
Nachdem die handwerk.de/AG als kostspieliges Hobby des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) mit Millionenverlusten in die Insolvenz (
nachlesen) geschlingert ist, hat nun auch der prominenteste Aktionär des Portals offenbar massive finanzielle Probleme. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, für welche Leistungen bei handwerk.de eigentlich so viel Geld aufgewendet worden ist, und warum niemand das Finanzloch rechtzeitig bemerkt haben will.
So schreibt der "Spiegel" in seiner gestrigen Ausgabe, dass die Handwerkskammern und Fachverbände im Zuge der außerordentlichen Vollversammlung am morgigen Mittwoch in Berlin einen millionenschweren Rettungplan billigen sollen. Demnach müssten die Mitglieder bis Mitte des Jahres 1,5 Mio Euro aufbringen, um, so wird aus einer Sitzungsunterlage zitiert, "eine Überschuldung des ZDH zu vermeiden". Weiterhin, so der "Spiegel", seien zusätzlich 6,32 Millionen Euro "für die Enthaftung des ZDH" nötig, unter anderem zur Ablösung von Bürgschaften für Leasingverträge bei der Landesbank Berlin.
Zu beachten ist hierbei die Vorsilbe "Über-" im Begriff "Überschuldung". Zur tatsächlichen Finanzsituation des ZDH war keine Stellungnahme zu erhalten.
Die vom "Spiegel" genannte Summe von 7,82 Millionen Euro wird im Endeffekt von den Handwerksbetrieben kurzfristig aufzubringen sein, macht bei 840.000 Handwerksbetrieben etwas weniger als zehn Euro je Betrieb; "Peanuts" nannte so etwas ähnliches mal jemand.
Um die problematische Situation zu erörtern, kommen ebenfalls am Mittwoch die Vertreter der 55 Handwerkskammern zur Vollversammlung des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) sowie die 46 Fachverbände der Bundesvereinigung der Fachverbände des Deutschen Handwerks (BFH) zusammen.
Man muss nicht hellsehen können, um vorherzusagen, dass ZDH-Präsident Philip und Geschäftsführer Schleyer keinen leichten Stand auf der morgigen Vollversammlung haben werden.