Gebäudetechnische Maßnahmen sollen Schadstoffe in Wohnräumen nachhaltig reduzieren. In Holzminden wurden jetzt Befragungs- und Messergebnisse in einer Test-Wohnsiedlung am Expo-Gelände diskutiert. 
Aufgrund geschärften Umweltbewusstseins und steigender Heizölpreise wächst bei Bauherren das Interesse an dicker gedämmten Außenwänden und bei Bewohnern die Tendenz, in der kalten Jahreszeit die Fenster so gut wie immer geschlossen zu halten. Indes: Während man die kostbarer werdende Wärme im Haus halten will, wächst der Schimmelpilz. Schon erheben Raumhygieniker ihre Stimme und warnen vor Gesundheitsschäden. Laut Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts fuhren hohe Feuchte und der Einsatz neuer Innenraummateriahen zu hoher Konzentration chemischer Stoffe und zu einer starken Zunahme von Mikroorganismen. Für Abhilfe sorge die mechanische Lüftung, versichern Anbieter von raumlufttechnischen Anlagen. Genauere Informationen gab es jetzt bei einem Gedankenaustausch in Holzminden.
Rund 130 Planer, Architekten und Bauträger aus Norddeutschland waren auf Einladung von Stiebel Eltron nach Ostwestfalen gereist, um unter dem Titel „Herausforderung Wohnungslüftung" über die Ergebnisse einer Untersuchung in einer modern belüfteten Wohnungssiedlung zu diskutieren. Es handelte sich um die ersten
Messergebnisse des Projekts Expo 2000, der Hofanlage Brombeerweg. Ulrich Stiebel, Initiator des Projekts und Mitinhaber des Unternehmens: "Wir können schon jetzt den Schluss ziehen, dass sich Lüftungsanlagen bei der Mehrheit der Bewohner (fast 60%) positiv auswirken." Jedenfalls hätten die Befragten nach Bezug der Neubausiedlung bei sich eine geringere Tendenz zu Erkältungen, Allergien und Bronchialerkrankungen festgestellt. „Überdies freuten sich die Bewohner über freiere Nasen sowie über weniger Fälle von Heuschnupfen und Heiserkeit". Selbstverständlich seien die befragten Bewohner der Neubausiedlung über die Leistungsfähigkeit einer mechanischen Wohnungslüftung informiert gewesen. So waren folgende Leistungskriterien bekannt: Ausfiltern von Pollen und Staub, Entfernen innerer Schadstoffe, sichere Entfeuchtung der Räume, Reduktion äußerer Geräusche. Auch über den verringerten Endenergieeinsatz durch Wärmerückgewinnung hatte man die Befragten unterrichtet.
Prof. Karsten Levsen und Dr. Edith Berger Preiß vom Fraunhofer Institut für Toxikologie und Aerosolforschung in Hannover, haben die Luftqualität der Innenräume in der Siedlung am Brombeerweg gemessen. Man habe die Güte der Raumluft in einem Mehrfamilienhaus mit zentralem Lüftungssystem mittels chemisch-analytischer Messmethoden charakterisiert, erläutert Berger Preiß. Das Ergebnis: eine deutlich bessere Qualität gegenüber Räume mit Fensterlüftung.
Mechanische Lüftung eines Wohnhauses: Bei der Zuluft werden Pollen und Staub ausgefiltert, bei der Abluft innere Schadstoffe entfernt. Das Verfahren der Wärmerückgewinnung verringert den Endenergieeinsatz.