmen verschiedener Wirtschaftszweige (Verarbeitendes Gewerbe/Industrie, Teile des Produktionsverbindungsgroßhandels, Teile des Handwerks bzw. Ausbaugewerbes) zusammen. Die VDS mit ihren 10 Fachverbänden repräsentiere daher als Branchendachorganisation drei Vertriebsstufen. Gemeinsam mit den Sektoren Heizung, Klima und Lüftung bildet die Sanitärsparte die Haus- und Gebäudetechnik in Deutschland, komplettierte Pahl das Porträt des gesamten Wirtschaftszweiges.

Ernste Situation
Um für "die in- und extern gleichermaßen wichtige Branchentransparenz" zu sorgen, erstellt das Münchener ifo-Institut im Auftrag von VDS, Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ) und Messe Frankfurt einen jährlichen Marktdatenbericht. Der jüngsten, Ende Oktober vorgelegten Analyse zufolge geht der Gesamtumsatz der Sanitärwirtschaft 2003 um 6% auf 14,1 Mrd. Euro (nach 15,0 Mrd. Euro) zurück. Dabei bricht, so Pahl, das Inlandsgeschäft um weitere 7% auf 11,7 Mrd. Euro (nach 12,6 Mrd. Euro) ein. Lediglich der Export verhindere mit konstant 2,4 Mrd. Euro "Schlimmeres".

Der Blick auf die Entwicklung seit 2001 mache "den ganzen Ernst der Situation" deutlich. Im Beobachtungszeitraum sank der Branchenumsatz insgesamt um rund 11% (von 15,8 auf 14,1 Mrd. Euro), was ebenfalls ausschließlich auf der Inlandsschwäche beruhe. Hier weisen die Zahlen ein Minus von 13% (11,7 nach 13,4 Mrd. Euro) aus. Der VDS-Sprecher: "Von der noch Ende letzten Jahres erhofften Trendwende gibt es also derzeit noch keine Spur."

Kein Bedarfs-Defizit
Eine moderate Besserung ist aber für 2004 in Sicht. Prognostiziert wird ein Umsatzplus von rund 1,5% auf dann 14,3 Mrd. Euro. Dabei könne der Exportanstieg bei einer "kräftigen Erholung der Weltwirtschaft" durchaus stärker ausfallen als die geplanten 2%. Im Inland schätzt die VDS das Mini-Wachstum auf gut 1%. Pahl bezeichnete das deshalb eher als "Stabilisierung".

Das Erreichen der Prognose werde u. a. wesentlich davon abhängen, ob und inwieweit die private Nachfrage anziehe. Sie mache bereits jetzt in der Branche 70 bis 80% der Aufträge aus. Am Bedarf fehle es indes nicht. Speziell im Modernisierungssektor, dem mit Abstand wichtigsten Geschäftsfeld, gebe es "in der Sache" viel Grund zum Optimismus. So seien nach einer GfK-Studie über 7 Mio. Haushalte mit ihrem Bad akut unzufrieden.

Sie gelte es, "nicht zuletzt emotional" für den Lebensraum Bad und das Qualitätsangebot der Branche zu begeistern. Gleiches sei beim Aufgreifen genereller Verbrauchertrends (Komfort im Alter, Wellness und Fitness etc.) entscheidend. Auf nationaler Ebene soll dabei auch Schwimm-Star Sandra Völker, mit der die VDS seit Anfang 2003 kooperiert, als "prominente Botschafterin" für mehr Popularität sorgen.

Unterschätzter Hauptdarsteller
Der für die Sanitärwirtschaft ausschlaggebende Modernisierungsmarkt fristet nach Auffassung von Jens J. Wischmann in der öffentlichen Diskussion "völlig zu Unrecht" ein Schattendasein. Im Gegensatz zu der negativen Neubauentwicklung, die in der Regel das Bild der tief greifenden Baukrise prägt, ist er seit Jahren die tragende Säule des Wohnungsbaus, betonte der VDS-Geschäftsführer. Die Devise "Renovierung schlägt Neubau" spiegele im Übrigen eine gesamteuropäische Tendenz wider.

In Deutschland überholten nach Berechnungen von DIW und DG Hyp die Modernisierungsinvestitionen bereits 1999 erstmals das Neubauvolumen. Seitdem klaffe die Schere immer weiter auseinander. So übertreffe die Modernisierung mit geschätzten 90 Mrd. Euro den Neubaubereich (51 Mrd. Euro) in diesem Jahr fast um 100%. 2004 werde die Differenz den Prognosen zufolge noch größer.

Wischmann machte dafür "plausible Gründe" aus. So seien unsanierte Wohnungen mit schlechtem Zuschnitt immer schwerer zu vermieten. Auf dauerhaft erhebliche Altbauinvestitionen privater Haushalte deute zudem die Tatsache hin, dass viele "Oldies" den heutigen Ansprüchen der Nutzer bzw. den technischen Anforderungen in keiner Weise mehr genügten.

Insofern mache es durchaus Sinn, dass das neue Wohnraummodernisierungsprogramm des Bundes auf die weitere Ankurbelung des Modernisierungsmarktes mit Hilfe zinsverbilligter Darlehen im Gesamtvolumen von rund 8 Mrd. Euro ziele. Im Katalog der geförderten Maßnahmen seien Sanitärinstallationen und Wasserversorgung übrigens ausdrücklich erwähnt. Insofern hoffe die Branche dadurch auch auf eine "wirksame Anschubfinanzierung" für das Badgeschäft. Am Bedarf fehle es jedenfalls nicht.

Zeit für Erneuerung
Nach einer im VDS-Auftrag durchgeführten GfK-Grundlagenstudie wurden in rund 17 Mio. Haushalten die "Erstbäder" seit Bau oder Bezug des Hauses noch nicht renoviert. Davon sind, erläuterte Wischmann, 4,6 Mio. bereits älter als 25 Jahre, und weitere knapp 4 Mio. befinden sich seit 15 bis 25 Jahren in unverändertem Zustand. Auch die entsprechenden Größenordnungen der noch "unberührten" Zweitbäder (0,9 Mio. bzw. 1,4 Mio.), Gästetoiletten (2,0 Mio. bzw. 2,3 Mio.) und der separaten Duschräume (0,2 Mio. bzw. 0,4 Mio.) signalisierten, wie groß das Potenzial für "sanitäre Verjüngungskuren" sei.

Weitere Untersuchungen beweisen, wie es hieß, ebenfalls, dass der gegenwärtige Nachfrage- und Investitionsstau nichts mit einer eventuellen Marktsättigung zu tun habe. So kam die neue, für die 18- bis 64-jährige Bevölkerung und damit für knapp 47 Mio. Bundesbürger repräsentative "Wohnen + Leben"-Studie der Gruner + Jahr-Verlagsgruppe laut VDS u. a. zu folgenden Resultaten: 23% der Deutschen stufen das Bad als den "eigentlich wichtigsten Raum in der Wohnung" ein; 53% genießen es, sich in einem "schönen Bad lange aufzuhalten"; 32% wollen das Bad "am liebsten völlig neu gestalten"; 11% planen in den nächsten beiden Jahren oder später konkret den Ein- oder Umbau von Bad oder WC, was letztlich auf eine komplette Renovierung hinauslaufe.

Über die dafür nötige Finanzausstattung scheinen die privaten Haushalte durchaus zu verfügen, sagte Wischmann. Er bezog sich dabei auf die jüngste Meldung des Statistischen Bundesamtes, nach der die Deutschen allein im Jahr 2002 gut 146 Mrd. Euro auf die hohe Kante legten. Seine Rechnung: "Unterstellt man einen realistischen Gesamtpreis eines "Mittelklasse-Bades" von 20.000 Euro, hätte diese Summe ausgereicht, um 7,3 Mio. neue Bäder zu bezahlen."

Weitere Arbeitsplatz-Verluste
Auch für den gesamten Sektor der Haus- und Gebäudetechnik gab sich Pahl mit Blick auf das nächste Jahr gedämpft optimistisch.

Er prognostizierte auf Basis der ifo-Erhebung für 2004 ein Umsatzplus von 2,4% auf 34,3 Mrd. Euro. Anders als im reinen Sanitärbereich rechnet die Branche hier im Inland (2,8%) mit einem stärkeren Wachstum als beim Export (2%). 2003 werde jedoch im Vergleich zum Vorjahr nochmals von einem kräftigen Umsatzminus von gut 5% (33,5 nach 35,4 Mrd. Euro) geprägt sein. Damit addiere sich der Rückgang in der Zwei-Jahres-Betrachtung auf knapp 13%.

Trotz der wieder etwas positiveren Umsatzerwartung halte der Anpassungsprozess in der Branche auch 2004 an. Dadurch sinke die Unternehmenszahl in der gesamten Haus- und Gebäudetechnik voraussichtlich erstmals auf unter 50.000 (nach 50.100). Davon entfallen allein 49.000 Betriebe auf das Handwerk. Parallel dazu reduziere sich die Mitarbeiterzahl auf vermutlich 430.000 in 2004 weiter. Das bedeutet laut Pahl, dass die Branche seit 2000 den Verlust von über 100.000 Arbeitsplätzen hinnehmen musste. Davon betroffen seien alle drei Vertriebsstufen.

Ungeachtet dessen komme der Wirtschaftszweig mit einer Ausbildungsquote von gut 11% seiner Nachwuchsverantwortung in besonders starkem Maße nach. Das gelte traditionell primär für das Handwerk, das in seinen verschiedenen Berufen 2002 insgesamt fast 43.000 Jugendliche (nach 48.000) ausbildete. Die Bestrebungen nach einer Ausbildungsabgabe nannte der VDS-Vorsitzende "kontraproduktiv". Die Betriebe müssten bei ihrer Suche nach Auszubildenden u. a. häufig feststellen, dass Bewerber aufgrund schlechter schulischer Qualifikation "schlicht ungeeignet sind". Es liege auf der Hand, dass dieses Problem mit "staatlichen Zwangsgeldern" nicht zu lösen sei.

Aktuelle Forenbeiträge
tepee schrieb: Es gibt ja einige wenige Fälle, bei denen der RGK nicht ganz...
ddjst schrieb: Die Bundesregierung beabsichtigt die Förderung von kleinen PV...
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