Unter dem Dach des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.) hat sich im Jahre 1998 ein Gesprächskreis - Entrauchung - konstituiert. Ihm gehören Unternehmen des Lüftungsanlagenbaus und des Ventilatorenbaus sowie weitere Experten des Brandschutzes und der Brandbekämpfung an.
Der Gesprächskreis will vor dem Hintergrund des Personenschutzes über die Bedeutung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen für die schnelle Entrauchung im Brandfall informieren. Durch Bereitstellung von Planungs- und Bemessungshilfen in einer Reihe von Informationsschriften wird der Kreis diese Sicherheitstechnik weiter entwickeln und eine breite qualifizierte Anwendung unterstützen.
„Wie entkomme ich lebend?" Auf diesen provokanten Titel eines Video-Films will der Gesprächskreis Entrauchung im VDMA Antworten geben.
„Etwa 95 % aller Todesfälle bei Bränden sind Rauchopfer. Bereits in der Anfangsphase eines Brandes werden große Mengen von Rauch freigesetzt, lange bevor sich die heiße Phase eines Brandes entwickelt", erklärte Prof. Dr. W. Klingsch, Bergische Universität Wuppertal und Vorsitzender des Gesprächskreises Entrauchung, auf einer Pressekonferenz des VDMA anlässlich der light + building in Frankfurt.
Durch Inhalation des Brandrauches, der aus einer vielfältigen Mischung aus Gasen, Aerosolen bzw. Dämpfen sowie Partikeln besteht und ein erhebliches toxisches Potenzial besitzt, kommen die meisten Opfer zu Tode. Häufig ist das entstehende Kohlenmonoxid ausschlaggebend. Darüber hinaus führen Sichtbehinderungen durch Rauch zu Risiken, auch wenn Personen sich außerhalb der eigentlichen verrauchten Zone aufhalten.
Brandereignisse in der Vergangenheit haben gezeigt, dass vernünftige Brandschutzkonzepte notwendig sind. Ein wirksamer Brandschutz muss drei Aspekte erfüllen: Das vorrangige Ziel ist der Schutz der Personen, indem die Rettungswege während der Evakuierungsphase von Rauchgasen frei bleiben. Ferner muss die Feuerwehr die Möglichkeit haben, den Brand rechtzeitig einzudämmen. Zum dritten sollen Brandschutzmaßnahmen verhindern, dass der Rauch in andere Bereiche des Gebäudes gelangen kann.
Eine wirkungsvolle Entrauchung zur Steigerung der Personensicherheit ist insbesondere immer dann angezeigt, wenn große Personenzahlen zu evakuieren sind oder besondere Situationen wie bei Versammlungsstätten, ausgedehnten Ladezonen, unterirdischen Bereichen, Flughafen, Bahnhöfen, Tunnel u. ä. einen längeren Evakuierungszeitraum erforderlich machen.
Untersuchungen der Mitglieder des Gesprächskreises und anderer Experten verdeutlichen, dass es zu einer raschen Verrauchung der Fluchtwege kommt. Prof. Dr. R. Detzer von Rud. Otto Meyer, Hamburg, dazu: „Meist bleiben den Flüchtenden nur sehr wenige Minuten Zeit, um in einer Paniksituation unter ausreichenden Sicht- und Atmungsbedingungen ins Freie zu gelangen".
An Orten großer Menschenansammlungen ist eine natürliche Entrauchung nicht sicher genug, nicht ausreichend oder grundsätzlich nicht möglich. Wegen der großen Rauchfreisetzungsraten bei verhältnismäßig geringen Wärmefreisetzungen des Entstehungsbrandes mit festen Brennstoffen und der im Raum zu erwartenden Rauchgasströmungen kann die Personenrettung nur durch eine maschinelle Rauchableitung sicher gestellt werden.
Nur eine wirkungsvolle Absaugung kann eine gleichmäßige, waagerechte Schichtung des Rauches unter der Decke herstellen. Ohne Absaugung bewirken rückströmende Rauch- bzw. Brandgase die vollständige Verrauchung des Gebäudes bzw. des Gebäudeteiles.
Eine vorhandene Sprinkleranlage kann den Rauchabzug nicht ersetzen. „Eine Rauchabzugsanlage kann den Brand nicht eingrenzen, ebenso wenig wie eine Sprinkleranlage das Rauchproblem lösen kann", führte Dipl.-Ing. G. Jung vom Sachverständigenbüro Jung, Meyer & Partner aus. „Im Gegenteil, nicht abgeleitete Rauchgase können von den Sprinklerdüsen in die Fluchtebenen gedrückt werden".
Mit großer Sorge betrachten die Mitglieder des Gesprächskreises die Tendenz, in verschiedenen technischen Richtlinien und Verordnungen unter bestimmten Voraussetzungen auf Maßnahmen der gezielten Rauchableitung zu verzichten. Sie warnen vor dem sorglosen Umgang mit dem Begriff "Kaltentrauchung", der suggeriert, dass eine Entrauchung mit normalen Lüftungsanlagen möglich sei. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass der Personenschutz nur durch eine Entrauchung mit Ventilatoren gewährleistet werden kann. In den letzten Jahren sind in einer großen Zahl von Fällen anspruchsvolle Sonderbauwerke mit einem hohen brandschutztechnischen Sicherheitsstandard ausgerüstet worden. Die technischen Entwicklungen auf diesem Gebiet erlauben dabei Qualitätssteigerungen, die früher kaum vorstellbar waren.