Unter der Erde tickt eine unsichtbare Zeitbombe: Informationskampagne Leitungsinfrastruktur startet am 21. September 2004. "Wenn wir nicht dringend in die Leitungsinfrastruktur in Deutschland investieren, wird es in Zukunft noch viel häufiger zu spektakulären und gefährlichen Unglücken kommen, wie jetzt in Berlin, wo ein Wasserrohrbruch unter der Berliner Stadtautobahn zu chaotischen Verhältnissen im morgendlichen Berufsverkehr führte oder im Bremer Weserstadion, wo eine defekte Kabelleitung die Übertragung des Bundesliga-Auftaktspieles um Stunden verzögerte". Darauf wies heute in Berlin der Vizepräsident Technik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dr. Klaus-Dieter Ehlers, hin. Vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, spiele sich derzeit unter der Erde ein gigantischer Verfall unseres Leitungssystems ab, der in der Folge zu erheblichen Umweltschäden führe und Krankheiten verursachen könne. "Hier tickt eine unsichtbare Zeitbombe", sagte Ehlers.
Allein in Berlin gingen durch schadhafte Leitungen 30 Prozent des Trinkwassers verloren. In Deutschland seien 60.000 Kilometer der öffentlichen Kanäle defekt. Die Kommunen trügen hier einen Investitionsstau von 50 Milliarden Euro vor sich her, der täglich größer werde. Über den Zustand privater Abwasserleitungen könne nur spekuliert werden. Insgesamt sieht Ehlers einen Bedarf von 40 Milliarden Euro jährlich, um die Leitungsinfrastruktur, die aus zirka 33 Millionen Kilometern an Kanälen, Wasser- und Abwasserleitungen, Gas- und Fernwärmeleitungen sowie Kabeln besteht, zu erhalten. Nur Bruchteile dieser Summe würden allerdings im Moment von Leitungsbetreibern und Kommunen zur Sanierung bereitgestellt.
"Die Bedeutung einer leistungsfähigen Infrastruktur für Wachstum, Beschäftigung und Sicherung der Umwelt, Lebensqualität und Gesundheit muss wieder in unser Bewusstsein rücken", so Ehlers weiter. "Wenn wir jetzt nicht sofort handeln, werden wir den Rückstand bei den Leitungsnetzen niemals wieder aufholen". Der Blick ins Ausland gebe einen Vorgeschmack darauf, welche dramatische Konsequenzen Defizite im Infrastrukturbereich nach sich zögen: So stünden 80 Prozent aller Krankheiten weltweit in Verbindung mit einer qualitativ und quantitativ unzureichenden Wasserver- und -entsorgung. In Deutschland seien nun alle Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Verwaltung gefordert, an einem Strang zu ziehen, damit unsere Lebensadern im Boden überleben könnten.
Zum Thema "Leitungsinfrastruktur in Not" startet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie gemeinsam mit der ARGE Leitungsbau am 21. September in Frankfurt/Main eine Informationskampagne.