Die deutschen Handwerksbetriebe werden nicht für das Scheitern des Internetportals www.handwerk.de und der Insolvenz der Betreibergesellschaft zur Kasse gebeten werden. Dies ist das Hauptergebnis der Vollversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) vom Mittwoch in Berlin. Handwerksbetriebe sollen nicht belastet werden Eine Überschuldung des ZDH tritt nicht ein, denn die übernommenen Verbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Mio. Euro sind nach Beschlüssen der Vollversammlung gedeckt. Zur Ablösung weiterer finanzieller Verpflichtungen in Höhe von rund 6,3 Mio. Euro wird ein Finanzierungsplan erarbeitet. Ziel ist es, die Organisationen des Handwerks und die Handwerksbetriebe so wenig wie möglich zu belasten und die entstehenden Belastungen nicht auf die Handwerksbetriebe abzuwälzen. Der ZDH will daher einen erheblichen Eigenanteil leisten.
"Langfristig", so Handwerkspräsident Philipp am Mittwoch, "werden auf die Mitgliedsorganisationen des ZDH Beitragserhöhungen in Höhe von 1 bis 2 Prozent zukommen." Die Mehrbelastung werde damit so moderat ausfallen, dass die Kosten nicht auf die Beitragszahlungen der Betriebe durchschlagen. Die endgültige Entscheidung darüber, so ZDH-Generalsekretär Schleyer, falle aber in den Vollversammlungen der einzelnen Kammern.
Auffanglösung für Internet-Portal ist in Arbeit Die Insolvenz von handwerk.de/AG, so Schleyer, bedeute nicht das Aus für das gesamte Internet-Angebot: "Es gibt mehrere Interessenten, die das Portal jetzt – um Altlasten bereinigt – weiterführen wollen. Im Rahmen einer Auffanglösung könnten die Produkte von handwerk.de/, die sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt haben, den Handwerksbetrieben weiter zur Verfügung gestellt werden."
Auch Handwerkspräsident Philipp sieht noch eine Perspektive für handwerk.de. Die Verantwortung für das Unternehmen liege nun zwar nicht mehr beim Handwerk, sondern beim Insolvenzverwalter, jedoch seien in den letzten drei Jahren Unternehmenswerte aufgebaut worden, die weiter genutzt werden können: "Dazu gehören die Datenbanken zur Auftragsvermittlung, der Erstellungsservice für Internet-Seiten und die Content-Management-Produkte."
Gleich zu Beginn der Vollversammlung, die Philipp später als "schwierige Sitzung" bezeichnete, war die Vetrauensfrage für Philipp und Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer gestellt worden, die, so Philipp, die "eindeutig positiv beantwortet" worden sei. Im Vorfeld der Vollversammlung waren vor allem von ostdeutschen Verbänden personelle Konsequenzen gefordert worden.
Insgesamt wird das Ergebnis der Vollversammlung, das "aus der Not" zustande gekommen sei, als tragbar angesehen. Immerhin sei die vielfach erhobene Forderung nach einer Verschlankung der Organisation erfüllt worden. Nach Ansicht des Präsidenten der Handwerkskammer Hannover habe bei handwerk.de die gesamte ZDH-Spitze versagt. Mittelfristig sei daher auch ein personeller Neuanfang notwendig.