Pilotprojekt kurz vor Probebetrieb: Wirtschaftlich und technisch optimierte Steuerung von Blockheizkraftwerken und regenerativen Energieanlagen. Die EUS GmbH, Dortmund, hat auf der Fachmesse "E-World energy & water" in Essen Details des ersten realen "virtuellen Kraftwerks" in Deutschland vorgestellt. Das Pilotprojekt Virtuelles Kraftwerk, das die EUS derzeit gemeinsam mit den Stadtwerken Unna realisiert, soll zeigen, dass durch die leittechnische Zusammenfassung von Einzelanlagen, besonders von innovativen, schnittstellenoptimierten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen an dezentralen Standorten mit hohem Wärmebedarf, die Wirtschaftlichkeit der dezentralen Energieerzeugung entscheidend verbessert werden kann.
Mit dem "Virtuellen Kraftwerk Unna" werden derzeit fünf der im Versorgungsgebiet der Stadtwerke vorhandenen eigenen und fremden Blockheizkraftwerke sowie Windenergie- und Photovoltaikanlagen mit einer Jahreseinspeisemenge von knapp 35 Mio. kWh Strom und 47 Mio. kWh Wärme zu einem System aggregiert, so dass alle Anlagen wirtschaftlich und technisch optimal von einer Leitwarte aus gesteuert werden können. Das Pilotprojekt steht kurz vor dem Probebetrieb, der im April starten soll.
Basis des virtuellen Kraftwerks ist eine innovative Leit- und Automatisierungstechnik der EUS, die das Zusammenspiel mehrerer dezentraler Energieanlagen bedarfsgerecht und kostenoptimal automatisiert. Das Hard- und Softwaresystem verknüpft innovative Komponenten wie beispielsweise KWK-Anlagen, Wärmespeicher und Spitzenkessel, so dass diese von dem Energiemanagementsystem EUS MAXIMUS EMS/VK ferngesteuert und ferngewartet betrieben werden können.
Mit diesem System kann zum einen die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage unter Berücksichtigung umfangreicher finanzieller und technischer Faktoren optimiert werden. Gleichzeitig können Strom-, Gas- und Wärmelasten zusammengefasst prognostiziert und für "Fahrpläne" angemeldet werden, die automatisch durch die Steuerung der einzelnen dezentralen Anlagen "abfahrbar" sind. Integrierte Störungsanalysesysteme überwachen dabei die einzelnen Anlagenkomponenten an den dezentralen Standorten.
Einsatz als flexibles "Regelkraftwerk" zum Ausgleichen von Fahrplanabweichungen
In dem Pilotprojekt soll auch getestet werden, inwieweit dezentrale Kraftwerke als flexible "Regelkraftwerk" zum Ausgleich von Fahrplanabweichungen eingesetzt werden können. Zur Reduzierung von Ausgleichsenergiekosten kann das System dabei auch einzelne dezentrale Lasten abschalten.
"Zur Zeit werden KWK-Anlagen primär lokal wärmegeführt betrieben. Das Optimierungspotenzial thermischer Speicher wird damit nicht voll ausgeschöpft, so dass dieses übergeordneter Optimierungssystem die Wirtschaftlichkeit dezentraler Erzeuger erheblich verbessern sollte", erklärt Dr.-Ing. Thomas Stephanblome, Geschäftsführer der EUS GmbH. Vor dem Hintergrund liberalisierter Energiemärkte, so Stephanblome weiter, könnten Virtuelle Kraftwerke zukünftig für Netzbetreiber und Energieerzeuger ebenso wie für Energiehändler und Bilanzkreisverantwortliche enorm an Bedeutung gewinnen. Mit ersten Ergebnissen aus dem Probebetrieb wird im dritten Quartal 2004 gerechnet.