Unverestertes Rapsöl eignet sich als Heizöl-Zusatz. Das ergab ein Großversuch mit dem heimischen Brennstoff, der Landwirten eine neue Einnahmequelle sein könnte.
Wer heute von Rapsöl spricht, meint oft Biodiesel. Doch das kaltgepresste Rapsöl ist vom Biodiesel, der korrekterweise Rapsölmethylen (RME) genannt wird, sehr verschieden.

Ausgangssubstanz ist bei beiden das Öl der Rapspflanze. Das kaltgepresste Rapsöl braucht nur noch gefiltert zu werden und ist dann als Zusatz von Heizöl gut geeignet, während der RME noch aufwendig in Raffinerien verestert werden muss.
Die Stadtwerke Crailsheim und ihre neugegründete Tochterfirma, die Ecoswitch AG, stellten jetzt in Künzelsau ihre sechsjährigen Versuche zur Eignung von unbehandeltem Rapsöl als Heizöl-Zusatz vor. "Das Rapsöl-HeizölGemisch hat sich als gute Ergänzung und echte Alternative zu reinem Heizöl gezeigt", kommentierte Josef Wagner, Geschäftsführer der Stadtwerke Crailsheim, die Ergebnisse.
Die jüngste Versuchsreihe erfasste im Winterhalbjahr 1999/2000 zwei Dutzend Industrie- und Gewerbeanlagen. Ziel war es, die regionale
Markteinführung von Heizöl mit 15% Rapsölanteil im Raum Hohenlohe zu forcieren. Dieses Mischungsverhältnis erwies sich als optimal. In den Versuch wurden auch 20 Jahre alte Brenner einbezogen, um die Alltagstauglichkeit des Gemisches zu testen. Die Ergebnisse waren ermutigend.
Das Steinbeis-Transferzentrum Verfahrens-, Energie- und Umwelttechnik in Heilbronn begleitete den Versuch wissenschaftlich. Dessen Leiter, Prof. Ewald Pruckner, sagte, Rapsöl verbrenne C02 neutral und "bei Stickoxiden lagen die Werte 10 % bis 15 % unter denen von reinem Heizöl". Da Rapsöl keinen Schwefel enthält, sanken die Schwefeldioxid-Emissionen um den Rapsölanteil ab.
Richtig eingestellte Brenner zeigten auch eine deutlich geringere Verschmutzung und Verrußung als bei reinem Heizöl. Wenn Störungen auftraten, lag das immer an der Rapsölqualität. "Hier müssen einige Lieferanten noch nachbessern und gleichmäßige Qualität liefern", forderte Pruckner. Das Gemisch benötige allerdings einen Ölvorwärmer, um die gleiche Viskosität wie reines Heizöl zu erreichen.
Auch der Staat habe noch Hausaufgaben zu machen. Da nach der 1. Bundesemmissionsschutzverordnung für Kleinfeuerungsanlagen Rapsöl nicht vorgesehen sei, müsse die Verwendung von Rapsölgemischen vom Gesetzgeber ausdrücklich genehmigt werden. Andererseits werde ein Rapsöl-Heizöl-Gemisch mit dem vollen Steuersatz von 6,8 Pf pro Liter belegt, wenn es gemischt angeliefert werde. Die Alternative, es getrennt einzufüllen und anschließend selbst zu mischen, sei nicht praktikabel.
Finanziert wurde der Großversuch von den Stadtwerken Crailsheim. Unterstützung kam vor allem vom Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg. "Wir wollten in erster Linie die wirtschaftliche Lage der Bauern verbessern", erklärte Ministerialrat Dr. Albert Bechteler; dazu eigne sich das Projekt sehr gut. Winterraps sei die beste Ölfrucht in Deutschland. Als nachwachsender Rohstoff könne er auf stillgelegten Flächen angebaut werden. Im Ministerium sei man deshalb überzeugt, dass sich dem Rapsöl auf mittlere Sicht gute Perspektiven in der regionalen Vermarktung böten. Voraussetzung sind allerdings deutlich höhere Preise.