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News vom 29.04.2004

Eigenheimzulage wieder in der Diskussion


Die von der Bundesregierung geplante Streichung der Eigenheimzulage werde in Deutschland bis zum Jahr 2006 zu einer massiven Verknappung des Wohnraums und zu einer Explosion der Mieten führen, erklärte Dr. Klaus-Peter Möller, Vorstand des renommierten Pestel Instituts für Systemforschung e.V. in Hannover. Der Systemforscher, der Mitglied des Club of Rome ist, hat die zu erwartenden Auswirkungen eines Wegfalls der Eigenheimzulage in folgender Analyse zusammengefasst:

Dass die wohnungspolitische Forderung des Bundeskanzlers im Rahmen der Regierungserklärung "Deutschland 2010" vom 25.03.04 den realen Wohnungswünschen der Bevölkerung völlig zuwider läuft, hat die Reaktion auf die mögliche Streichung der Eigenheimzulage Ende 2002 und 2003 gezeigt. Aus Sorge über einen Wegfall der Förderung stieg 2003 die Zahl der Baugenehmigungen von Eigenheimen deutlich an, beim Geschosswohnungsbau fiel die Zahl der erteilten Baugenehmigungen dagegen weiter zurück, eine klare Aussage für das individuelle Eigenheim.

Nach der Halbierung der Eigenheimzulage ab Januar dieses Jahres ist für das Jahr 2004 mit einem drastischen Rückgang der Baugenehmigungen um 30 % zu rechnen. Schon die Halbierung der Eigenheimzulage für Neubauten ab Januar wird zeitverzögert ab 2005 zu einem Rückgang der gesamten Wohnungsbautätigkeit von 288.000 WE (2004) auf 215.000 WE (2005) führen. Da das Einfamilienhaus die einzige Wohngebäudeform ist, die auf die Verringerung der Förderung durch die Eigenheimzulage reagierte (vgl. Tabelle), darf diese auf keinen Fall gestrichen werden. Allein der Eigenheimbau garantiert weiteren Neubau und verhindert zukünftigen Wohnungsmangel und damit schnell steigende Mieten.

Ein weiteres dramatisches Absinken des Geschosswohnungsbaus mit oder ohne Förderung durch die Eigenheimzulage ist sicher. Da gleichzeitig die Bevölkerungszahl und die Zahl der privaten Haushalte zunehmen, entsteht in fast allen Regionen Deutschlands ein zunächst leichter und ab dem Jahr 2007 spürbarer werdender Wohnungsmangel. In der Folge werden die Mieten schneller ansteigen als der allgemeine Preisindex. Die gesamte Mietbelastung der privaten Haushalte nimmt zu.

Der Bundeskanzler verkennt, dass der Bau von selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern die letzte verbliebene Neubaunische überhaupt ist. Nur Umzüge in neue Einfamilienhäuser schaffen das notwendige Angebot im Geschoss-wohnungsbestand. Die Wohnungsmärkte sind bei Weitem nicht gesättigt. Ein Neubau von 320.000 WE in Deutschland stellt das Minimum an Wohnungsbautätigkeit dar. Allein 120.000 WE an Abrissen und Zusammenlegungen müssen jährlich ersetzt werden, die Zahl der Haushalte steigt jährlich um mindestens 200.000 an. Wird der ab 2005 ohnehin um 73.000 WE abgesenkte Einfamilienhausbau durch Streichung der Eigenheimzulage um zusätzliche 48.000 WE weiter gedrückt, werden die Ungleichgewichte an den Wohnungsmärkten durch mangelndes Angebot zunehmen.

Gibt es in dieser Marktlage auch keinen Einfamilienhausbau, so werden die Mieten explodieren, weil schon um 2010 - in den alten Bundesländern - rund 1 Mio. Wohnungen fehlen werden. Die Ausgaben für Miete würden sich innerhalb weniger Jahre verdoppeln, wenn kein Einfamilienhausbau mehr stattfindet.

Die Prognose der Neubautätigkeit bis 2006 bei völliger Streichung der Eigenheimzulage ist nachfolgend zusammengefasst:

Wohnungsfertigstellungen in Gebäuden
mit ... 1) Gesamtbedarf
Jahr 1 oder 2 WE 3 oder mehr WE WE insgesamt (Anzahl WE)
2002 2) 190 100 290 305
2003 3) 185 81 266 310
2004 4) 213 75 288 320
2005 5) 149 66 215 320
2006 6) 104 63 167 320


1) Wohnungen (WE) in neuen Wohngebäude und sonstige WE (Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden sowie neue WE in Nichtwohngebäuden und in Wohnheimen).
2) Fertigstellungszahlen (Ist)
3) Schätzung auf Grund der Baufertigstellungen 2003 gegenüber 2002 (jeweils Januar bis November)
4) Schätzung auf Grund der Baugenehmigungen 2003 gegenüber 2002
5) Halbierung der Eigenheimzulage ab 2004
6) bei völliger Streichung der Eigenheimzulage ab 2005


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